Beethoven und die Tempel

Als wir 2019 zu einem Look-and-See Trip, der angeblich ja nicht ein solcher war, nach Singapur kamen, sagte mir ein Kollege meines Mannes: „Wenn Ihr drei Tage hier gewesen seid, kennt Ihr Singapur.“ Ich dachte lange Zeit, dass er zwar nicht ganz recht hatte, aber wahrscheinlich fünf Tage reichen würden. Heute weiß ich mehr. Ich würde behaupten, dass ich für mindestens zwei, wenn nicht mehr Wochen, ein spannendes Programm zusammenstellen kann und da ist dann maximal ein Strandtag dabei und auch bei dem würde ich noch Kultur unterbringen.

Wie ich darauf komme? Ganz einfach. Ich hatte schon vor Jahren mal von einer Büste gehört, die hier in Singapur aufgestellt worden war. Eine nicht gerade schöne Büste, aber immerhin von einem doch recht bekannten Künstler. Diese Büste haben wir heute gesucht und natürlich gefunden. Wenn auch nach einer etwas längeren Suche kreuz und quer über das Universitätsgelände. Denn auch dieses „Stück Deutschland“ steht, wie die Berliner Mauer, auf dem Gelände einer Uni – der Singapore University of Technology and Design. Auch dieses Exponat nicht wirklich exponiert, sondern eher etwas versteckt.

War auch dieses Kunstwerk eher versteckt steht, weiß ich nicht. Ich weiß aber, dass ich es eher gewöhnungsbedürftig finde. Ich könnte mir vorstellen, dass es den Beschenkten ähnlich ging. Keine Ahnung, was sich der Künstler dabei gedacht hat. Ich gebe zu, der Kopf neben der armlosen Figur sieht aus wie Beethoven. Was oder wer das andere sein soll, ist mir allerdings schleierhaft. Die Figur trägt einen Lorbeerkranz um den Kopf und erinnert an Caesar. Allerdings ist das angemalt, als käme die Figur gerade vom Karneval. Ob das eine Hommage an die Heimatstadt des Künstlers ist? Denn erschaffen wurde das Werk von Markus Lüpertz, der in Düsseldorf zuhause ist. Ich werde mal jemanden fragen, der sich auskennt. Ich habe da jemanden im Blick.

Da die Suche nach Beethoven unseren Tatendrang nicht befriedigt hatte, beschlossen wir, noch einen Tempel zu besuchen. Dort angekommen, stellten wir aber ganz schnell fest, dass im Umkreis dieses einen Tempels, noch ganz viele andere waren. Jeder für sich ein kleines Highlight.

Den Auftakt machte der Sakya Muni Buddha Gaya Tempel. Ein Tempel, wie ich ihn in Singapur noch nicht gesehen hatte. Denn eigentlich ist es nur ein Gebäude um einen riesigen Buddha herum. In der Mitte des 15 Meter hohen Tempels sitzt ein 300 Tonnen schwerer Buddha, um den eine scheinbar endlose Lichterkette rankt. Weshalb der Tempel im Volksmund auch „Tempel der 1000 Lichter“ genannt wird.

Alles an dem Tempel erinnert an die Haw Par Villa. Alles ist super bunt und in einem Stil gehalten, den man als „naive“ Kunst bezeichnen könnte. Ich war also nicht überrascht, als ich herausfand, dass der Tempel mit einer Spende der Brüder Aw Boon Haw und Aw Boon Par errichtet worden war. Also genau die beiden Brüder, auf die auch die Haw Par Villa zurückgeht und die mit ihrem Tiger Balsam reich geworden sind. Das sicherlich auch der Grund dafür, dass sich überall im Tempel der Tiger wieder findet.

Seinen Ursprung hat der Tempel in einer behelfsmäßigen Schutzhütte aus Holzbrettern und Zink. Diese hatte 1927 der thailändische Mönch Venerable Vutthisasara errichtet und darin eine Buddha Statue untergebracht, die er mit nach Singapur gebracht hatte.

Glaubt man den Mönchen, befindet sich in dem Tempel noch ein Replik des Fußabdrucks Buddhas aus Ebenholz und eines aus Perlmutt sowie ein Stück Rinde des Bodhi Baumes, unter dem Buddha saß. Die Replika wurden auf dem Adam’s Peak in Sri Lanka genommen. Denn hier auf dem Adam’s Peak gibt es nahe dem Gipfel eine Vertiefung in einem Felsen. Buddhisten glauben, dass das der Fußabdruck Buddhas sei, andere meinen es wäre der des Gottes Shiva und wieder andere meinen es wäre der von Adam.

Gesehen haben wir weder den Fußabdruck aus Ebenholz noch den aus Perlmutt. Dafür aber jede Menge Tiger und Buddhas. Um den Buddha in der Mitte stehen drumherum noch ganz viele kleine Buddhas und in seinem Bauch hat er auch noch einen liegenden Buddha. Dafür muss man allerdings von hinten reinschauen. Also quasi ….. Nein! Ich schreibe das hier nicht auf, aber Ihr wisst, was ich meine. Wusstet Ihr übrigens, dass es für jeden Tag der Woche einen eigenen Buddha gibt? Je nach dem an welchem Tag man betet, betet man für etwas anderes. Meistens natürlich für Reichtum oder Glück, aber für Chinesen ist Glück gleichbedeutend mit Reichtum.

Am Ausgang bzw. Eingang wieder eine Buddhafigur. Diese dann sogar mit vier Gesichtern und daneben die Anleitung zum Beten. Mit vier Räucherstäbchen in der Hand soll man sich jeweils in eine Richtung verbeugen. Erst in Richtung der zentralen Tür des Tempels. Das hilft bei der beruflichen Karriere. Dann im Uhrzeigersinn: Zwischenmenschliche Beziehungen, Reichtum und zum Schluss Gesundheit und Weisheit.

Schräg gegenüber des Sakya Muni Buddha Gaya Tempels steht der Leong San See Tempel – der Drachenberg Tempel. Der Tempel mit den meisten Ornamenten Singapurs. Man könnte ihn auch den überladensten Tempel Singapurs nennen. Auf dem Tempel thronen unzählige recht filigrane Figuren. Figuren, die aussehen wie Engel aber eigentlich Affen mit Flügeln sind. Kleine Tempel mit chinesischen Reitern davor und natürlich ganz viele Drachen. Auch dieser Tempel ist von außen bunt und von innen über und überladen mit Gold.

Zurück geht der Tempel auf den Prediger Chun Wu, der 1913 mit nicht mehr als einer Urne und einer Statue der Göttin der Barmherzigkeit – Guan Yin – nach Singapur gekommen war. Chun Wu hatte 1917 an der Stelle, wo heute der Tempel steht, ursprünglich nur ein paar Hütten errichtet, in denen er sich um die Kranken kümmerte.

1926 wurde der heutige Tempel mit Baumaterial aus China und mit der finanziellen Unterstützung von Tan Boon Liat, einem bekannten Kaufmann und Philanthrop, errichtet. Eigentlich sollte in den 1950ern neben dem Tempel ein neuer errichtet werden. Der Abt entschied sich dann aber doch dafür, das Geld lieber in eine Schule zu investieren. Die Schule gibt es heute noch. Zwar nicht mehr auf dem Gelände des Tempels, aber noch immer sind die Schule und der Tempel eng verbunden.

Überall im Tempel sehen Buddhafiguren, was mich aber am meisten fasziniert hat, war ein Innenhof. Auch dieser durchaus interessant gestaltet. Im hinteren Bereich sah es wieder aus wie in unserem goldenen Keller – im Kleinformat und an einer Säule ein Hinweis auf die Kosten einer buddhistischen Bestattung. So ganz verstehe ich das nicht. Meistens wird es doch preiswerter, wenn man etwas im Doppelpack kauft. Bei Bestattungen ist das offensichtlich nicht der Fall.

Zum Schluss sind wir noch an einem hinduistischen Tempel vorbei, aber dieser war leider geschlossen. Noch gebe ich die Hoffnung nicht auf, dass ich vielleicht noch den einen oder anderen Tempel, der noch wegen Corona geschlossen ist, werde sehen können.

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