Das versteckte Bali

Schon vor drei Monaten hatten wir einen Reise nach Bali geplant. Damals kam uns eine Schockernachricht dazwischen und wir sind Hals über Kopf nach Deutschland geflogen. Jetzt sind wir da und genießen das etwas kühlere Wetter. Ja, auf Bali ist es sehr viel angenehmer als in Singapur.

Für unseren ersten Tag hatte ich einen Tourguide gebucht. Gery. Gebürtiger Österreicher, jetzt Indonesier, Konsul der Schweiz und Touristenführer. Interessanter Mix. Er wohnt schon seit mehreren Jahrzehnten hier und kennt sich dementsprechend gut aus.

Was den Tag mit ihm so interessant gemacht hat, war nicht nur die Fahrt mit dem VW Kastenwagen, in den ich nur quer reinpasste, sondern auch, dass er uns sehr viel über Bali, seine Einwohner und deren Leben erzählen konnte. Außerdem hat er uns an Orte gefahren, an denen so gar keine Touris zu sehen waren. Sehr angenehmen, denn Ubud ist so viel mehr Touristadt als wir das gedacht hätten. Hier ist fast nichts ursprüngliches mehr zu sehen. Ein Restaurant neben dem anderen. Ein Souvenirshop neben dem anderen und überall Touristen. So zumindest mein erster Eindruck.

Aber zurück zu Gery. Getroffen haben wir ihn am Taman Ayun Tempel. Ein wunderschöner balinesischer Tempel einige Kilometer von Ubud entfernt.

Der Taman Ayun Tempel, was so viel heißt, wie „Tempel des schwimmenden Gartens“, wurde 1634 vom ersten König des Mengwi Königreichs, I Gusti Ngurah Agung Sakti als „Familientempel“ erbaut und gehört heute zu den wichtigsten Tempel Balis. Dafür, dass die Anlage so alt ist, sieht sie extrem neu aus. Die Erklärung: Bei einem Erdbeben wurde die Anlage komplett zerstört und wurde 1937 aber wieder aufgebaut. Seit 2012 ist sie UNESCO Weltkulturerbe.

Das Besondere an diesem Tempel: Während alle Schreine in balinesischen Tempeln normalerweise zum heiligen Berg Gunung Agung ausgerichtet sind, sind sie in diesem Tempel weisen diese in Richtung des Gunung Batukan. Warum? Die Antwort suche ich noch. Worauf ich aber eine Antwort erhalten habe, ist die Frage, warum die Schreine unterschiedlich viele Dächer hatten. Die Antwort, eigentlich logisch, je wichtiger die Gottheit, desto mehr Dächer.

Als wir ankamen war die Tempelanlage noch geschlossen, aber Gery scheint hier alle zu kennen und somit war es kein Problem. Ganz im Gegenteil. Wir konnten den Tempel in aller Stille und bei einem irre Licht bewundern.

Mein persönliches Highlight war dieser Springbrunnen. Er funktioniert ohne Pumpe. So zumindest die Aussage unseres Führers. Wie genau sie funktioniert, konnte er nicht erklären und ich konnte bisher auch noch keine Erklärung finden. Noch nicht einmal eine Seite, die darauf hinweist. Ein ganz klarer Fall für ein

Vom Tempel ging es zu einem lokalen Markt. Ins „Altersheim“ – O-Ton Gery und er hatte recht. In der Markthalle waren in erster Linie ältere bis ziemlich alte Frauen, die hier ihre Ware feilboten. Insgesamt unterscheidet sich dieser Wetmarket aber nicht von all den anderen Wetmarkets, die wir bisher in Asien gesehen haben.

Auch dieser war in einer großen Halle untergebracht – unterteilt nach Obst und Gemüse und Fleisch und Fisch. Auch hier gab es draußen, vor der Halle, noch Verkaufsstände. Einer davon hatte bunte Kücken im Angebot. Ich dachte, die wären durch die Farbe gezogen worden, was ich schon ziemlich grausam fand. Mein Tierernährer-Mann hat mich dann aber aufgeklärt. Man kann die Federn der Kücken färben, indem man ihrem Futter Farbstoff beimixt. Auch nicht viel besser. Ob das die Erklärung für die „grünen Männchen“ ist? Waren es vielleicht gar keine Außerirdischen, sondern einfach normale Menschen, denen man heimlich etwas untergemischt hat?

Ich schweife ab. Zurück zu dem Markt, denn in einer Hinsicht hat er sich grundlegend von allen Märkten, die wir bisher gesehen haben, unterschieden: Alle Marktstände sind exakt gleich groß und jeder Marktstand – ja JEDER – hat einen eigenen kleinen Schrein. Eigentlich sieht man beim Betreten also nur diese unzähligen Schreine (ich habe vergessen ein Closeup zu machen. Sorry, Winfried!) und erst auf den zweiten Blick all die Waren.

Überhaupt ist Bali unglaublich gläubig. Auf unserer Fahrt hatte ich nicht den Eindruck durch Dörfer zu fahren. Vielmehr hatte ich den Eindruck durch eine riesige Tempelanlage zu fahren, in der auch Menschen leben. Jeder Eingang sieht als, als würde er zu einem anderen Tempel führen. Überall stehen Statuen und überall finden sich kleine Opfergaben.

Tatsächlich hat jedes Haus, wie wir von Gery gelernt haben, einen eigenen Haustempel und reichere Familien haben dann nicht nur einen kleinen, sondern gleich einen etwas größeren.

Der nächste Halt waren wunderschöne Reisfelder – auf jedem Feld ein kleiner Schrein. In der Mitte der Felder ein Tempel, sowie eine Versammlungshalle und auch die ist so kunstvoll gefertigt, dass sie aussieht wie ein heiliges Gebäude.

Vorbei an unzähligen weiteren Tempel, die wir aber leider nicht besuchten, ging es zu einer kleinen Waldwanderung und dann in einen der drei Monkey Forests. Mitten im Wald ist hier ein Tempel und in diesem Tempel leben mehrere Hundert Affen – aufgeteilt in drei rivalisierende Gruppen. Eine im Osten, eine im Westen und eine in der Mitte des Waldes. Dringt eine Gruppe in das Gebiet der andere ein, kann das schon mal zu blutigen Kämpfen mit Toten führen. Angeblich hat aber noch nie jemand einen toten Affen gesehen. Auch nicht einen an Altersschwäche gestorbenen.

Die einen meinen, dass die Affen ihre Toten vergraben. Andere, in erster Linie Indonesier*innen, meinen, dass die Affen im Nirwana verschwinden. Keine Ahnung, wer Recht hat.

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