Von Ameisen und heißen Quellen

Vor einigen Wochen hatte mir eine Freundin aus Deutschland einen Link zu einem Bericht über Singapur geschickt. In diesem wurde eine Tierhandlung vorgestellt, die sich auf Ameisen spezialisiert hat. Klar, dass ich das sehen musste. Gestern war es dann endlich soweit. Margareta war wieder mein „willing victim“. Gemeinsam ging es also im Auto in den Norden Singapurs. Da ein Ameisenladen nicht unseren ganzen Tag füllen würde, hatte ich noch nach anderen Sehenswürdigkeiten in der Nähe gesucht. Eh voila. Quasi um die Ecke gibt es die einzigen heißen Quellen Singapurs. Nicht, dass man hier heiße Quellen bräuchte, aber interessant ist es dennoch.

Der Ameisenspezialist öffnet seinen Laden erst um 12 Uhr. Wir hatten daher beschlossen den Vormittag Emerald Hill anzuschauen. Ein Stadtviertel ganz in der Nähe der Orchard Street (Ihr wisst schon, DIE Einkaufsstraße Singapurs. Super langweilig. Also die Orchard Street. Um das zu sehen, kann man in jede beliebige Großstadt dieser Welt reisen.) Emerald Hill aber ist faszinierend. Wenn man von der Orchard Street in dieses Viertel einbiegt, befinden sich in den ersten der unzähligen wunderschönen Häuser ein Restaurant bzw. eine Bar neben der anderen. Wir waren hier schon mal abends gewesen. Einen Platz zu bekommen, ist ziemlich schwierig. Was wir damals nicht, gestern habe schon gemacht haben, war einfach weiterlaufen. Hinter all den Bars und Restaurants liegt eine Wohngegend, wie man sie hier zwischen all den Hochhäusern nicht vermuten würde.

Das ganze Gebiet ist geschützt. Nichts darf abgerissen werden. Gut so! Früher gehörten die meisten Häuser wohlhabenden Mitgliedern der Peranakangemeinde. Hatte ich schon den Begriff „Peranakan“ erklärt? Ich glaube nicht. Also:

Als Peranakan werden Menschen bezeichnet, die aus einer Verbindung von einer malaiischen Frau und chinesischen Mann entstanden sind. Die chinesischen Männer waren als Lohnarbeiter nach Malaysia emigriert und von hier aus weiter nach Singapur. Die Peranakan Kultur ist unheimlich farbenfroh, was man auch an den Häusern sehen kann.

Unser Highlight war allerdings ein Haus, das gerade renoviert wurde. Neugierig hatte ich versucht, einen Blick ins Innere zu erhaschen, was nicht wirklich möglich war. Die Bauarbeiter hatten ihren sichtlichen Spaß daran, mir bei meinem Versuch zuzuschauen. Mir blieb also nichts anders übrig, als die Männer, um Erlaubnis zu bitten. Sie waren nahezu begeistert, dass wir Interesse hatten und brachten uns gleich zum Ober“engineer“. Das Haus war riesig und in der Mitte bis unter das Dach offen. Im hinteren Bereich eine große Küche, die gerade kernsaniert wird. In der Mitte eine moderne, neue Treppe, die rechts und links in den zweiten bzw. dritten Stock führt.

In den Zimmern auf der oberen Etage waren die Räume bereits renoviert. Hier konnten wir die original wieder aufgearbeiteten Holztüren und Holzdecken sehen. Die Wände sind mit weißem Holz verkleidet. Im Erdgeschoss sind diese Verkleidungen von den Wänden genommen worden und die alten Ziegelsteine werden gerade Quadratzentimeter für Quadratzentimeter gereinigt. Das Haus ist ein TRAUM! Zu gerne würde ich es sehen, wenn jemand darin wohnt.

Weiter ging’s zu den Ameisen. Dafür mussten wir für singapurianische Verhältnisse ziemlich lange fahren. Etwas über 20 Minuten! Und tatsächlich haben wir ihn sofort gefunden. Auf den ersten Blick hätte ich hier nicht einen einzigen Lagen vermutet, denn von außen sieht es so aus, als reihe sich hier ein Hochhaus an das nächste. Nicht die schicken Hochhäusern, wie man sie in der Innenstadt hat, sondern vielmehr sozialer Wohnungsbau. Aber es stellte sich heraus, dass sich ebenerdig ein Laden an den nächsten reiht. Die Atmosphäre hatte etwas von den chinesischen Vierteln in Shanghai. Ich war glücklich!

Der Ameisenladen „Just Ants“ ist einer dieser typischen „hole in the wall“ Läden. Türen gibt es keine. Um den Laden zu „schließen“, wird von oben ein Rolladen runtergezogen. Der Besitzer John Ye war gerade dabei, ein neues Terrarium für seine Ameisen zu konstruieren. Ein weißer Streifen am oberen Ende des Terrariums sorgt dafür, dass die Tierchen nicht ausbüxen. Wenn es aber doch mal eine schafft, hat Ye eine Art Staubsauger, der ganz sanft die Tierchen in ein durchsichtiges Röhrchen saugt. Im Inneren des Terrariums konnten wir sehen, wie die kleinen Tierchen auf dem Boden und durch ein Glasröhrchen krabbelten. In den Wänden waren kleine Gänge, so dass man auch hier ganz einfach das geschäftige Treiben der Ameisen verfolgen konnte. Sogar die Königin war zu sehen. Damit die Ameisen nicht vom Licht gestört werden, wird von außen eine rote Folie angebracht.

An einer der Wände des Ladens gab es ein bereits fertig „eingerichtetes“ Terrarium. Hunderte dieser kleinen Insekten krochen hier durch die Gänge. Wirklich sehen konnte man sie nur mit einer Lupe, aber natürlich lag auch die schon bereit.

Ye verkauft in seinem Laden so ziemlich alles, was man für die Ameisenhaltung und -züchtung braucht. Zwischen 30 und 35 verschiedene Ameisenarten – von ziemlich großen bis zu ziemlich kleinen. Von gewöhnlichen Ameisen bis hin zu eher seltenen Arten wie den Anoplolepis gracilipes, auch Spinnerameise genannt. Terrarien, Ameisensauger, Deko für das Terrarium, Sand, Erde, Stöckchen und natürlich Merchendiseartikel. Ich laufe jetzt mit einer „Just ants“ Maske rum! Man kann Ye die Begeisterung für seine Ameisen ansehen. Mit leuchtenden Augen hat er uns erzählt, wie interessant doch das Züchten von Ameisen wäre. Was man alles von Ameisen lernen könne. Noch hat er mich nicht überzeugt, aber das kann ja noch kommen.

Von den Ameisen sollte es weitergehen zu den heißen Quellen, aber weil es so geregnet hat, haben wir uns er noch mal eine Fußmassage gegönnt. Könnt Ihr Euch an meinen Bericht über meine erste Fußmassage in Shanghai erinnern? Als wie schmerzhaft ich die beschrieben habe? Nun ja. Ein Vergnügen war diese auch nicht. Sie kam definitiv an die in Shanghai ran. Naiv, wie ich manchmal sein kann, hatte ich mich auf eine Stunde eingelassen. Bei jedem Schmerzensschrei von mir, meinte meine Masseurin nur „no pain, no gain“. Immer wieder haben meine Beine unmotiviert gezuckt und ich hatte echt Angst, dass ich diese kleine, zarte Masseurin unbeabsichtigt treten würde. Denn nett war sie schon. Nach der Stunde war ich aber einfach nur froh, dass ich offene Schuhe anhatte. Die Masseurin hatte so an meinen Zehen rum geknetet und gezogen, dass ich jetzt ganz sicher eine Schuhgröße größer brauche. Margareta hat ihre Masseurin auch noch an den Beinen gezogen. Gebracht hat das allerdings wenig. Sie ist noch immer wesentlich kleiner als ich.

Jetzt also zu den heißen Quellen. Es hatte aufgehört zu regnen. Wir haben sie gefunden. Zumindest den Eingang, aber es war unmöglich irgendwo zu parken. Langsam einkreisen war nicht möglich. Nachdem wir gefühlte zwanzig Mal an dem Schild vorbei gefahren waren, hatte ich den Kanal dicht und wir haben das Erlebnis „heiße Quellen“ verschoben. Nichts mit Entspannung für die Füße.

Da ich noch etwas abholen musste, sind wir dann in die Gallery 278 gefahren (von dort haben wir unsere Möbel) und dort versackt…..

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