Das muslimische Singapur

Es ist Alex-Donnerstag und ich bin mit Margareta unterwegs. Wir bzw, ich hatte beschlossen, dass wir dieses Mal den muslimischen Teil Singapurs erkunden werden. Margareta war noch nicht in der Arab Street gewesen und da ich Stoff kaufen wollte, dachte ich, dass wir das mit einer Tour verbinden könnten.

(Fast) pünktlich zur verabredeten Zeit haben wir uns von der Sultan Moschee getroffen. Sie kam mit dem Taxi, ich mit dem Fahrrad. Es hatte gerade aufgehört zu regnen. Die Straßen sind dann zwar etwas glatter aber …. alles gut gegangen.

Die Arab Street ist lang und das Angebot überwältigend. Es alles, was man sich so auf einer Arab Street eben vorstellt. Ein Stoffladen neben dem anderen. Mal mit mehr, mal mit weniger schönen Stoffen. Aber da sich über Geschmack bekanntlich streiten lässt, hat hier sicherlich jeder Laden seine Berechtigung. Für meine Stoffe bin ich gleich im ersten Laden fündig geworden. Wunderschöne thailändische Baumwollstoffe. Mal sehen, was daraus wird.

Natürlich gibt es in der Arab Street auch Teppichläden. Gefühlte 100. Margareta war oder ist noch auf der Suche nach Teppichen und war somit das ideale „Opfer“ ganz speziell für einen Teppichverkäufer. Da es im Augenblick keine Touristen gibt, sind wir hier hieß begehrt gewesen. Margareta und er sind dann auch mit mir im Schlepptau durch diverse Läden – irgendwie scheinen die alle zusammen zu gehören – gezogen und ich muss schon sagen, bei dem einen oder anderen Teppich hätte ich schwach werden können.

Von der Arab Street ging es in die Haji Lane. Ich hatte von einem Selfie-Café gelesen, in dem man einen Cappuccino mit seinem eigenen Selfie darauf bekommt. Zu gerne hätte ich mich mal in Milchschaum gesehen, aber leider, leider hat das Café für immer geschlossen. Ein weiteres COVID-Opfer? Über die Haji-Lane muss ich Euch ja nichts mehr erzählen und wenn doch, dann schaut Euch einfach mein Video an.

Wie Ihr wisst, vermisse ich Shanghai. Ihre Wuseligkeit. Dieses nicht perfekte. Ich bin in Singapur immer auf der Suche nach etwas, das sich damit vergleichen lässt. Deshalb haben wir noch einen Abstecher in den Bugis Market gemacht.

Ich muss sagen: Nicht schlecht! Kommt an die Märkte in Shanghai dran. Es gab sogar „Streetfood“ und das Beste: Es gab „stinky tofu“, der aber definitiv nicht so gestunken hat wie der in China. Ehrlich gesagt, hat er gar nicht gestunken. Zumindest ich habe nichts gerochen und Margareta hat sich auch nicht über einen komischen „Geruch“ beklagt.

An den meisten Ständen konnte man Kleidung kaufen und die Verkäuferinnen und Verkäufer hier sehr viel geschäftstüchtiger als in Shanghai. Alle wollten uns in ihre Läden ziehen und alle hatten selbstverständlich gerade ein ganz besonderes Sonderangebot. Nur für uns. In Shanghai, zumindest in den chinesischen Märkten (nicht auf den Märkten für Touristen!) lagen die Verkäuferinnen und Verkäufer meisten irgendwo in ihren Verkaufsständen auf einem mehr oder weniger bequemem Stuhl und haben geschlafen oder sich mit dem Handy beschäftigt.

Wirklich fündig geworden bin ich nicht. Außer ein paar schicken Masken für mich und einer „Bayern München“-Maske für meinen Mann, habe ich nichts erstanden. Aber zu meiner ganz großen Beruhigung habe ich meine Fischschuhe gefunden. Ich habe sie nicht gekauft. Was ein Fehler war, weil in rot habe ich sie noch nicht. Gut, dass hier alles so klein ist. Ich werde also nächste Woche noch mal zu dem Markt fahren und die Schuhe kaufen.

Nach dieser Dosis „China“ wollte ich noch unbedingt auf den ältesten muslimischen Friedhof Singapurs. Er liegt fast direkt gegenüber der Moschee in einem kleinen Park. Der Friedhof wird schon seit vielen Jahren nicht mehr genutzt und obwohl er mitten in der Stadt liegt, kann man auch hier sehen, wie sich die Natur hier wieder das Land zurückerobert. Die letzte Beisetzung, die eines Indischen Muslims, hatte in 1963 stattgefunden. Die letzte Beerdigung eines Malaiischen Muslims in 1901.

Der Jalan Kubor Friedhof war ursprünglich in drei Sektionen unterteilt. Hier wurden in einer Sektion Malaiische, in einer anderen Indisch stämmige, muslimische Singapurianer*innen und in einer dritten die Nachkommen des Sultans beigesetzt. Irgendwann waren aber so viele Menschen hier begraben worden, dass daraus ein einziger großer Friedhof wurde.

Man findet hier die Gräber der Nachkommen von Sultan Hussein (von Johor) und Sultan Ali (von Singapur). Beide Abkömmlinge der königlichen Johor-Riad Familie, deren Palast ganz in der Nähe von Kampong Gelam war. Allerdings sind die Sultane nicht hier sondern in Melaka beigesetzt. Die royalen Gräber befinden sich in der mit gelben Steinen eingefassten Erdaufschüttung. Die in gelbe Stoffe eingehüllten Grabsteine sind die der royalen Familienmitglieder. Die letzte Beisetzung auf diesem Teil des Friedhofes hatte 1875 stattgefunden, also lange bevor der letzte Indische Muslim beerdigt worden war.

Zum Abschluss haben wir noch einen türkischen Tee in einer Straße gegenüber der Moschee getrunken. Begleitet von den Rufen des Mullahs. Hatte was.

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