Ikea, Mr. Li, der Blumenmarkt und ich

Ob ich wollte oder nicht, ich musste heute zu Ikea. Um die Wäsche trocken zu können, brauchen wir einen Wäscheständer. Außerdem brauchen wir unbedingt einen Sonnenschirm. Unsere Dachterrasse ist ohne Sonnenschirm sehr kurz genießbar. Es ist hier bereits sehr warm bis heiß und morgen möchte ich mit meinem Mann dort frühstücken.

Warum ich mich gegen Ikea sträube: Ganz einfach. Ist mir zu europäisch. Ich möchte hier doch das Land, die Leute und ihre Kultur kennenlernen. Dazu gehört es, in typisch chinesischen Läder einzukaufen.

Warum ich mich dann doch für Ikea entschieden habe: Der Wäscheständer war echt dringend und ich mir sicher, dass ich es nie geschafft hätte, einer chinesischen Verkäuferin „Wäscheständer“ mit Händen und Füßen verständlich zu machen. Es gibt bestimmt eine App dafür – habe ich aber (noch) nicht.

Außerdem hatten mir die Expatfrauen gestern Ikea als ein echtes Highlight verkauft. In chinesischen Ikeas sollten angeblich Chinesen „wohnen“. Mir wurde versprochen, dass ich überall Chinesen sehen würde, die probewohnen. Auf den Betten probeschlafen, in den Wohnzimmern mit ihren Kindern probespielen, in den Küchen und Esszimmern probeessen. Ich hatte mein Handy extra über Nacht voll geladen. Ich wollte auf keinen Fall mit leerem Akku da stehen und keine Fotos machen können. Aber … nichts. Alles war genau so wie bei uns und alle Chinesen haben sich genau so verhalten, wie das die Ikeabesucher*innen in Deutschland auch machen. Ich muss also wieder zu Ikea. So lange, bis ich sie finde, die probewohnenden Chinesen.

Kaum eine Straße ohne Blumen am Straßenrand.

Aber von Anfang an: Damit ich nicht mit Wäscheständer, Sonnenschirm und Co. mit der Metro fahren musste, holte mich unser Fahrer, Herr Li, heute ab. Auf der Fahrt zu Ikea wieder überall entlang den Straßen Blumen. Herr Li spricht zwar nur ein paar Brocken Englisch, aber durchaus genug, um zu verstehen, dass ich das wunderschön finde und mir anzubieten, mit mir auf den Blumenmarkt zu fahren. Nichts lieber als das. Nachdem Ikea nicht das Highlight war, das es werden sollte, sollte es der Blumenmarkt werden und wurde es auch.

Eine Wahnsinns Farbenmeer. Ein unbeschreiblicher Duft. Alles in einer unscheinbaren Halle. Wunderschöne Vasen, Kunsthandwerk und Wohnaccessoires. Aber mein persönliches Highlight war die Preisverhandlung um eine Vase. Ich hatte gelesen, dass man auf Märkten handeln muss. Auch hier? Und wenn ja. Wie? Gut, dass ich Mr. Li, zu seinem großen Erstaunen oder war es Entsetzen(?), gefragt hatte, ob er mich begleiten wolle. Jetzt konnte er für bzw. ich unter seiner Anleitung verhandeln. Und das ging so: Wir hatten eine sehr schöne Vase gefunden und die Verkäuferin hatte mich auch schon mit den passenden Blumen versorgt. Ich war begeistert – leider nicht vom Preis. Für deutsche Verhältnisse absolut ok, aber für chinesische? Also schaute ich Mr. Li fragend an und auch er fand es – nach etwas intensiverem Nachfragen – durchaus teuer. Er fing an zu handeln, aber die Verkäuferin blieb hartnäckig. Ok. Dann wir auch. Also raus aus dem „Laden“/Verkaufsstand. Erst mal wollten wir uns schlau machen, was eine ähnliche Vase an anderen Ständen kostet und natürlich die Verkäuferin etwas zappeln lassen. Nur, als wir unsere Strategie dann klar und einen Preis überlegt hatten, haben wir den Stand nicht wieder gefunden. Dafür aber einen anderen. Hier gab es ausschließlich Vasen. Darunter auch eine, die mir sehr gut gefiel. Und noch immer gefällt. Also los!

Ich frage nach dem Preis. Sie: „360 RMB.“ Zu teuer. Soviel wusste ich schon: Nie den erst genannten Preis akzeptieren. Ich also ein entrüstetes Gesicht aufgesetzt und: „Puh! Very expensive!“ Sie: „340.“ Ich: „Very much money.“ Jetzt ging der Preis schon in größeren Schritten nach unten: „280.“ „260.“ Mit 260 wäre ich zufrieden gewesen. Mr. Li nicht. Da die Verkäuferin zwischen uns und mit dem Rücken zu Mr. Wang stand, konnte nur ich sehen, dass er 2 Finger hoch hielt. Ich also: „200!“ Und: Deal!

Wahnsinn! Fast 50 Prozent runter gehandelt. Ich war stolz wie bolle – bis zu dem Moment als die Verkäuferin mit strahlenden Augen meinte: „Please come again!“ Trotz allem bin ich wohl doch eine gute Kundin gewesen.

4 Kommentare Gib deinen ab

  1. Sandra Zimmermann sagt:

    Hallo Nicole!
    Mit Interesse und Freude lese ich Deine Eindrücke! Echt beeindruckend! Da wird man richtig neugierig 🤷‍♀️
    Von den ganzen neuen Eindrücken und Unternehmungen musst Du doch völlig erschlagen sein! Doch egal… Hauptsache Du schreibst noch mehr!!!
    GlG Sandra

    Gefällt 1 Person

    1. Ich bin erschlagen! Am Sonntag soll das Wetter hier richtig schlecht werden. Und das ist auch gut so. Es freut mich aber natürlich wahnsinnig, wenn Du gerne mehr lesen möchtest! Ganz liebe Grüße Nicole

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  2. Heike sagt:

    Liebe Nicole,
    Shanghai war damals unsere erste Station in China und ich kann förmlich hören, riechen und schmecken wovon du berichtest. Mein geistiges Auge wird dich verfolgen und mit einem Augenzwinkern bei dir sein. Ganz liebe Grüße,
    Heike

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    1. Liebe Heike, danke für das Kompliment! Genau das will ich erreichen. Dass Ihr alle gefühlt live dabei seid! Speziell für Euch bin ich auch schon auf der Suche nach den besten „Wet Markets“. Ihr könnt Euch also schon auf den Besuch hier freuen! Ganz liebe Grüße nach Good Old Germany, Nicole

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