Mit dem Auto nach Melaka

Glaubt man unseren Freunden, der Assistentin meines Mannes und vielen anderen, haben wir letztes Wochenende etwas ganz verrücktes getan. Alle Warnungen ignorierend sind wir mit unserem eigenen Auto nach Malaysia gefahren.

Was hat man uns gewarnt!

Nehmt auf jeden Fall ein zweites Portemonnaie mit malaysischem Kleingeld mit. Ihr werdet an jeder Ecke von korrupten Polizisten angehalten und für irgendetwas unsinniges belangt! Wir sind nicht ein einziges Mal angehalten worden.

Wenn ihr mit dem eigenen Auto fahrt, kommt ihr ohne Auto zurück! Nee. Wir sind mit unserem eigenen Auto wieder zurück gekommen.

Überall lungern Taschendiebe! Also, ich vermisse nichts!

Ihr müsst ganz früh über die Grenze, sonst steht ihr bis zu drei Stunden im Stau! Ok, wir sind ganz früh los und standen dann noch nicht mal drei Minuten im Stau. Aber wären wir später losgefahren, hätten wir auch nicht im Stau gestanden. So zumindest die Aussage derer, die später kamen. Aber egal. So hatten wir länger etwas von dieser UNESCO Weltkulturerbe Stadt. Denn ja, Melaka ist offiziell Weltkulturerbe.

Schon die Fahrt war echt aufregend. Wir waren noch nie so lange am Stück mit unserem Auto gefahren. Bisher war ja immer nach maximal 40 Minuten eine geschlossene Grenze vor uns. Dieses Mal waren es knapp drei Stunden. Die Strecke führte auch nicht nur durch Stadtgebiet. Ganz im Gegenteil. Rechts und links tauchten zwischen den Palmen immer mal wieder kleine Häuschen auf, ähnlich den Kampong Houses, von denen es hier in Singapur nur noch sehr wenige gibt.

Erste Anzeichen einer größeren Ansammlung von Häusern gab es erst als wir schon nach Melaka reinfuhren. Oder heißt es Malakka? Oder Melaca? Oder Melacca? Ich habe in der Stadt jede dieser Schreibeweisen gesehen!

Das Hotel zu finden war nicht ganz so einfach. Unser Navi weigerte sich strikt, die Adresse zu akzeptieren. Aber wir haben es gefunden. Denn was das Navi schon annahm, war den Tempel direkt neben dem Hotel.

Der Tempel war dann auch gleich unser erstes Sightseeing Highlight. Nachdem wir Johan, Margareta und ihren Sohn Gabriel begrüßt, gefrühstückt und uns etwas frisch gemacht hatten.

Der 1645 erbaute Cheng Hoon Teng Tempel ist einer der ältesten traditionellen chinesischen Tempel Malaysias und einer der wichtigsten Südostasiens. Er ist der Göttin Kuan Yin – der Göttin der Barmherzigkeit – gewidmet und zweifellos einer der schönsten Tempel, die ich bisher gesehen habe. Wie in so vielen Tempeln, die außerhalb Chinas errichtet wurde, vereint auch dieser gleich drei Religionen: Den Buddhismus, den Taoismus und Konfuzianismus. Obwohl man natürlich darüber streiten kann, ob Konfuzionismus eine Religion ist. Es ist wohl eher eine Lehre, aber Konfuzius wird verehrt wie eine Gottheit.

Auch in diesem Tempel gab es wieder hunderte von kleinen Gedenktäfelchen für die Vorfahren. Viele vergoldet, aber auch etliche, lediglich aus Holz mit einem Portraitfoto in eine Kerbe gesteckt. Leider konnte ich nicht erkennen, wann die Menschen gelebt haben. Den Fotos nach zu urteilen, muss es aber schon ziemlich lange her sein.

Um nicht ganz unvorbereitet durch die Stadt zu laufen, hatte ich im Vorfeld eine Karte auf Google Maps erstellt (musste ich auch für mein Buch machen. Ich weiß also, wie das geht!). Somit wussten wir zumindest schon mal etwas, wo es interessante Orte geben musste. Also ging es weiter zu unserem nächsten Highlight. Dachten wir. Was wir aber nicht bedacht hatten, war, dass es Freitag war und wir in einem muslimischen Land. Mein Highlight, die Kirche ohne Dach, mitten auf einer Art Museumshügel war zu.

Aber direkt daneben ist das Stadthuys. Sieht aus wie ein niederländischer Begriff! Stimmt. Dieses Haus und überhaupt alles, was sich auf dem „Roten Platz“ – alle Gebäude auf diesem Platz sind rot gestrichen – befindet, ist von den Niederländern errichtet worden. Melaka hat eine bewegende Geschichte hinter sich. 1511 landeten die erst die Portugiesen hier, setzten den Sultan ab und übernahmen die Kontrolle über den Gewürzhandel mit Europa. Etwas über 100 Jahre später, 1641, eroberten die Holländerin Stadt und bleiben knapp 200 Jahre. 1824 kamen die Briten. Melaka ist ein strategisch wichtiger Umschlagplatz im Indischen Ozean. Während des zweiten Weltkriegs schlugen die Japaner zu und besetzten Malaysia für zwei Jahre. Dann kamen die Briten aber wieder zurück und blieben bis 1957. Dem Jahr der Unabhängigkeit Malaysias.

Direkt beim Stadthaus parkten wunderschön mit Plüschtierchen dekorierte Fahrräder. Hallo Kitty, Spiderman, Pokemon und ganz viele, die mir nicht gesagten haben. You name it. Sie alle waren vertreten. Besonders schön anzuschauen, abends, wenn sie die Lichterketten an haben und mit lauter Musik kreuz und quer durch die Straßen fahren.

Weil wir natürlich mal wieder unheimlich viel gesehen haben und weil ich Euch etwas länger unterhalten möchte, schreibe ich über jeden Tag einzeln. Also freut Euch auf drei Beiträge.

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