Schwebend zum Glück

Jetzt wohnen wir schon fast zwei Jahre hier auf Sentosa. Jeden Tag sehe ich die Gondeln, die von Sentosa nach Mount Faber schweben und noch nie bin ich damit gefahren. Warum auch, ich könnte es ja jeden Tag machen. Aber mal ganz ehrlich, wenn Diana nicht zu Besuch hier wäre, hätte ich es nicht gemacht und wieder vor mir hergeschoben. Gestern war es dann aber endlich soweit.

Wir sind mit den Rädern ans andere Ende von Sentosa gefahren und von dort aus mit der Gondel nach Mount Faber. Von hier aus durch die Baumwipfel mit einem kurzen Abstecher an einigen schönen Black and White Häusern vorbei zum Hort Park und zurück.

Die Insel mal von oben zu sehen, ist echt irre. Die erste Strecke geht ausschließlich über Sentosa. Meine Güte, ist die schön! Die Strände sind der Hammer und von hier oben sieht man auch erst mal, wie unheimlich grün hier alles ist. Außerdem habe ich noch einen kleinen Steg entdeckt, den ich noch nicht gesehen habe. Jetzt muss ich also mal schauen, ob ich ihn finde. Ich wollte mir zwar merken, auf welcher „Höhe“ er war, aber … vergessen.

An der „Middle Station“ muss man umsteigen und dann geht’s über das Wasser auf die Hauptinsel – also quasi auf’s Festland. Und ganz kurzzeitig hatte ich den Eindruck, als würde ich auf Pudong schauen. Hohe Hochhäuser, um die im Halbkreis ein Fluss fließt. Es fehlten die bunten Lichter, die Schiffe und noch einiges mehr, aber trotzdem finde ich, dass es eine gewisse Ähnlichkeit hat.

Oben auf Mount Faber, direkt an der Station der Gondel steht die „Polnische Glücksglocke“. Am Geländer der Station hängen tausende kleine Glocken. Manche ganz neu, andere schon fast weggerostet. Auf jeder Glocke sind, wie bei den Vorhängeschlössern, die mittlerweile weltweit an allen möglichen und unmöglichen Stellen hängen, Namen eingraviert.

Vor einiger Zeit war ich mal mit einer Freundin hier gewesen, die ganz ursprünglich aus Polen kommt. Sie konnte beim besten Willen nicht verstehen, was Polen mit Glücksglocken zu tun haben könnte. Eine Tradition, nach der man Glocken läuten sollte, um dann Glück zu haben, war ihr komplett unbekannt. Also habe ich mich auf die Suche nach der Antwort gemacht:

Die Glocke stammt aus dem Jahr 1909 und ist die ehemalige Schiffsglocke der Dar Pomoza. Ein berühmter polnischer Großsegler, auf dem junge Elitesegler für internationale Segelregatten ausgebildet wurden. 1992 wurde sie Sentosa als Geschenk überreicht. Warum? Keine Ahnung.

Seit 2012 hängt sie im „Garden of happy promises“ auf Mount Faber. 2019 kam eine weitere polnische Schiffsglocke hinzu. Auch diese stammt von einem polnischen Großsegler, der Dar Młodzieży. Sie ist ein Geschenk Polens an Singapur. Ein Dankeschön für die langjährige Freundschaft und ein Symbol für die maritime Tradition beider Nationen.

Beide Glocken hängen jetzt nebeneinander unter einem Bogen mit künstlichen Blumen. Man sagt, dass es ewiges Glück, Friede und Harmonie bringt, wenn zwei oder mehr Menschen die Glocken gemeinsam zum Läuten bringen. Was das eine mit dem andern zu tun hat, erschließt sich mir nicht und auch Diana hatte keine Erklärung. Aber, was soll’s. Diana hat trotzdem beide Glocken so zum Läuten gebracht, dass uns jetzt definitiv alle gesehen hatten. Von Glück beseelt sind wir dann in harmonischem Frieden zurück nach Sentosa geschwebt.

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