Gerade erreichte mich eine WhatsApp von Luise.
Ich hole mal gerade etwas aus: Als wir Ende letzten Jahres erfuhren, dass wir für einige Jahre nach Shanghai ziehen würden, habe ich das natürlich allen, die es wissen wollten und natürlich auch allen, die es nicht wissen wollten erzählt. Ich empfand und empfinde es noch immer als ein riesiges Geschenk, eine Zeit lang, in einem fremden Land leben zu dürfen. Denn vor ziemlich genau 5 Jahren – unser Abflugstag war mein 5. Jahrestag – sah es für mich erst mal nicht so aus, als würde ich noch viel erleben. Ich hatte gerade meine Diagnose „Brustkrebs“ erhalten. Für mich im ersten Moment ein Todesurteil. Aber auch nur im ersten Moment. Danach habe ich sowohl für mich erkannt, als auch allen anderen erfolgreich gezeigt, dass man auch während einer Krebstherapie wunderbar weiterleben kann und dass man „Karl Arsch“ – wie ihn meine wunderbare Freundin, Begleiterin und selbst „Pink Sister“ Nicole immer liebevoll nennt – auch erfolgreich besiegen kann. Ihm sogar einiges Gutes abgewinnen kann.
Aber zurück zu Luise. Luise ist die Freundin einer Freundin von mir. Luise kommt Ende Juli mit ihren Kindern nach Shanghai. Ihr Mann ist schon da. Mal sehen, wen von beiden ich zuerst kennenlerne. Beide sind schon „alte“ Expat-Hasen. Shanghai ist ihre 3. Station.
Gerade erreichte mich also eine WhatsApp von Luise. Mit einem Link auf einen Artikel auf Spiegel online. In ihm geht es um Frauen, die ihre Männer ins Ausland begleiten. Ja, es sind noch immer die Frauen, die ihre Männer begleiten und die meisten müssen dann ihre beruflichen Ambitionen zurückstellen. Auch ich. Doof, aber die Welt ändert sich nun mal nicht innerhalb weniger Jahre. Aber, das wird! Ich habe gehört, dass es hier durchaus Männer geben soll, die ihre Frauen begleiten. (Ich werde berichten!) Auf jeden Fall geht es darum, dass die meisten dieser Frauen sehr gut ausgebildet sind und für ihre Männer auf ihre Karriere verzichten. Ein Fakt, der zwar in dem Artikel nicht direkt, dafür aber in den Kommentaren umso direkter verurteilt wird.
Ich könnte dazu jetzt SEITEN füllen und ACHTUNG, jetzt wird es politisch!: Wer sagt denn, dass diese Frauen in Deutschland Karriere gemacht hätten. Wir machen immer gerne so als wäre und Zukunft planbar. Aber ist es nicht genau so wie es immer heißt: Das Leben passiert während wir Pläne machen. Noch weniger kann man eine Karriere planen. Erst Recht nicht, wenn man als Frau auch Familie haben möchte. Seit Jahren recherchiere und schreibe ich zu diesem Thema und nur sehr wenige Frauen schaffen es in Deutschland mit Kindern in eine Führungsposition oder eine anspruchsvolle, erfüllende Position. Und dass beide Karriere machen ist noch weniger wahrscheinlich.
Als für uns die Frage aufkam: „Shanghai? Ja oder nein?“, war ich ganz schnell dabei! „Ja!“ Ich wollte nach Shanghai. Ich habe nur ganz wenig gezweifelt, obwohl es bei mir beruflich gerade richtig gut lief und mein Mann ganz klar meinte: „Du bist jetzt dran. Du entscheidest, ob wir gehen oder nicht.“
Warum ich mich für „gehen“ entschieden habe? Weil das Leben so verdammt kurz sein kann, wir alle nur dieses eine Leben haben und ich unbedingt in meinem ganz viel erleben will.
Nachdem ich in jüngeren Jahren erst länger Zeit in Australien, dann Ecuador und später Mexiko verbracht hatte, hatte ich Blut geleckt. Ich wollte mehr! Mehr Ausland. Mehr Kulturen entdecken. Nicht nur im Urlaub, sondern richtig eintauchen in eine mir fremde Kultur, einen mir fremden Alltag. Daran verzweifeln, dass ich im Supermarkt zwar alles finde, aber eben nicht weiß, was das ist. Ich wollte eine neue Sprache lernen – jetzt nicht unbedingt chinesisch, weil etwas Schwierigeres kann ich mir kaum vorstellen. Aber chinesisch ist eine der Sprachen der Zukunft, warum also nicht?! Ich wollte ganz viel Neues entdecken und vor Heimweh zerfließen. Neue Leute kennenlernen, ohne die altbekannten zu verlieren.
Natürlich ist es mir auch wichtig, weiterhin einem Beruf nachzugehen. Wie genial, wenn man dann so einen Beruf hat, wie ich ihn habe. Ich kann von überall aus arbeiten. Brauche nur meinen Kopf, ein paar Bücher, das Internet und flinke Finger. Jetzt mal sehen, ob es mir gelingt. Und wenn nicht … Shanghai ist groß, hier gibt es unheimlich viel zu entdecken.
In dem Artikel wird auch die Frage gestellt, was die Frau machen würde, wenn der Mann sie verlässt. Genau DIESE Frage sollte ALLEN Frauen, auch denen die in Deutschland sind, sich dort um die Kinder kümmern und gar nicht oder in Teilzeit arbeiten, gestellt werden. Frauen haben nirgends die Wahl zwischen „Arbeiten“ und „Nicht Arbeiten“. Es ist immer ein Spiel mit dem Feuer, kein eigenes Einkommen zu haben. Wir thematisieren das nur viel zu selten. ALLE Frauen sollten daher auf diese Gefahr hingewiesen werden, sich dessen bewusst werden und Vorkehrungen treffen. Die vielgerühmte Wahlfreiheit der Frauen gibt es nicht! Das muss aber auch nicht heißen, dass sie sich zwischen Familie und Beruf aufreiben müssen. Es soll aber schon heißen, dass sie die Themen „Geld“, „Versorgung im Scheidungsfall“ und „Alterversorgung“ mit dem Partner und Vater der Kinder AUSdiskutieren müssen. Sie bleiben zuhause, um dem Partner den Rücken frei zu halten und die gemeinsamen Kinder großzuziehen. Nur fair, dass diesen Frauen selbstverständlich auch im Ernstfall, eg. Scheidung, eine finanzielle Versorung zusteht. Unser Gesetzgeber versagt hier – meiner Meinung nach.
Wie seht Ihr das?
Der Gesetzestext im reformierten Scheidungsrecht allein führte keine gesellschaftliche Änderung herbei. Berufstätigkeit bleibt nach der Ehe und Kindererziehung für viele Frauen schwierig. Karriere auch, bzw. kann nicht mehr stattfinden. Der Ausgleich ehebedingter Nachteile ist kaum vorhersehbar. Da müsste mehr geschehen. Ehen, in denen Frauen ihren Männern „den Rücken freihalten“, gibt es immer noch. Über die Folgen einer möglichen Scheidung denken Paare im Vorfeld zu wenig nach. Das weiß ich aus eigener Erfahrung.
Hier fällt mir der Film „Die Berufung“ ein. Es bräuchte vielleicht eine ähnliche Situation wie in diesem Film. Ein Mann klagt auf eine adäquate Berücksichtigung seiner Erziehungszeiten in der Rentenversicherung.
Ein Beispiel für die Bewertung von Familienzeit und Kindererziehung: Aktuell ist es m.W. so, dass es für 36 Monate Kindererziehung etwa 96 Euro in den alten Bundesländern (in den neuen etwas weniger) monatliche Rentensteigerung gibt. Kindererziehungszeiten wirken sich nicht grds.direkt auf die Rente aus.
Art 3 Abs.2: „Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“
Art. 3 Abs. 2 regelt die Lebenswirklichkeit, nicht nur eine formalrechtliche Gleichbehandlung.
70 Jahre Grundgesetz: 4 Politikerinnen übten großen Einfluss aus. Heute zeigt die ARD „Sternstunde ihres Lebens“
LikeLike