Führerscheinprüfung

Habt Ihr Euch schon mal gefragt, ob Ihr den Führerschein in Deutschland heute wieder bestehen würdet? So ganz ohne lernen?

Ich musste mich dieser Frage stellen.

Wie schon erzählt, war ich beim ersten Mal zu doof gewesen, uns für den Test anzumelden. Gestern aber hatten wir dann endlich den Termin und auch tatsächlich die Prüfung. Für die erste Prüfung hatte ich schon intensiv gelernt. Hatte schlaflose Nächte gehabt. Wenn ich geschlafen habe, habe ich von doppelten gelben durchgezogenen Linien, einfachen weißen gezackten Linien, parallele rote und gelbe Linien und all den Schildern geträumt. Singapur hat sehr viele Schilder. Manchmal für ein und dieselbe Sache sogar verschiedene Schilder! Es gibt Schilder für alte Menschen, für ganz alte Menschen und für Menschen mit Behinderung, für Blinde, für Wohngebiete, in denen mehr alte als junge Menschen wohnen, für Kinder und so weiter und so weiter. Der Unterschied zwischen den Schildern ist zum Teil minimalst bis nicht erkennbar.

Außerdem hat Singapur ein paar sehr lustige Regelungen. Oder vielmehr interessante Regelungen. Eine Frage, die es mir besonders angetan hat, ist die Frage mit dem Hund:

When you see a dog sitting in the middle of your traveling path, you should:

  1. slow down and horn to let it walk away.
  2. slow down and stop if necessary to wait for it to go away.
  3. slow down and steer around it to pass through.

Antwort 3 ist richtig.

Ok. Das für sich ist nicht besonders verwunderlich. Aber es gibt genau die gleiche Frage auch mit der Katze. Bei der Katze läuft die Antwort darauf hinaus, dass man draufhalten darf. Man darf hupen, um einen Unfall zu vermeiden, aber mehr auch nicht. Der Grund: Hunde gehören in die Kategorie „Tier“, Katzen nicht. Die laufen hier wohl unter „Sonstiges“.

Auch interessant: Ist der Tank weniger als 3/4 voll, wenn man Singapur verlässt, droht einem eine Gefängnisstrafe.

Eigentlich kommt man hier immer ins Gefängnis. Das war der einfache Part der Prüfung. Musste man den Grad der Bestrafung wählen, musste man immer die härteste überhaupt erdenkliche Strafe anklicken. Die war ganz sicher die Richtige.

Besonders angetan hatte meinem Mann die Frage, die man nur in Singapur stellen kann: Wann muss man das Licht anschalten? Stellt Euch mal so eine Frage in Deutschland vor. Nicht nur, dass es sich je nach Jahreszeit ändert, wir müssten auch noch die Sommer- und die Winterzeit mit in Betracht ziehen! Klare Regel in Singapur: Licht an von abends 19:00 Uhr bis morgens 7:00 Uhr. Am Äquator ist jeder Tag gleich.

Noch eine letzte und dann lasse ich Euch auch in Ruhe damit. Grundsätzlich haben Fußgänger:innen immer „Vorfahrt“. Selbst, wenn sie bei rot über die Straße gehen. Hier gibt es aber vor den Zebrastreifen mit weißen Zick-Zack-Linien umrandete Kästen, die die Autofahrer:innen darauf hinweisen sollen, dass ein Zebrastreifen kommt. Wenn sich ein:e Fußgänger:in da drin befindet, kann man draufhalten. Er/sie darf da nicht sein. Und NEIN! Ich werde es nicht ausprobieren und auch dann bremsen, wenn jemand meint, dort die Straße überqueren zu müssen.

Eine Frage, die mich auch lange bewegt hat: Wie soll ich antworten? Soll ich die Antworten geben, wie sie im Buch stehen oder so wie sie auf der Straße praktiziert wird. Also soll ich beispielsweise wenn jemand blickt, langsamer werden und Platz machen oder soll ich auf den Pinn drücken und dafür sorgen, dass der- oder diejenige auf keinen Fall rein kommt.

Ihr seht, ich habe mich intensiv mit den Regeln auseinander gesetzt und, ich gebe zu, viel gelacht. Das war aber schon einen Monat her. Denn anstatt die gewonnene Zeit für’s Lernen zu nutzen, habe ich es einfach größtenteils ignoriert. Lief ganz gut. Bis zwei Tage vor der Prüfung war ich schon fast tiefenentspannt. Zwischendurch hatte ich immer mal wieder einen Test gemacht, den ich auch in den meisten Fällen bestanden habe.

Und dann das!

Einen Tag vor der eigentlichen Prüfung bestand ich nicht einen einzigen Test. Nach meinem Empfinden waren da plötzlich alles neue Fragen.

PANIK!

Stellt Euch mal vor, mein Mann hätte die Prüfung bestanden und ich nicht. Das hätte ich mir bis an mein Lebensende anhören müssen und ich hätte mich auch grün und blau geärgert. Dafür bin ich zu ehrgeizig.

Also bin ich alle knapp 500 Fragen noch mal durchgegangen und habe alles, was ich falsch beantwortet habe, aufgeschrieben. War einiges.

ABER!

Ich habe bestanden. Nur ein Fehler. Dank Kurzzeitgedächtnis?! Kann sein. Fragt mich in ein paar Monaten.

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