Seit Wochen hangeln wir uns von einem Quasi-Lockdown zum nächsten. Seit Wochen ist es fast zu heiß, sich draußen zu bewegen. Heute war das Wetter perfekt. Leicht bedeckt. Nicht zu drückend. Etwas drohender Regen, aber nicht zu viel. Das schrie einfach danach, sich auf das Fahrrad zu schwingen und auf Entdeckungstour zu gehen – oder sagt man dann fahren (?).
Ich war auf einer Karte zufällig auf einen Hinweis auf die „Lost Ark“ gestoßen. Im Netz findet man kaum Informationen dazu. Was ich gefunden hatte, war, dass sie sich am Ende eines kleinen Pfades befinden muss, der vom Rail Corridor abgeht.
Könnt Ihr Euch an den verlassenen Bukit Timah Bahnhof und den Green Corridor erinnern? Mein Mann und ich sind dort schon ein paar Male gewandert. Ich habe jetzt erst rausgefunden, dass dieser „Green Corridor“ Teil des „Rail Corridors“ ist.
Der Rail Corridor fängt ganz in der Nähe von Sentosa an und führt bis in den Nordosten Singapurs. 36 Kilometer – immer entlang der ehemaligen Zugstrecke, immer im Grünen. Super schön. Man kann ihn wandern oder eben mit dem Rad entlang fahren.
Heute war das Fahrrad dran. Noch nicht ganz von einem zum andern Ende, aber schon mal bis zur Hälfte. Wir sind einfach zu spät losgekommen. Ganz bald aber werden wir ihn komplett fahren und dann selbstverständlich auch erwandern. Er ist einfach zu schön und die Tatsache, dass man die Insel von einer Seite zur anderen durchqueren kann, ohne auf eine Straße zu kommen, echt irre.
Der Plan für die Wanderung ist: früh morgens los, zwischendurch irgendwo ein Picknick und am Ende ins Bollywood. Das ist ein ziemlich angesagtes Restaurant im Norden der Stadt. Mal sehen, ob wir es in die Tat umsetzen und ob der Weg uns tatsächlich in das Restaurant bringt.
Zurück zu heute: Wir sind erst gegen 15:00 Uhr los gekommen. Von unserer Insel runter ging es in Richtung Stadt. Tatsächlich geht unter der Brücke, über die ich schon so oft gefahren bin, der Rail Corridor entlang. Ich hatte ihn noch nie gesehen und den Zugang zu finden etwas schwierig. Aber im zweiten Anlauf haben wir es dann geschafft. Am ehemaligen Polizeihäuschen vorbei, rechts über einen kleinen Trampelpfad, eh voila! Da ist er. Der Rail Corridor.


Als wir die Hälfte der Strecke hinter uns hatten, fing es an zu regnen. Nicht arg, aber schon so, dass wir nach einiger Zeit beschlossen, wieder nach Hause zu fahren. Ich hatte auf der gesamten Strecke Ausschau nach einem kleinen blauen Pfosten gehalten. Dieser markiert den Eingang zu dem Pfad, der uns zur verschollenen Arche bringen sollte.
Nichts.
Ich habe viele Pfosten gesehen, aber keinen blauen.
Bis. Ja! Bis ich auf unserem Weg zurück, durch den Regen, dann doch im Augenwinkel einen blauen Pfosten sah.
Mein Mann war nicht überschwänglich begeistert, als ich verkündete, dass ich doch super gerne mal schauen würde, ob das der richtige Pfad ist. Erst meinte er noch, dass wir das doch ein anderes Mal machen könnten. Mein Argument, dass wir eh schon nass wären und nicht viel nasser werden könnten, kam ein: „Ist mir egal.“
Ich habe das einfach mal als ein „Ja“ interpretiert.
Also: Umdrehen, Fahrräder abschließen und rein in den Urwald.



Wie schon geschrieben: Es regnete. Da hier alles wie verrückt wächst, war der kleine Pfad zwar nicht zugewachsen, aber die Pflanzen rechts und links des Pfads doch ziemlich hoch. Wir wurden also doch noch nasser. Außerdem lagen überall nasse Baumstämme im Weg. Über nasses Holz zu klettern – spannend.
Aber!
Es hat sich gelohnt! Wir haben sie gefunden.
Nach ein paar hundert Metern – eine Lichtung. Auf der Lichtung die Arche.
Auf der Arche, unter einer Plane (anständig auf zwei Campingstühlen sitzend) ein junges verliebtes Pärchen.
Die Arche selbst ist ein riesiger umgestürzter Baum, auf dem irgendjemand irgendwann einmal Bretter montiert hat. Also nichts spektakulären, aber irgendwie schon. Denn so etwas vermutet man nicht wirklich mitten in einer Millionenmetropole.

