Orchideen und die Ziegelsteine der Kriegsgefangenen

Wir wollten gestern mal wieder etwas anderes sehen, also sind wir kurz entschlossen in den Botanischen Garten gefahren. Viel zu erzählen gibt es dazu nicht. Was aber durchaus interessant ist, sind die Stufen, die aus Ziegelsteinen gebaut wurden, die wiederum von Kriegsgefangenen der Japaner gefertigt wurden.

Die Japaner haben in China, aber auch im heutigen Singapur wohl ziemlich gewütet. Geschichte, die mir so gar nicht bewusst war. Keine Ahnung, ob ich das im Geschichtsunterricht nicht gelernt habe oder ob ich nicht aufgepasst habe oder ob ich es schlichtweg vergessen habe. Auf jeden Fall haben sich die Briten und die Japaner Anfang 1942 in Singapur eine Schlacht geliefert. Die Briten verloren und über 80.000 britische, indische und australische Soldaten kamen in Kriegsgefangenschaft. Einige von diesen Kriegsgefangenen, nämlich die australischen, musste Ziegelsteinen brennen. Als ein Zeichen ihres Widerstands markierten sie zahlreiche Steine vor dem Brennen noch mit einem Pfeil. Pfeile waren während der Zeit der Kolonialisten Zeichen dafür, dass es sich bei einem Gegenstand um das Eigentum des Staates handelte. So wie die Kriegsgefangenen jetzt „Eigentum“ der japanischen Regierung waren.

Ob die Japaner die Botschaft verstanden? Keiner weiß es. Was man aber weiß, ist dass die Ziegelsteine für den Bau verwendet wurden. So auch für den Bau dieser Treppe und hier kommen wir jetzt dazu, was Orchideen mit Ziegelsteinen zu tun haben. Beide befinden sich im Botanischen Garten.

Die Schlacht um Singapur fand vom 21. Januar bis 15. Februar 1942 statt und schon ab dem 20. Februar übernahm der japanische Geologe Hidezo Tanakadate die Leitung des Botanischen Gartens. Er war es auch, der hier eine Treppe bauen ließ. Damals von der heutigen Lower Ring Road zum Plant House.

1995 besuchten ehemalige australische Kriegsgefangene Singapur und wollten, den Erzählungen zufolge, unbedingt die Treppe sehen. 1995 soll es auch gewesen sein, dass das „Geheimnis“ um die Pfeile erstmals gelüftet wurde.

Für uns ging es von der Treppe aus weiter zum Orchideengarten. Viel erzählen kann ich dazu nicht. Ich lasse einfach mal die Bilder für sich sprechen. Ich gebe zu, dass der schönste Teil für mich der war, der im „Kühlhaus“ untergebracht ist. Interessanterweise sind die Orchideen dort größer als die unter freiem singapurianischen Himmel.

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. evenyleve sagt:

    Was für eine Geschichte so ein vermeintlich profaner Ziegelstein doch haben kann – und daneben solch bezaubernde Orchideen.
    Vielen Dank dafür & liebe Grüße, Ev

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