10.000 Dollar oder 6 Monate Gefängnis

Seit wir hier wohnen, hat Singapur Covid super gut im Griff. Auch dank der wahnsinnigen Disziplin aller Singapurianer:innen. Das Government ordnet Masken an, also tragen alle Masken. Das Government rät, nicht das Haus zu verlassen. Leergefegte Straßen. Alle Einwohner:innen Singapurs sollen die „Trace Together“ App installieren, also installieren alle die App, bzw. holen sich ein Token, mit dem man sich einchecken kann.

Die „Trace Together“ App (oder der Token) ist mittlerweile die Grundvoraussetzung, um egal wo reinzukommen. App öffnen, QR-Code scannen, Temperatur messen und man darf rein.

Vor Monaten ist mir aber aufgefallen, dass man den QR-Code gar nicht scannen muss. Man kann auch die Handykamera auf irgendetwas richten und trotzdem wird man eingeloggt. Meine Schlussfolgerung: Sie wissen immer genau, wo wir uns aufhalten.

Mit der „Trace Together“ App loggt man sich aber nicht nur ein. In ihr ist auch vermerkt, dass wir bereits geimpft sind und, und jetzt kommen wir langsam zum Thema, es gibt eine Alert-Funktion. War man in der Nähe von jemanden, der oder die einen Verdacht auf Covid hat, wird das Feld rot.

Vor etlichen Wochen war dieses besagte Feld bei mir rot. Bei meinem Mann nicht. Obwohl wir an dem Ort, an dem ich angeblich in die Nähe eines Covid-Fall gekommen war, zusammen waren. Hat mich etwas nervös gemacht, aber das war auch schon alles. Es ist nichts passiert.

Bei unserem Nachbar war das jetzt anders. Vielleicht auch, weil hier gerade alle in höchster Alarmbereitschaft sind. Von Mitte Mai bis Mitte Juni hatten wir einen Quasi-Lockdown. Alle Restaurants waren geschlossen. Natürlich ist wieder Homeoffice angesagt. Nur maximal zwei Leute durften sich draußen zusammen aufhalten und jeder Haushalt durfte nur maximal zwei Besucher:innen empfangen.

Vorletzte Woche durften sich dann schon fünf Menschen treffen und fünf im Haushalt empfangen werden. Seit dieser Woche sind die Restaurants wieder auf. Allerdings darf man nur zu zweit Essen gehen. Also im Zweifelsfall nur mit der Nase, die man eh den ganzen Tag sieht. Aber ok. Noch gefällt mir diese andere Nase. Passt also.

Zurück zu meinem Nachbarn. Am Montag traf ich seine Frau und Tochter. Beide waren ziemlich, na ja, aufgeregt. Die Kleine mehr als die Mutter. Unser Nachbar hatte eine SMS bekommen. Er wäre in der Nähe eines Covidfalls gewesen. Man würde ihn am nächsten Tag abholen und für zwei Wochen zur Quarantäne in einem Hotel unterbringen. Bis dahin dürfe er die Wohnung nicht mehr verlassen. Ansonsten: 10.000 Dollar Strafe oder sechs Monate Gefängnis.

Die Kleine war ganz panisch, dass Papa jetzt seinen Job verlieren würde. Aber, ob Homeoffice oder Hoteloffice, ist im Augenblick echt egal. Natalie, seine Frau, hat es sportlich genommen und ist erst mal einkaufen gegangen. Nutella, Müsli, Schokoriegel und allerlei leckere Schweinereien. Insgeheim freute sie sich auf ein paar Tage Abstand. Ganz ehrlich? Ich kann sie verstehen und wahrscheinlich ganz viele von Euch auch. Wir hängen seit Monaten aufeinander, da ist so ein bisschen Abwechslung echt nicht schlecht. Noch dazu hätte das Government die Quarantäne bezahlt. „Staycation“ auf Staatskosten. Auch nicht schlecht!

Am Dienstag war es dann soweit: Das Auto kam, um unseren Nachbarn abzuholen. Er hatte alles fertig. Koffer waren gepackt. Snacks standen bereit.

Dann kam eine SMS: Bevor er mitfahren darf, muss ein SWOP Test gemacht werden. Ihr wisst schon, diese Tests, die in die Nase rein und gefühlt an anderer Stelle wieder raus kommen.

Sein Test war negativ.

Dann die nächste SMS: Fehleralarm. Nix Quarantäne.

Also nicht, weil er negativ getestet wurde, sondern weil da wohl irgendein Computerfehler passiert war.

Nächste SMS: Da er schon offiziell registriert ist, kann es sein, dass er Schwierigkeiten bekommt, wenn er sich frei bewegt. Außerdem: Seine Quarantäne ist offiziell aufgehoben und der Vermerk, dass er diese SMS er die nächsten zwei Wochen auf keinen Fall löschen darf. Er muss sie jederzeit vorzeigen zu können, um nicht doch noch in die Quarantäne gesteckt zu werden.

Wir sind uns jetzt alle nicht so ganz sicher, was das war. Wollte Natalie ihren Mann einfach nur mal loswerden? Ihr Mann ist der „festen Überzeugung“, dass es ein Komplott war. Sollte es einer gewesen sein, muss Natalie noch daran arbeiten. Jetzt gehen wir morgen aber erst mal alle zusammen auf „Night Safari“. Weil … fünf Personen dürfen ja zusammen etwas unternehmen.

Ich halte Euch auf dem Laufenden.

(Bildnachweis: Pexels – Cottonbro)

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