Zu doof!

In Shanghai hatten wir einen Fahrer. Der Arbeitgeber meines Mannes möchte nicht wirklich, dass man selbst fährt. Wie ihr wisst, war das für mich ein Problem. Ich bin meist mit dem Fahrrad oder der Metro unterwegs gewesen. Hier in Singapur ist das anders. Hier dürfen wir Auto fahren und tun das auch. Wir dürfen aber nur ein Jahr mit unserem deutschen Führerschein fahren, danach müssen wir eine theoretische Prüfung machen, um den singapurianischen Führerschein zu erhalten.

Eigentlich wollte ich den Führerschein nicht machen. Wie mehrfach berichtet, finde ich den Verkehr hier ziemlich aggressiv. Noch dazu fahren alle auf der falschen Seite. Ich also auch. Das macht es aber nicht einfacher.

Mein Mann aber aber so lange an mir gearbeitet, bis ich zugestimmt habe, mich zumindest mal anzumelden. Als ich dann bei der Anmeldung feststellte, dass der ganze Spaß nur 6,50 SGD kostet, dachte ich auch: „What the …!“ Dann mache ich das halt.

Jetzt ist das aber alles nicht ganz so einfach. Man muss sich online anmelden, um sich anzumelden. Also man meldet sich an, bekommt einen Termin, geht hin und meldet sich an, dass man sich für den Führerscheintest anmelden möchte. Kompliziert, aber wahr.

Randnotiz: Ähnlich läuft das, wenn man etwas repariert haben möchte. In unserer Wohnung funktionierte die Klingel nicht und eine Lampe flackerte. Also habe ich der Hausverwaltung eine WhatsApp geschickt, erklärt, was kaputt ist und bekam einen Termin für, wie ich dachte, die Reparatur.

ABER, falsch gedacht!

Der Hausmeister kam, um zu überprüfen, ob die Klingel funktioniert und das Licht flackert. Nachdem er festgestellt hatte, dass die Klingel tatsächlich nicht funktionierte und auch das Licht tatsächlich flackert, musste ich mit der Hausverwaltung einen Termin für die Reparatur machen.

Ich habe getobt! Nichts interkulturelles Verständnis. Ich war einfach nur sauer.

ABER, wieder eine Woche später kam der Hausmeister dann wieder und jetzt funktioniert die Klingel wieder und das Licht flackert auch nicht mehr.

Zurück zu unserem Führerschein. Also. Wir waren bei der Führerscheinstelle, haben uns für die Anmeldung angemeldet, ein Passwort festgelegt und sind wieder nach Hause. Hier sollten wir uns dann wieder online für die Prüfung anmelden. Gesagt, getan. Dachten wir.

Wir waren auf der richtigen Seite und haben uns auch angemeldet. Termin 04.06. 17:30 Uhr. Zwischen Anmeldung und Prüfung lag ein Monat Wartezeit. Schnelle gab es keinen Termin. Also einen Monat Zeit zum Lernen. Immerhin eine Woche vorher haben wir dann angefangen. Mein Mann mit dem Buch, ich mit der App.

Es ist tatsächlich so: Ich musste lernen. Zum Großteil sind die Schilder hier genau die gleichen wie in Deutschland. Was sie bedeuten, weiß ich in der Praxis. Aber in der Theorie? Ganz anderer Schnack. Es gibt hier aber auch noch ein paar lustige Schilder, die sich einem nicht auf Anhieb erschließen (mehr dazu an einer anderen Stelle). Außerdem sind die Straßen alle mit gelben, roten, weißen durchgezogenen, nicht durchgezogenen, gezickzackten, einfach oder auch doppelten Streifen bemalt. Nicht selbsterklärend. Ich habe also richtig viel gelernt. Mein Ehrgeiz hatte mich mal wieder gepackt.

Am 03.06. abends erzählte ich meinem Mann von den Tests, die man mit der App machen kann. Also hat er auch mal so einen Test gemacht. Das Ergebnis: FAIL! Nicht so gut. Die Fragen in der App sind ganz anders als die im Buch. Aber was ist besser? Mit der App lernen oder doch nach dem Buch? Mein Mann hat noch bis in die tiefe Nacht gelernt. Ich habe es vorgezogen, zu schlafen. Fühlte mich mit der App sicher.

Am nächsten Tag, der Tag der Prüfung. Buch oder App? Er oder ich? Wer besteht? Beide?

Beide haben wir noch mal ein paar Test gemacht und um 16:30 Uhr ging es dann los. Fahrt zum Prüfungszentrum, mit TraceTogether eingecheckt, Temperatur gemessen, an der Anmeldung angemeldet, Nummer gezogen und gewartet. Dann kam ich dran. Ein Mann holte mich ab. Er führte mich zu einem Platz mit einem Computer. Bis dahin fand ich das noch nicht wirklich ungewöhnlich. Dann holte er einen Fragebogen raus und nahm meine Personalien auf. Auch das fand ich noch nicht komisch. Als er dann aber fragte, ob ich „selfstudy“ oder „course“ machen wollte, war ich irritiert. Ich hatte doch schon gelernt. Wofür sollte ich denn jetzt noch mehr lernen?

Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Ich hatte uns nicht für den Test angemeldet, sondern wieder für die Anmeldung.

Was soll ich sagen? Ich fand mich doof. Mein Mann fand mich doof. Der Mann von der Prüfungsstelle fand mich doof. Aber es ließ sich nichts ändern. Damit mir das aber nicht noch mal passieren würde, habe ich den Mann, der wirklich nett war, dazu gezwungen, uns bei der Anmeldung zur Prüfung zu helfen. Online.

Wir sind jetzt für den 05.07. angemeldet. Für die Führerscheinprüfung! Eine Frage ist für mich aber noch offen: Soll ich mich bei der Beantwortung der Fragen an das Buch bzw, die App halten oder so wie es auf der Straße umgesetzt wird. Halte ich mich an das Buch, komme ich nämlich nie an.

Ich werde die Frage dem Prüfer stellen, bevor ich den Test machen. Und berichten.

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