Happy Deepavali!

Vergangenen Donnerstag durften wir das erste Mal in unserem Leben das Deepavali Fest der Inder:innen miterleben. Nicole und ihr indischer Mann Abhro hatte uns eingeladen. Man muss dazu wissen, Deepavali ist eines der beliebtesten Feste der Hindus. Also ein echt wichtiges Fest. In etwa vergleichbar mit unserem Weihnachten.

Deepavali ist das Fest des Lichts. An diesem Tag werden die Straßen, Geschäfte und Privathäuser in Licht getaucht. Traditionell werden überall Öllämpchen aufgestellt, aber dazu später mehr. Hier in Singapur ist unter anderem die Hauptstraße durch Little India mit bunten Lichtern wunderschön geschmückt.

Irgendwie ist Deepavali aber auch etwas wie Silvester, denn nachts wird eigentlich geballert, was das Zeug hält. Mancherorts hängt angeblich in dieser Nacht eine Smokglocke über den Städten. In Singapur ist das mittlerweile verboten. Verständlich, aber ich hätte es dennoch gerne miterlebt.

Das Datum variiert, es ist aber immer am 15. Tag des Hindumonats – des Kartik. Ihr seht also, in Singapur ist es echt kompliziert. Die einen leben nach dem chinesischen Kalender, die anderen nach dem Hindukalender und wieder andere nach dem christlichen Kalender. Das hat aber auch Vorteile. Die Läden sind eigentlich immer offen, denn entweder arbeiten die Hindus, oder die Moslems oder die Chinesen oder die Christen. Der einzige gemeinsame Feiertag ist eigentlich nur der National Day.

Die Geschichte hinter dem Fest geht natürlich auf einen Gott zurück. Allerdings ist es in Nordindien ein anderer als in Südindien. Im Norden ist es der Gott Rama. Er hat den Dämon Ravana im Kampf besiegt. An Deepavali kehrt er gemeinsam mit seiner Frau Sita aus dem 14-jährigen Exil in seine Heimatstadt Ayodhya zurück.

Im Süden besiegte der Gott Krishna das Böse und befreite so 16.000 Frauen. Im Bundesstaat Gujarat wird an Deepavali der Göttin Lakshmi gedacht. Sie ist die Göttin des inneren und äußeren Reichtums und die Ehefrau von Vishnus. Deepavali ist ihr Hochzeitstag.

Um uns auf das Fest einzustimmen, waren meine Nachbarin Natalie und ich am Mittwoch kurz in Little India. Natalie wollte auf den Markt und ich hab sie natürlich mehr als gerne begleitet. Konnte eine kleine Pause gebrauchen. Es war genial! So viele Menschen und dazwischen die Safe-Distancing-Ambassadors. Wahrscheinlich haben die nur darauf geachtet, dass alle eine Maske tragen, weil Abstandhalten war nicht möglich.

Die Farben. Umwerfend. Der Duft. Betörend! Überall wurden Blumengirlanden aus Rosen, Jasmin und ich-weiß-nicht-was verkauft. Die überwiegenden Farben: rot und gelb, dicht gefolgt von lila und blau.

Natürlich habe ich mich gefragt, warum genau diese Farben. Eine Erklärung für gelb könnte sein, dass Vishnus sich der Legende nach, die Sonnenstrahlen in seine Kleidung gewebt hat. Sowohl er als auch Krishna werden fast immer mit gelber Kleidung gezeigt und auch wenn sie gemalt werden, verwenden die meisten indischen Künstler:innen gelb. Rot ist in vielen Religionen die Glücksfarbe, so offensichtlich auch bei den Hindus.

Donnerstag Abend ging es dann zu Nicole und Abhro und ihren Kindern – alle in typisch indischer Kleidung. Die ganze Wohnung mit all den Blumen geschmückt, die wir tags zuvor in Little India gesehen hatten. Es sah nicht nur wunderschön aus, sondern duftete auch herrlich.

Mein persönliches Highlight: die Zeremonie. Abhro hatte schon alles vorbereitet: Die Öllampen, Windlichter, Blumen, Süßigkeiten und einen kleinen Altar für die Gottheiten.

Das Ritual sieht vor, dass man den mit dem Licht und dem roten und gelben Pulver darauf in beide Hände nimmt und drei Mal im Uhrzeigersinn über den kleinen Altar kreisen lässt. Danach muss man jeder Gottheit mit dem Ringfinger der rechten Hand etwas von dem roten und dem gelben Pulver auf die Stirn malen. Dann werden mit der rechten (ich hätte es fast falsch gemacht!) Hand Blütenblätter über die Götter gestreut und zum Abschluss bekommen sie noch eine Süßigkeit, bevor man sich mit dem typischen indischen Gruß, bei ihnen bedankt.

Nachdem wir alle das gemacht hatten, wurden die Lichter auf alle Zimmer und den Balkon verteilt. Dort müssen sie so lange brennen, bis sie von alleine ausgehen.

Was das bringt? Ganz einfach: Glück und Reichtum. Angeblich ist den Inder:innen Reichtum nicht so wichtig – GANZ anders als bei den Chines:innen – aber bei diesem Fest ist tatsächlich auch mal Reichtum wichtig. Abhro erzählte, dass seine Mutter früher, bevor sie den Göttern ihre Opfergaben brachten, immer Geschichten erzählt hat. Von Menschen, die überall Öllampen aufgestellt hatten und im Jahr drauf reich wurden. Es scheint also etwas dran zu sein!

Nach der Zeremonie gab es dann Essen. Indisches Essen, selbstverständlich. Und ich habe mich wieder rund und satt gegessen. Das ist einfach so lecker!

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