Der verlassene Park

Sag noch mal einer, hier kann man nichts entdecken. Singapur ist klein, aber tatsächlich gibt es noch Ecken, die nur ganz wenige kennen. Dazu gehört auch der Bukit Batok Hillside Park.

Ich mache mir gerade einen Sport daraus, all diese Orte im Internet zu recherchieren und dann muss immer mal wieder jemand anderes daran glauben. Diese Mal unsere schwedischen Freunde. Es war aufregend, aber dieses Mal nicht, weil es nicht erlaubt ist, sondern weil der Park keine richtigen Wege mehr hat und man zum Teil gefühlt mitten durch den Dschungel geht.

Aber, von Anfang an. Getroffen haben wir uns auf dem Parkplatz eines HDBs gegenüber dem Park. Die Angaben im Netz waren so gut, dass sogar eine Parkplatzempfehlung dabei ist. Von hier aus mussten wir dann nur noch den „Einstieg“ in den Park finden. Aber auch das stelle sich einfacher heraus, als gedacht. Es ist zwar nur ein Trampelpfad, aber deutlich zu erkennen und nach nur wenigen Schritten kommt man auch schon auf einen Weg.

Allerdings sollte das der einzige gut befestigte Weg bleiben. Von hier aus wurde es immer spannender. Nicht nur, dass man überall auf Überreste wie Regenhütten, Picknicktische und einen Brunnen stößt.

Durch den gesamten Park ziehen sich kreuz und quer Trampelpfade und es ist nicht wirklich erkennbar, welcher Pfad wohin führt. Abgesehen davon, dass die Wege natürlich überwuchert sind oder von Baumstämmen blockiert. Wir beschlossen, erst mal unserer Nase nach zu laufen und kamen so auf eine Lichtung mit direktem Blick auf ein Neubaugebiet. Hat was. So aus dem Dschungel raus, mitten in die Zivilisation.

Mein Ziel war aber ein anderes. Ich wollte zu den „Torii Gates“ – Torii sind Elemente auf der traditionellen japanischen Architektur. Meist Eingangstore eines Schreins. Nachdem wir also einige Zeit unseren Nasen gefolgt waren, die Torii aber nicht gefunden hatten, habe ich dann doch mal wieder Google Maps aktiviert. Und … siehe da … nachdem wir zirka 45 Minuten umhergeirrt waren, kamen wir wieder an den Brunnen und von dort aus ging der Weg fast direkt zu den hölzernen Bögen.

Die Bögen sind auf einem Holzsteg, dem man die vergangenen Jahre, die er nicht instand gehalten worden ist, ansieht. Wir waren uns nicht so ganz sicher, ob uns das Holz tragen würde, haben es aber dennoch gewagt.

Auf unserer weiteren Erkundungstour sind wir dann noch zwei jungen Singapurianern begegnet, die auch auf der Suche nach den Torii waren. Stolz haben wir ihnen den Weg gezeigt und die beiden haben uns dann erklärt, wie wir gehen sollten, um zum zweiten, großen Brunnen zu kommen.

Wir dachten, genau den Weg genommen zu haben, den sie uns erklärt hatten, kamen aber an keinem Brunnen vorbei. Also sind wir aus dem Park raus, auf die Straße. Wir wollten um den Park herum und noch. mal von einer anderen Seite rein. In der Hoffnung, so den Brunnen zu finden.

Was soll ich sagen: Wir waren erfolgreich! Zumindest mein Mann und ich. Unsere schwedischen Freunde hatten uns verlassen. Die Mücken lieben Margareta. Margareta hat aber nicht so eine Affinität zu den Mücken.

Wir wollten dann von hier aus quer durch den Park wieder zu unserem Auto. Der Weg sah vielversprechend aus. Fast schon zu gut. Wir hatten uns aber definitiv zu früh gefreut, denn schon recht bald war nichts mehr da, was auch nur im Ansatz aussah wie ein Weg. Todesmutig sind wir aber immer weiter und weiter und plötzlich waren wir an einer Stelle, die wir kannten. Waren wir da nicht vor einer, sagen wir mal, drei viertel Stunde schon gewesen? Aber, das war nicht schlimm. Denn von hier aus waren wir auf die Straße gelangt. Wir wussten also, wo wir waren.

Beim ersten Mal hatten wir uns für einen flachen „Aussteig“ entschieden. Dieses Mal dachten wir, dass wir genau so gut aus den steilen Ab- und Ausstieg wählen konnten. Ich voraus, mein Mann hinterher haben wir uns von einem Baum zum anderen gehangelt. Es war ziemlich steil. Und als ich kurz entspannt an einem Baum lehnte, um mich auszuruhen, kam mein Mann. Aber nicht mehr auf seinen Beinen stehend. Er war ausgerutscht und kam jetzt auf dem Rücken liegend den Berg runter geschossen. Aber er hatte Glück im Unglück. Er kam direkt unter mir, meine Beine zwischen seinen Beinen, zum Halt.

Jetzt muss man wissen, dass man damit genau mein Humorzentrum trifft. Ich biege mich vor Lachen, anstatt, wie sich das für eine sorgende Ehefrau gehört, zu fragen, ob er sich weh getan hat. Zum meiner Verteidigung möchte ich Euch einen kurzen Abschnitt über den Humor von Niederländer:innen aus dem Buch „So sind sie, die Niederländer“ zitieren: „Der niederländische Sinn für Humor findet Malheur und Missgeschick reizvoller als verbale Akrobatik. Über jemanden, der von seinem Stuhl auf den Boden fällt, wird mehr gelacht werden als über das raffinierteste Wortspiel. (…) In dieser krawallartigen Ausgelassenheit verbirgt sich eine Neigung zur Härte und Grausamkeit. Eine gute Portion Leiden und Demütigung wird das niederländische Publikum vor Heiterkeit von den Stühlen fallen lassen.“

Mein Mann weiß jetzt, dass ich nichts dafür kann, dass ich das lustig finde, macht es aber nicht besser. Er findet es noch immer nicht lustig. Er also aufgestanden und weiter, während ich versucht habe, mein Lachen in den Griff zu bekommen. Erfolglos. Das Ergebnis: Nach nur wenigen Metern lag ich.

Letztendlich haben wir es aber aus dem Park raus und wohlbehalten auch wieder nach Hause geschafft, wo ich mich beim Gedanken an den Abstieg noch immer vor Lachen biege.

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