Da wir hier nicht möbliert wohnen, sondern die Wohnung komplett neu einrichten/eingerichtet haben, fehlt noch immer das ein oder andere. Nichts essentielles, aber so ein wenig Deko ist dann schon schön. Wir hatten von einem netten Antiquitätenladen gehört und den wollten wir uns mal anschauen. Schon auf dem Weg dorthin hatten wir in einer Nebenstraße, direkt neben dem Laden einen Tempel gesehen. Den wollten wir uns genauer anschauen und tatsächlich durften wir auch rein. Nicht wie bei all den anderen Tempeln und Kirchen und Moscheen, die aufgrund von Covid für die Öffentlichkeit geschlossen sind.

Der Buddhistische Kanacanarama Tempel ist ein thailändischer Tempel. Einer von fünf Thai Tempeln in Singapur, die offizielle vom thailändischen König als Thailändische Buddhistische Tempel anerkannt wurden. Ganz eigentlich ist der Tempel ein Zusammenschluss aus zwei Tempel, wie ich jetzt recherchiert habe: dem Tian Kong – einem maoistischen Tempel – und dem Kancanarama Tempel. Beide Tempel wurden von Kan Chee Yin gegründet, die für diesen Zweck das Land zur Verfügung stellte. Wann genau sie den Tian Kong Tempel errichten ließ ist nicht bekannt, bekannt ist allerdings, dass sie 1960 buddhistische Mönche aus Thailand einlud, hier den Kanacanarama Tempel zu errichten. Seitdem wohnen hier ständig bis zu vier Mönche. Allerdings sind es zur Zeit nur drei, da einer der Mönche im vergangenen Jahr verstorben ist und aufgrund von Covid, sein Nachfolger nicht einreisen darf.


Woher ich das weiß? Wir sind natürlich aufgefallen, als wir in den Tempel gingen und uns etwas umgeschaut haben. Eine junge Frau, die dort ehrenamtlich arbeitet, hat uns „aufgegriffen“ und durch den gesamten Tempel geführt. Sie hat uns auch erklärt, dass der komplette Tempel von ehrenamtlichen Helfer*innen instand gehalten und betrieben wird. Am Sonntag waren die Helfer*innen dabei, Essensspenden für die Verteilung fertig zu machen. Die Mönche erhalten hier wohl so viele Spenden, dass sie einen Großteil der Spenden weitergeben an Bedürftige. Andere Ehrenamtliche waren damit beschäftigt, die Wände zu streichen und Wandmalereien wieder aufzufrischen.
Der Komplex, wie er heute hier steht, ist über einen Zeitraum von 14 Jahren errichtet worden. Start war 1982 und Fertigstellung 1996. Überall finden sich klassische Elemente der traditionellen thailändischen Architektur – Dächer, die aus mehreren Schichten bestehen und spitz zulaufende, goldene Elemente an den Giebelenden der Dächer. Am Eingangstor aber auch am Gebäude findet man kunstvolle Schnitzereien, die in den vergangenen Jahren von den hier wohnenden Mönchen gefertigt wurden.
Selbstverständlich gibt es hier auch einen schlafenden Buddha. Sieben Tonnen schwer, ist er der ganze Stolz unserer „Führerin“. Mit leuchtenden Augen hat sie uns erzählt, dass dieser Buddha im vergangenen Jahr umgelegt werden musste. Keine Versicherung wollte ihn versichern. Glücklicherweise ist er aber nicht beschädigt worden und liegt jetzt– wieder seelenruhig und entspannt – an seinem neuen Platz.

Am schlafenden Buddha (offensichtlich schlafen Buddhas mit Augen auf!) ging es weiter auf den Hof des Tempels. Er ist eigentlich im Eingangsbereich, aber aufgrund von Covid ist er abgesperrt und nur über den Tempel selber zu erreichen. Im Hof stehen mehrere Schreine. In einem sitzen steinerne Frösche mit Münzen im Maul. Sie sollen dafür sorgen, dass das Geld nie ausgeht. Wer oder was die Figur auf dem mittleren Bild ist, weiß ich nicht und konnte ich auch nicht rausfinden. Besonders sehenswert fand ich aber die Figuren im dritten Schrein. Ein älteres Ehepaar sitzt da in für Thailand typischer Kleidung und davor, wie eigentlich überall im Tempel, brennende Räucherstäbchen.



Noch prominenter war der Schrein mit einer Originalnachbildung einer Statue, wie sie auch in Bangkok steht. Ich werde das bald mal checken. Hoffentlich.
Bei der Statue handelt es sich um die Gottheit Brahma – der Gott der Schöpfung. Der Legende nach soll er erst sich selbst und dann die Welt, den Himmel und später die Menschen erschaffen haben, Die Staute hat vier Köpfe mit vier Gesichtern. Jedes hat einen anderen Ausdruck und jedes schaut in jeweils eine Himmelsrichtung. Aber alle Gesichtsausdrücke sind saumya (freundlich und liebenswürdig) und toshmya (erfreut und befriedigt). Die Augen sind geöffnet, was bedeutet, dass die Gottheit wachsam ist. Traditionell wird die Gottheit Brahma mit vier Händen dargestellt, aber diese Statue hat acht und in jeder dieser Hände hält er ein Objekt welches eine symbolische Bedeutung hat. Ich habe das mal bei Wikipedia nachgeschaut und das verrät:
- Brahma Danda, der Stab, der das Licht repräsentieren kann, aber auch eine Waffe, die für große Stärke steht.
- Chakra, das Rad der Zeit symbolisiert die Rotation der Welt. Es repräsentiert die Luft.
- Kalasha, das heilige Gefäß, das mit Weihwasser gefüllt ist. Buddhisten glauben, diese Vase enthalte das Unsterblichkeits-Elixier Amrita.
- Jnana Mudra – Diese Hand hält kein Objekt, sondern formt eine Geste. Sie wird gewöhnlich so dargestellt, dass sich Daumen und Zeigefinger berühren und einen Kreis formen. Hier wird die Hand aber nur in Brusthöhe gehalten, die Handfläche nach innen. Diese Geste symbolisiert Weisheit und Lehre.
- Darpana, der Spiegel mit drei stabartigen Vorsprüngen. In ihm erblickt man die universelle Seele (Atman).
- Das Muschelhorn kann einen fürchterlichen Lärm machen, der alle Feinde erzittern lässt.
- Die Veden, das heilige Buch des Wissens.
- Akshamala, eine rosenkranzähnliche Kette, dient dazu, die Zeitalter zu zählen. Er hat 108 sehr große Perlen.
Der Erawan-Brahma hat außerdem eine heilige Schnur um den Oberkörper geschlungen, die von der linken Schulter zur rechten Hüfte reicht. Diese Schnur wird von Brahmanen getragen, sie ist aber auch das Kennzeichen eines hinduistischen Gottes.


Das was aussieht wie ein Elefant ist die Gottheit Ganesha. Ganesha soll naschhaft, gnädig, gütig, freundlich, humorvoll, jovial, klug, menschlich, verspielt, und schelmisch sein. Kein Wunder also, dass er zu einem der beliebtesten Gottheiten gehört.