Ich wollte Euch von Menschenmassen erzählen, die sich am Ufer des Suzhou dicht an dicht drängten und von uns irgendwo dazwischen. Ich wollte Euch davon erzählen, wie die Massen die verschiedenen Teams angefeuert haben. Ich wollte Euch von der Jiangning Bridge erzählen, von der aus man einen wunderbaren Blick auf all die Drachenboote hatte. Und natürlich wollte ich Euch von den Zongzi erzählen, die in den Straßenküchen entlang der Rennstrecke verkauft wurden. Aber leider wird daraus nichts. Heute fand kein Drachenbootrennen statt.
Irgendwie hatte ich mich auch schon etwas gewundert. In meiner App „Smart Shanghai“ stand vergangene Woche noch ein Hinweis auf das Rennen und heute konnte ich nichts mehr finden. Auch hier in unserem Compound konnte man uns nicht helfen. Wir konnten nur Rennen weit weit weg finden. Eine Erklärung, die uns für das nicht Stattfinden des Rennens gegeben wurde: Die Studenten, die die Boote fahren, schreiben heute ihre Abschlussprüfungen. Heute! An einem nationalen Feiertag! Also nächster Versuch im nächsten Jahr. Dann generalstabsmäßig geplant.
Aber ich kann Euch etwas über die Geschichte des Drachenbootfestes und darüber, was es mit den Zongzi (dem traditionellen Essen zum Drachenbootfest) auf sich hat, erzählen – zumindest das, was ich bisher darüber gelernt habe.
Das Drachenbootfest wird bereits seit 2000 Jahren immer am fünften Tag im fünften Monat des chinesichen Mondkalenders gefeiert. Was aber nicht bedeutet, dass hier irgendein Geschäft geschlossen hat. Selbstverständlich kann man auch am Drachenbootfest überall alles kaufen. Apropos „einkaufen“ – heute wurden in Shanghai zwei Aldi-Filialen eröffnet. Es muss ein heiden Spektakel gewesen sein. Aber wir waren ja auf der Suche nach Drachenbooten, denn so ganz einfach wollte ich mich nicht geschlagen geben. Ich hatte noch die vage Hoffnung, dass das Rennen vielleicht ein geheimer Geheimtipp war und die beiden Damen es einfach nicht finden konnten. Einen Versuch war es wert! Was wir fanden, war eine recht trostlose Hochhaussiedlung, besagte Brücke, den Fluss, aber weit und breit kein einziges Drachenboot.
Zurück zum Drachenbootfest: Die Geschichte des Drachenbootfests geht auf den Dichter und Politiker Qu Yuan (475 – 221 v. Chr.) zurück. Er war ein im Volk sehr angesehenes und beliebtes aristokratisches Mitglied des Königshauses von Chu. Leider entsprach seine politische Meinung nicht der des königlichen Hofes, also wurde er kurzerhand ins Exil geschickt. Dort ertränkte er sich Jahre später aus Enttäuschung über die Dekadenz am kaiserlichen Hof im Fluss Miluo. Die Menschen wollten nicht, dass sein Körper von den Fischen gefressen wird und sollen deshalb Zongzi zubereitet und in den Fluss geworden haben. Auch die Drachenboote oder vielmehr das laute Trommeln, das den Takt beim Rundern angibt, sollte die Fische vom Leichnam Qu Yuans fernhalten.
Offiziell gefeiert wird das Drachenbootfest bereits seit über 2000 Jahren. Alljährlich kommt an diesem Tag die Familie zusammen. Die Tradition Zongzi an Freunde zu verschenken, kommt aus der Zeit der Jin-Dynastie. Ist also auch schon ziemlich alt. Auch ich habe Zongzi bekommen. Gestern. Es klingelte und vor der Tür standen zwei junge Damen, die in unserem Compound arbeiten, und strahlten mich an. Eine von ihnen mit einem Korb in der Hand, die andere mit ihrem Handy im Anschlag. Wie so oft in den vergangenen Wochen muss ich wieder ziemlich verdutzt geschaut haben. Ich hatte zwar etwas zu der Tradition gelesen, aber als die zwei mir dann den Korb mit Zongzi und salzigen Eiern überreichten, war ich ganz gerührt. Während die eine fotografierte, erklärte die andere mir, wie ich die Zongzi zubereiten muss. Noch habe ich es nicht gemacht. Wir brauchten heute einfach mal einen Burger. Gut, dass es eingeschweißte Zongzi sind, die halten etwas länger.
Ungefähr weiß ich, was mich bei den Zongzi erwartet. Bei unserem Look-and-See Trip hatte ich sie schon gesehen und auch in den vergangenen Wochen sind sie mir diverse Male über den Weg „gelaufen“. Ich habe gelernt, dass es kein einheitliches Rezept für Zongzi gibt. Allen gemein ist aber der klebrige Reis, der in Bambus- oder Schilfrohrblätter gewickelt wird und für eine ziemlich lange Zeit gedämpft werden muss. Gefüllt werden kann das Ganze mit verschiedenen Zutaten: Eier, Bohnen, Gemüse, Obst, Walnüssen, Fleisch oder einer Kombination aus mehreren dieser Zutaten. Ich habe sie nur mit Schweinefleisch gefüllt gesehen. Auch was die Formen und Größen angeht, gibt es wohl Unterschiede. Ich bleibe dran!
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