Die Battle Box in Fort Canning

Zwei meiner Jungs sind da. Die Gelegenheit, mal wieder etwas zu erkunden, von dem ich bisher nur gehört hatte – die Battle Box der britischen Streitkräfte.

Singapur war über viele Jahre hinweg einer der wichtigsten Stützpunkte der Briten. Nicht nur ist Singapur ideal gelegen, um von hier aus Handel zu treiben. Von Singapur aus sollten auch die britisch besetzten Länder gegen die Invasion der Japaner geschützt werden. 1919 wurde daher im Norden der Insel mit dem Bau der Singapore Naval Base begonnen. Hier sollten Kriegsschiffe der Briten vor Anker liegen, um in Notfall von hier aus schnell in die Straße von Malakka zu gelangen.

Um die gemeinsame Verteidigung durch die Royal Air Force und der Royal Navy zu koordinieren, wurde 1926 unter Fort Canning mit dem Bau eines Kommandobunkers – der Battle Box – begonnen. Die Battle Box war die zentrale Stelle für die Verteidigung.

Der Bunker mit seinen ein Meter dicken Betonmauern liegt zirka 10 Meter unterhalb des Zugangsgebäudes in Fort Canning. Um die „Bewohner“ des Bunkers vor Giftgasangriffen zu schützen, gab es sogar drei riesige Luftfilteranlagen – von denen nur noch eine vorhanden ist. Aber die ist schon ziemlich beeindruckend. Leider darf man in der Battle Box keine Fotos machen. Ich kann sie Euch also nicht zeigen. Über die Anzahl der Räume lässt sich streiten. Die einen sagen, es wären 22 gewesen, die anderen 26 und wieder andere 29. Auf dem Plan, den wir bekommen haben sind es definitiv 29. Aber ich weiß, dass in einigen Räumen Mauern eingezogen worden sind. 

Auch darüber, wie die Räume genutzt wurden, scheint man sich nicht ganz einig zu sein. Unsere Führerin erzählte uns, dass die Offiziere nur in den Bunker kamen, um hier zu arbeiten. Es gab zwar Toiletten – inklusive eines Bleistiftgraffitis von einem Flugzeug, aber Schlafräume hätte es nicht gegeben. In einer anderen Quelle habe ich von Schlafsälen gelesen. Ich hatte die Führerin auch gefragt, welchen Sinn es macht, die Nächte relativ ungeschützt zu verbringen. Ihre Antwort: Die Generäle hätte nicht viel geschlafen. Ich lass das jetzt mal einfach so stehen. 

Egal wie, ob mit oder ohne Schlaf. Als während der Schlacht um Singapur die Japaner nach Singapur vordrangen, trafen die britischen Generäle unter der Leitung von Arthur Percival am 15. Februar 1942 in der Battle Box die Entscheidung, sich zu ergeben. Eine Entscheidung, für die sie angeblich lediglich 15 Minuten brauchten, um sie zu fällen. Und eine Entscheidung, die sie gegen den Befehl aus London trafen, denn ihnen war aufgetragen worden, bis zum letzten Mann zu kämpfen. 

Dass die Japaner nach der Kapitulation der Briten Räumlichkeiten der Battle Box nutzen, kann man noch in einem Raum sehen. Hier haben japanische Soldaten in japanischer Schrift Sprüche an die Wand geschrieben. Aber auch die Japaner sollten nicht ewig bleiben. Sie kapitulierten am 15. August 1945. Arthur Percival, der 1942 in japanische Kriegsgefangenschaft geraten war, war auf Verlangen der Briten entlassen worden und konnte der Kapitulation beiwohnen. Nachdem er drei Jahre vorher ziemlich erniedrigt worden war, muss ihm das runter gegangen sein wie Butter. 

Die Japaner waren also wieder weg und die Briten übernahmen erneut die Battle Box. Als Singapur 1965 seine Unabhängigkeit erklärte, ging Fort Canning an die Streitkräfte Singapurs. Diese errichteten hier eine Offiziersschule, aber auch diese war nicht von Dauer. Aus Sicherheitsgründen wurde der Bunker geschlossen und erst 1988 von einem Journalisten wiederentdeckt. 

Heute ist die Battle Box ausschließlich Museum und wirklich gut gemacht. Da man nur mit Führung reinkommt, erfährt man viel über die Geschichte Singapurs. Ich bin immer wieder über die enorme Brutalität der Japaner erstaunt. Haben wir das im Geschichtsunterricht durchgenommen? Wird das heute gelehrt? Nächste Wochen kommen Freunde von uns. Er ist Geschichtslehrer. Ich werde ihn mal fragen. (Ralf, bereite Dich schon mal vor!)

Überall in den Räumen kann man sehen, wie hier früher gearbeitet wurde. Man sieht die Offiziere an den Tischen sitzen und Strategien ausarbeiten. Man sieht, wie der Vormarsch der Japaner auf einem riesigen Tisch nachgestellt wurde. Klar ist das zum Teil auch kitschig, aber es gibt schlimmeres. 

Ich muss immer wieder feststellen, dass Fort Canning wirklich zu den unterschätztesten Parks in Singapur gehört. Hier ist so viel Geschichte anzutreffen, dass man sich tagelang hier aufhalten könnte. Ich war schon vor ein paar Monaten mit Nicole hier gewesen und muss sagen, nach dem Besuch der Battle Box bin ich jetzt restlos überzeugt. Denn nicht nur die Geschichte des Parks auch die versteckten Wege machen den Park sehr besuchenswert.

Direkt neben der Battle Box beispielsweise führen Stufen durch einen, ich gebe zu kleinen, aber dennoch schönen, unterirdischen Gang.

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