Auf dem Roller durch Hoi An

Freunde von uns haben ein Haus in Hoi An/ Vietnam. Schon bevor wir nach Asien „ausgewandert“ sind, war klar, dass wir sie besuchen würden. Aber dann kam bekanntlich alles anders. Vietnam hat, wie so viele andere Länder „zu“ gemacht und erst seit Mitte März kann man wieder einreisen. Als Deutsche:r etwas einfacher als als Niederländer:in, aber auch bei mir hat es dann schlussendlich noch auf den allerletzten Drücker geklappt. Mein Visum, das zwischen 24 Stunden und drei Tagen brauchen würde, kam nach drei Tagen. Bedenkt man, dass wir nur drei Tage bleiben, ein ziemlicher Aufwand, aber es lohnt sich. Hoi An ist der Hammer!

Das Haus von Heike und Stefan liegt etwas außerhalb von Hoi An inmitten des Kräuterdorfs Tra Que mit direktem Blick auf die Kräutergärten. Wer die beiden kennt, weiß, dass ein Haus angrenzend zu diesen Gärten das beste ist, was ihnen passieren konnte. Stefan ist begeisterter Koch, Heike eine begnadete Fotografin und zusammen betreiben sie den Blog asiastreetfood.com und haben auch schon das eine oder andere Buch veröffentlicht.

Aber zurück zu den Gärten: Seit Generationen werden hier Kräuter in Bio-Qualität angebaut, die dann auf den umliegenden Märkten verkauft werden. Man kann sie aber auch direkt vor Ort kaufen – selbst dann, wenn man noch im Schlafanzug ist.

Das Haus zu finden, war nicht ganz einfach. Wir wurden zwar am Flughafen von einem netten Taxifahrer mit Schild empfangen und wir waren uns auch bis kurz vor Ende der Fahrt sicher, dass er wusste, was er tat, aber als er dann in eine kleine, fast nicht befahrbare Straße einbog, waren wir doch schon etwas irritiert. Als er dann auch noch an einer Gasse, durch die definitiv kein Auto passte anhielt und uns deutete, dass wir aussteigen sollten, waren wir restlos irritiert. Wir sind also einfach mal losgedackelt und tatsächlich, am Ende der Gasse hörten wir eine bekannte Stimme. Ein Blick über das Gartentor und ja, wir waren angekommen.

Nach einem gemütlichen Abend, ging es am nächsten Morgen um 6:45 Uhr los. 6:45! Wer mich kennt, weiß: DAS ist nicht meine Zeit. Normalerweise drehe ich mich nach 6:45 noch diverse Male um, bevor ich bereit bin, die Horizontale zu verlassen. Aber da in Vietnam alle Menschen früh aufstehen und es nach 10:00 Uhr fast nicht mehr möglich ist, sich draußen zu bewegen – zumindest nicht zu dieser Jahreszeit – blieb mir nichts anderes übrig. Schlag 6:45 Uhr hatte ich meinen ersten Kaffee intus und bereit für die Abfahrt zum Frühstück. Wir sind ja nicht zum Spaß hier!

Mit dem Scooter ging es zu einem Streetfood Stand. Auf dem Plan stand ein Curry. Selbstverständlich war es nicht irgendein Streetfood Stand, sondern ein ganz versteckter. Heike und Stefan haben es sich zur Aufgabe gemacht, die besten Stände zu entdecken und die sind oft nicht direkt an der Straße. Was soll ich sagen. Es war herrlich. Nicht nur die Atmosphäre, auch das Essen. Ach, einfach alles! Wir vier Westler saßen auf Plastikstühle in Kindergartengröße – die Szene erinnerte mich an den Titel eines Buches „Große Ärsche auf kleinen Stühlen“ – an Plastiktischen, haben aus Plastikgeschirr irgendwo in einem Hinterhof von Hoi An gegessen. Umringt von Vietnamesen, die sich nicht alle sicher waren, ob wir real oder doch eine Fata Morgana waren.

Weiter ging es in ein wunderschönes, noch versteckteres Literatur Café. Ich war glücklich. Klar, dass in diesem Café das Pho Buch von Stefan und Heike nicht fehlen darf. Natürlich mit Widmung und natürlich auf vietnamesisch. Stefan lernt seit einigen Jahren die Sprache und ich muss sagen, ich war durchaus beeindruckt. Die Leute haben ihn verstanden.

Die Atmosphäre in den Café war so ganz anders als beim Frühstück. Alles hat mich stark an Shanghai erinnert. Dort waren es auch eher Intellektuelle, die solche Cafés betrieben haben und es waren auch eher „westlich orientierte“ oder vielleicht besser „westlich interessierte“ Menschen, die dort saßen, sich ruhig unterhielten, ein Buch lasen und einen Kaffee tranken. Wie auch wir.

Ganz nebenher haben wir während unserer vier Tage in Vietnam noch ganz verschiedene neue Kaffeespezialitäten kennen gelernt: Den super leckeren vietnamesischen Kaffee, der untern im Glas eine Schicht gesüßte Kondensmilch hat und von den meisten mit Eis getrunken wird. Dann einen Kaffee, der mit Joghurt serviert wird. Wahnsinnig lecker! In einem anderen Café, in dem wir mittags waren, gab es Kaffee mit Salz – unten Kaffee und darüber eine sahneartige gesalzene Schicht Creme und Kaffee mit Kokoseis. Alles SEHR zu empfehlen!

Gestärkt und nach so viel Koffein definitiv wach, sind wir zu Fuß durch die Altstadt von Hoi An. Überall hängen bunte Lampions oder zumindest deren Gerippe. An einigen finden sich noch Stofffetzen, die erkennen lassen, wie es ausgesehen haben muss. Leider hat Covid auch hier seine Spuren hinterlassen. Nicht alles ist super gut in Schuss. Viele Läden und Restaurants sind geschlossen. Aber dennoch ist nachvollziehbar, warum die UNESCO 1999 rund 800 (und damit fast die gesamte Altstadt) der für Hoi An typischen 2-stöckigen gelben Gebäude in den Gassen der Altstadt zum Weltkulturerbes gemacht hat.

Wie schon in Kambodscha, konnten wir auch hier in Hoi An alles ohne viele Touristen genießen. Es ist noch ziemlich leer. Lediglich einige größere Teambuilding Gruppen waren unterwegs, aber es ist einfach etwas anderes, ob man mit westlichen Touristen zusammen sich durch eine Stadt schiebt oder ob Einheimische einem entgegen kommen. Nichtsdestotrotz hoffe ich für Vietnam, dass der Tourismus bald wieder los geht. Die Menschen hier brauchen das Geld.

Wie schon angekündigt, wurde es ab 10 Uhr unerträglich heiß. Also noch schnell nur „Japanischen Brücke“ und dann ab „nach Hause“. Kleiner Umweg noch über den Markt, um etwas zum Kochen einzukaufen und dann nichts wie in den Pool.

Die sehr gut erhaltene, überdachte Japanische Brücke gehört zu den Wahrzeichen Hoi Ans. Errichtet wurde sie zwischen 1593 und 1595 von, wie man sich denken kann, Japanern. Damals lebten in der Stadt auf der einen Seite japanische und auf der anderen Seite chinesische Händler. 1763 erhielt die Brücke ihr heutiges Erscheinungsbild. Insgesamt vier Skulpturen bewachen die Brücke – zwei Hunde und zwei Affen. Der Grund: Der Bau der Brücke begann im Jahr des Hundes und fertiggestellt wurde sie im Jahr des Affen.

Für den Nachmittag stand Da Nang auf dem Plan. Gemütlich Kaffee trinken mit Stefans Vietnamesisch Lehrerin, über den Markt schlendern, einen Abstecher zur Linh Ung Pagode und wieder lecker Essen.

Auf dem Markt gab es mal wieder alles! Und alles getrocknet. Wenn ich gewollt hätte, hätte ich mich dort sattessen können, aber dann wird auch eigentlich erwartet, dass man etwas kauft. Also habe ich immer freundlich gelächelt und abgelehnt.

Schon von weitem kann man die riesige Statue der buddhistischen Göttin der Barmherzigkeit, Guanyin erkennen. Mit ihren 67 Metern Höhe, die größte in ganz Vietnam. Der Pagodenkomplex wurde erst 2010 eröffnet und bietet eine interessante Mischung aus moderner und traditioneller vietnamesischer Tempelarchitektur. Es gibt aber noch mehr Statuen. Unter anderem auch die 18 Steinstatuen der 18 Arhats. Quasi die 18 Apostel des Buddhismus – also die Anhänger Buddhas. Ihre Gesichtsausdrücke spiegeln sämtliche Gemütszustände aus. Von der Freude über die Liebe bis hin zur Wut und Traurigkeit.

In der Pagode selbst gibt es noch mal mehr Statuen. Diese aber aus Holz. Aber auch dies sind Abbildungen der 18 Arhats. Warum sich einer davon aber die Ohren putzt, habe ich nicht herausgefunden.

Dafür kenne ich jetzt aber die Legende zur Pagode. Der Legende nach, stand hier nämlich schon im 19. Jahrhundert eine kleinere Pagode. Sie war von den Dorfbewohnern errichtet worden, nachdem einer von ihnen eine Buddha Statue in der Nähe des Strandes gefunden hatte.

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