Shophouses

Ist Euch schon aufgefallen, dass ich mich in die Shophouses hier in Singapur verliebt habe? Ehrlich gesagt, war ich auch etwas überrascht, als wir hier ankamen und ich all diese wunderschönen Häuser entdeckte. Ich hatte vorher noch nie so wirklich davon gehört. Hier sind sie aber so beliebt, dass es unzählige Bücher darüber gibt – machen nur mit Bildern, andere gleich mit der ganzen Geschichte dazu. Es gibt jedes erdenkliche Souvenir mit Shophouses drauf und wenn ich ganz ehrlich bin, würde ich super gerne in so einem wohnen. Also dann, wenn es so wie unsere Wohnung im 17. Stock mit direktem Blick auf das Meer stehen würde.

Shophouses sind aber nichts Singapurspezifisches. Es gibt sie in ganz Südostasien und sie kommen, wie sollte es anders sein, ursprünglich aus Südchina. Hier sind sie typisch für die Provinzen Guangdong und Fujian.

Je nach dem, wann sie gebaut wurden, variiert der Stil. Mal sind sie in leuchtenden Farben gestrichen, mal eher in pastellenen Tönen und die edlere Variante ist in Weiß gehalten. Die meisten sind mit bunten Kacheln und Ornamenten um die Fenster und über den Eingängen verziert. Es gibt aber auch ganz minimalistische mit nur sehr wenig „Schnickschnack“.

Ich habe schon einen Antiquitätenladen gefunden, in dem diese bunten Kacheln verkauft werden. Jetzt muss ich den guten Mann nur noch etwas runterhandeln. Ich will unbedingt ein paar mit nach Hause nehmen.

Heute schmücken diese Wand an Wand gebauten, zwei oder dreistöckige Shophouses ganze Straßenzüge Singapurs. Man muss nicht weit fahren. Überall trifft man auf Ansammlungen dieser Häuser: In Chinatown, Little India, Joo Chiat, Duxton Hill. You name it. Auch heute befinden sich in vielen von ihnen noch immer Shop. Bei den Shophouses ist der Name Programm: Die Bezeichnung geht nämlich darauf zurück, dass sich traditionell unten ein Shop befand. Zumindest im vorderen, größeren Raum. Der restliche Teile des Hauses wurde von der Familie der Shopbesitzer bewohnt. Und in aller Regel war das ein durchaus großes Haus. Auch wenn es von außen eher klein, weil schmal aussieht.

Allen Shophouses haben den gleichen Grundriss: Das Erdgeschoss liegt nicht direkt an der Straße, sondern ist etwas nach hinten versetzt. Die erste Etage reicht dann aber wieder bis zur Straßenkante und wird von Säulen, die je nach Stilrichtung, mal mehr und mal weniger reich verziert sind, gehalten. Der überdachte Bereich, auch Five-Foot-Way genannt, ist mit den überdachten Bereichen der anderen Shophouses verbunden und ergibt so einen Korridor. Ziemlich sinnvoll in einem Land, in dem es ständig regnet. So kommt man noch heute, trockenen Fußes von einem Shop in den nächsten. Denn wenn es hier regnet, dann kommen ganze Sturzbäche.

Wie schon erwähnt, ist die Front eines Shophouses ziemlich schmal, dafür sind die Häuser aber bis zu 25 Meter tief. Manchmal sogar noch tiefer. Auf einer meiner ersten Erkundungstouren waren wir in Emerald Hill – direkt an der Orchard Road. Hier wurde ein Shophouse renoviert und nachdem ich lange genug neugierig durch die Fenster gespickelt hatte, durften wir uns das alles mal von innen anschauen. Er war UMWERFEND schön. Auch deshalb, weil noch unheimlich viel von der ursprünglichen Substanz erhalten war. Die alten Türen mit den ihren bunten Fenstern der Holzschnitzereien. Die Ziegelwände, wo jeder einzelne Ziegel von einem Spezialisten behandelt wurde. Und das ganze über mehrere ineinander verwinkelte Etagen.

Auch die Hausbreite geht übrigens auf Südchina zurück. Im Süden Chinas zahlten die Hausbesitzer ihre Steuern gemäß der Breite ihres Hauses: Je schmaler die Front, desto weniger Steuern musste man zahlen. Den Niederländern hat das System so gut gefallen, dass sie es für ihre Kolonien übernommen haben und sowohl in Melaka und als auch in Penang einführten.

Jetzt hat so ein tiefes Reihenhaus nicht wirklich viele Fenster. Man könnte also meinen, in den Häusern wäre es immer ziemlich dunkel. Aber dem ist nicht so, wie ihr auch auf einem meiner Bilder sehen könnt. Um Licht in das Haus zu bringen, haben Shophouses einen oder manchmal sogar mehrere Innenhöfe, offenen Treppen und Dachfenstern. „Unser“ Shophouse hatte sogar eine kleine Dachterrasse.

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