Das erste Haus am Platz

Ich war mal wieder auf meiner Lieblingsinsel: Pulau Ubin. Und dieses Mal musste Diana natürlich mit. Beziehungsweise wollte ich Diana „meine“ Insel zeigen. Für mich ist diese Insel ein MUSS, wenn man nach Singapur kommt. Denn hier kann man sehen oder zumindest vermuten, wie Singapur in seinen Anfängen gewesen sein muss.

Da ich die eine Seite von Pulau Ubin, die Seite, auf der sich die Tempel und Schreine befinden, schon erkundet hatte, stand dieses Mal die andere Seite mit dem „House Nr. 1“, den Mangroven Wäldern und den muslimischen Friedhöfen – oder ist es einfach ein riesiger muslimischer Friedhof – auf dem Plan.

Ursprünglich hatten wir vor, mit dem Fahrrad nach Pulau Ubin zu fahren. Also vielmehr nach Changi Village und von dort mit dem Boot weiter. Aber ich hatte wohl eine Vorahnung. Ich war mir nicht sicher, ob wir das zeitlich schaffen würden. Also habe ich mir das Auto gekrallt.

Mal ganz abgesehen davon, dass wir es zeitlich nicht geschafft hätten bis zu meinem Termin wieder Zuhause zu sein, hat es bis kurz vor 10:00 Uhr noch Bindfäden geregnet. Bis wir am Bootsanleger waren, hatte sich dann aber alles gelegt. Es nieselte nur noch, was für einen Wandertag aber durchaus angenehm ist. Zumindest hier in Singapur.

Womit ich nicht gerechnet hatte, war, dass wir ewig warten mussten, bis endlich ein Boot uns auf die Insel brachte. Irgendwie hatte wohl niemand wirklich Lust darauf, an einem Donnerstag bei nicht ganz so gutem Wetter – nach Singapur Standard – nach Pulau Ubin zu fahren. Wir standen uns also erst mal die Beine in den Bauch. Bis sich endlich 12 Personen eingefunden hatten und der Bootsführer bereit war, überzusetzen, war einige Zeit vergangen. Aber wie immer, hat es sich auch dieses Mal gelohnt.

Auf Pulau Ubin angekommen, wusste ich nur, dass wir nach rechts gehen mussten. In Richtung Polizeistation. Immer am Wasser entlang. Ja, Ihr lest richtig: Auf Pulau Ubin gibt es eine Polizeistation! Ausgestattet sogar mit Einsatzwagen und ein Polizeiboot gibt es bestimmt auch. Nur Polizisten habe ich nicht gesehen.

Einen wirklichen Plan hatte ich nicht und Diana schon gar nicht. Also wir nach rechts. Dieser Weg führte aber leider im Kreis. Wobei man nicht wirklich „leider“ sagen kann, denn wir kamen erst an zahlreichen Kampong Häusern vorbei, in denen die Menschen heute noch so leben, wie vor 50 Jahren. Ein Teil ging auch mitten durch den Dschungel und dort sahen im Gebüsch Wildschweine. Ihr erinnert Euch vielleicht an meine „Singapurs Big Five“? Die Wildscheine gehören meiner Meinung nach definitiv dazu.

Nach unserer Runde im Kreis gab es nur einen Weg, der uns nicht wieder im Kreis geführt hätte. Also haben wir diesen genommen. Komisch war das dann schon. Keine Menschenseele weit und breit und auch hier nahmen wir irgendwo wieder die falsche Abzweigung. Diana wollte sich dann ganz mutig durch den Dschungel, über eine Fuhrt am Wasser entlang schlagen, aber irgendwann war da einfach zu viel Wasser.

Also wieder zurück.

Natürlich hätten wir Google Maps befragen können. Haben wir zwischendurch auch immer mal wieder. Aber ohne macht es schon mehr Spaß!

Irgendwann haben wir es dann tatsächlich geschafft. An den muslimischen Friedhöfen vorbei – kann auch sein, dass es ein riesiger muslimischer Friedhof ist – stand auf einem Schild ein Hinweis auf die Mangrovenwälder und dort in der Nähe sollte auch das „House Nr. 1“ sein. Denn einen Hinweis auf das Haus haben wir nicht ein einziges Mal gefunden.

Noch bevor wir aber durch das große Tor gehen konnten, das ganz sicher auf die Zeit zurückgeht, als das House Nr. 1 noch bewohnt war und heute noch mitten im Urwald steht, trafen wir wieder auf Wildschweine. Zwei ganz kleine. Zunächst hatten wir schon ziemlichen Respekt vor den Tierchen, aber weil die sich so gar nicht für uns zu interessieren schienen, sind wir einfach mal stehen geblieben und die zwei kamen immer näher auf uns zu. Wir hatten definitiv mehr Respekt vor den Schweinen als die Schweine vor uns.

Landon Williams, Singapurs Havariekommandochef, ließ das House Nr. 1 in den 1930ern als Ferien- und Wochenendhaus bauen. House Nr. 1 ist das einzige in Singapur noch verbliebene Haus im Tudorstil und somit auch das einzige mit einem Kamin. Wofür man einen Kamin in Singapur braucht, is mir ein absolutes Rätsel und ich glaube auch nicht, dass dieser in den 1930ern notwendig war. Selbst wenn er nur zur Deko war, mir wurde schon alleine vom Anschauen wieder noch heißer.

Das Haus stand viele Jahre leer. Im Kamin hatte sich eine Fledermausfamillie niedergelassen. In den Holzbalken vergnügten sich die Termiten. 2005 wurde es renoviert und dient jetzt als Informationszentrum für Besucher:innen, die sich über die Flora und Fauna der Insel informieren wollen. Außerhalb von Covid kommen regelmäßig Schulklassen hierher.

Zum House Nr. 1 gehört auch ein Anlegeplatz, der ziemlich weit ins Meer ragt. Vom äußersten Ende aus kann man die kleine Insel Pulau Sekudu („Pulau“ bedeutet „Insel“, wie sich die ein oder der andere jetzt wahrscheinlich schon denken konnte.) sehen, um die sich eine Sage rankt.

Vor Urzeiten haben ein Schwein, ein Elefant und ein Frosch sich ein Wettschwimmen durch die Meerenge zwischen Singapur und Malaysia geliefert. Wer es nicht auf die andere Seite nach Johor schafft, sollte in einen Stein verwandelt werden. Leider haben sich alle massiv überschätzt. Aus dem Elefanten und dem Schwein wurde Pulau Ubin. Aus dem Frosch wurde Pulau Sekudu. „Sekudu“ bedeutet auf Malay „Frosch“.

Von House Nr. 1 ging es dann über den Steg am Meer entlang in Richtung der Mangrovenwälder. Einmalig schön! Ich für meinen Teil bin jetzt noch mehr in diese kleine Insel verliebt und überlege schon, wie ich das Geld für das House Nr. 1 aufbringen kann. Es müsste zig Millionen wert sein. Wenn jemand eine Idee hat! Ich bin offen für Vorschläge.

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