Das große Fressen

Singapur ist bekannt für sein gutes Essen. Wir konnten schon einiges davon testen und waren immer begeistert. Allerdings haben wir bisher fast ausschließlich in Restaurant gegessen. Auch deshalb, weil Hawker Center lange Zeit geschlossen waren und zur Zeit als Hotspot für Corona gelten.

Freitag bis heute hatten wir Besuch. Freunde von uns – sie eine geniale Hobbyfotografin, er ein begeisterter Hobbykoch. Gemeinsam haben sie bereits drei Kochbücher geschrieben. Das Wort „Hobby“ kann man also ebensogut weg lassen. Ihr könnt Euch vorstellen, die beiden interessieren sich in aller erster Linie für Essen. Und hier speziell für Streetfood.

Stefan hatte schon vor der Anreise eine Liste mit Essensständen geschickt, die wir unbedingt besuchen müssen. Da ich mich mittlerweile doch recht gut hier in Singapur auskenne, organisiere ich das Touriprogramm entsprechend drumherum.

Samstagmorgen ging es im Tong Ah Eating House in Tiong Bahru mit einem typisch singapurianischen Frühstück los: weiche Eier, Kaya Toast und Kopi O bzw. C. Viel falsch machen kann man bei der Bestellung nicht – außer beim Kaffee, der nach wie vor für meine europäischen Geschmacksknospen gewöhnungsbedürftig ist. Aber wie das mit der Kaffeebestellung hier in Singapur geht, hatte ich Euch ja schon mal ausführlich beschrieben.

Nach dem Frühstück ging es lückenlos in das erste Mittagessen über. Nein, wir saßen nicht ewig beim Frühstück. Es als Mittagessen zu bezeichnen, ist auch eher europäisch. Denn die Singapurianer:innen essen das, was ich als Mittag- oder Abendessen bezeichnen würde, im Zweifelsfall auch zum Kaffee. Egal. Wir mussten nur wenige Meter laufen. Entlang einer der schönsten Straßen Singapurs. Mit Shophouses entlang der gesamten Strecke. Eines schöner als das andere und in jedem ein Restaurant. Aber keine Straßenküche, also konnten wir relativ flott an ihnen vorbei gehen. Dieses Essen bestand aus Reis uns Hühnchen. Damit wir das Optimum aus dem Testessen raus bekamen, gab es zwei Portionen für vier Personen, die dann nach der Hälfte getauscht wurden.

Da wir jetzt wirklich alle vier definitiv keinen Hunger mehr hatten, ging es zum Beine Vertreten auf den Wetmarket – zwei Etagen tiefer. Schon von Weitem konnte man riechen, dass es hier in erster Linie Fisch gibt. Nicht wirklich verwunderlich, wenn man bedenkt, dass Singapur eine Insel ist. Aber ich gebe zu, darüber hatte ich mir noch nicht so viele Gedanken gemacht. Die Auswahl an Fisch war gigantisch. Große Fische, kleine Fische, Fische, wie wir sie kennen, ganz exotische Fische. Graue, weiße, rote, lachsfarbene Fische und ganze Stände, die nur Fischköpfe und Fischaugen verkauften.

Schon mal von der Fischkopfsuppe gehört? Sie ist eine der Spezialitäten hier in Singapur, aber mehr dazu später. Ich hatte schon in China gelernt, dass viele Schüler:innen und Studierende vor ihren Prüfungen eine Fischkopfsuppe essen. Angeblich macht das Essen der Fischköpfe nämlich schlau. Wobei nicht der ganze Kopf gegessen wird. Vielmehr werden nur die Backen und Augen gegessen. Ist man bei Chines:innen zum Essen eingeladen und es wird Fischkopfsuppe serviert, ist der Fischkopf für den Gast.

Selbstverständlich gab es aber auch sämtliche exotischen oder für Singapur eben nicht exotischen Zutaten auf dem Wetmarket. Palmherzen, Kaffeelimetten, sämtliche Kräuter und Gewürze und ganz vieles, das ich schlichtweg nicht erkannt habe. Bzw. Stefan und Heike haben es mir erklärt, aber ich habe es schon wieder vergessen. Ihr werdet also die Bücher der beiden lesen müssen, um zu erfahren, was ich gesehen habe.

Von Chinatown ging es weiter nach Tiong Bahru. Hier wollten wir die beste Sojamilch und die besten Kokosküchlein Singapurs testen. Beides war aber bereits ausverkauft. Also offensichtlich echt gut. Wir haben dann einen anderen Sojamilchstand ausprobiert, waren aber alle vier nicht so begeistert. Gut, dass mein Mann und ich in Tiong Bahru schon mal in einer Straßenküche gut gegessen hatten und die jetzt empfehlen konnten. Weil, wir waren ja nicht zum Spaß unterwegs, sondern zum Essen. Also – Mittagessen Nr. 2 und dann ein wenig sightseeing. Aufmerksame Leser:innen wissen, Tiong Bahru gehört zu meinen liebsten Stadtvierteln. Wunderschöne Art Deco Architektur, einer der ganz wenigen noch erhaltenen Luftschutzbunker, das Gestänge für die Vogelkäfige und der Affentempel. Und gegenüber vom Affentempel gab es glücklicherweise noch eine gute Straßenküche. Da wir noch nicht genug gelaufen waren und wo keine:r von uns noch etwas hätte essen können, haben wir uns Mittagessen Nr. 3 als Takeaway mit nach Hause genommen. Allerdings haben wir es dann doch unseren Nachbarn geschenkt, da wir ja noch ein Abendessen vor uns hatten – Fischkopfsuppe! In Little India. Weil … Little India muss man gesehen haben. Und was soll ich sagen, es hat sich ins Zeug gelegt. Die Straßen sind noch mit der Dewali Beleuchtung geschmückt, das bunte Haus war wunderschön angeleuchtet und vor den Tempeln wurde man in eine Wolke von Räucherstäbchenduft eingehüllt. Aber auch sonst ist dieser Stadtteil während der „blauen Stunde“ noch mal schöner.

Gegessen haben wir im Banana Leaf Apollo. Wir waren, wie eigentlich überall an diesem Tag, die einzigen Langnasen. Aber das spricht ja eher für als gegen das Restaurant. Und ich muss sagen, es hat mir hervorragend geschmeckt. Ich habe zwar so gar keine Ahnung, was genau ich gegessen habe – außer die Fischkopfsuppe – aber alles war einfach nur klasse. Noch dazu auf einem Bananenblatt serviert. Da möchte ich auf jeden Fall noch mal hin. Die Suppe war übrigens auch richtig lecker. Ich habe eines der Bäckchen gegessen. Das mit den Augen habe ich mir gespart. Soweit bin ich noch nicht.

Hatte ich schon geschrieben, dass wir nicht zum Spaß unterwegs waren? Also nicht, dass ihr denkt, dass das schon alles war. Von hier aus ging es zum Abschluss des Tages über das Chijmes ins Raffles Hotel und hier selbstverständlich in die berühmte Longbar auf einen Singapur Sling.

Die Longbar gehört zu den ganz berühmten Bars in Singapur. Unter anderem auch, weil man hier Erdnüsse in der Schale serviert bekommt. Die Schale darf man oder soll man sogar auf den Boden schmeißen. Aber, was soll ich sagen – Covid. Im Augenblick darf man das nicht. Der Hype, der um diese Bar gemacht wird, konnte sich mir daher nicht erschliessen. Es ist nett, aber ganz ehrlich? Eine Bar muss voll sein. Man muss sich am Tresen drängen. Es muss Musik laufen. Gerade so laut, dass sie nicht stört, man aber dennoch etwas lauter sprechen muss. Im Augenblick steht nicht ein Barhocker an der Bar. Man darf sich noch nicht mal an der Bar aufhalten, sondern muss anständig an Tischen sitzen. Ich hoffe sehr, dass ich die Bar noch mal ohne all diese Restriktionen erleben darf. Aber, der Singapur Sling war überraschend gut und die Gesellschaft sowieso.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Simi sagt:

    Wenn man in dieser Stadt mit einem so wunderbaren Guide unterwegs sein darf, der sich auskennt und auf wirklich alle Wünsche eingeht,ist das nochmal mehr ein besonderes Erlebnis. Es gehört auch viel Geduld dazu, vor dem Essen zu sitzen und jedesmal zu warten, bis es von allen Seiten fotografiert wurde. Wir sollten gemeinsam noch viel mehr Städte kulinarisch erobern.

    Gefällt 1 Person

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