Lockdown und keiner macht mit

Singapur ist zum Hochrisikoland erklärt worden. Erst von den USA, jetzt auch von Deutschland. Es verwundert mich nicht. Die Zahlen schießen geradezu in die Höhe. Gestern gab es über 5.300 neue Fälle. Die Krankenhäuser sind fast am Limit.

Obwohl seit Anbeginn der Krise alle Masken tragen und wir uns von einem Quasi-Lockdown zum nächsten hangeln. Gerade wurden die Restriktionen um einen weiteren Monat verlängert.

Obwohl weiterhin alle im Homeoffice arbeiten müssen, die im Homeoffice arbeiten können. Eine Regelung, die aber ab dem 01.01.2022 aufgehoben werden soll. Ab dann dürfen alle Geimpften und Genesenen wieder ins Büro. Wer nicht geimpft ist, muss sich jeden Tag testen.

Obwohl man mittlerweile nur als Geimpfte:r oder Genesene:r in Geschäfte, Shoppingmalls und Restaurants inklusive der Hawkercenter darf. Angeblich ist seit diese Regelung in Kraft getreten ist, die Zahl derer, die sich impfen lassen, noch mal gestiegen. Auf inzwischen knapp 85 Prozent. Ein enorm hoher Prozentsatz vergleicht man das mit Deutschland.

Was das Überprüfen des Impfstatuses angeht, ist Singapur vorbildlich. Kann man den Status nicht vorweisen, kommt man nicht rein. Es wird sogar die Echtheit der Angabe überprüft. Meldet man sich nicht mit „Tracetogether“ an, kommt man nicht rein. Nicht ein Restaurant. Nicht eine Shoppingmall. Vorgaben sind Vorgaben und werden befolgt.

ABER! Und das ist ein doch recht großes Aber. Ich habe den Eindruck, der natürlich falsch sein kann, dass die Menschen hier den Kanal gestrichen voll haben, von den Restriktionen. Verständlich, denn wie kann es sein, dass sich der Großteil der Menschen in Singapur stoisch an alle Regeln gehalten hat und dennoch die Zahlen so dermaßen steigen.

Woran ich meinen Eindruck fest machen?

Vergangene Woche war ich mit der Tochter meiner Nachbarn im Zoo – auf River Safari. Bericht folgt. Niemand hat die Vorgaben für das Abstandhalten eingehalten. Vor den Aquarien wurden alle auf dem Boden aufgezeichnete Abstandslinien missachtet.

Zweiergruppen? Fehlanzeigen. Ich glaube, dass meine Nachbarstochter und ich die einzige Zweiergruppe waren. Zweiergruppen gab es dann nur im Restaurant. Weil, es dürfen ja nur immer zwei Menschen an einem Tisch sitzen. Dass diese die Plätze wild hin und her gewechselt haben, hat niemanden gestört. Warum auch? Alle sind nach dem Essen wieder in größeren Gruppen unterwegs gewesen. Familien selbstverständlich wieder in einem Auto gemeinsam nach Hause gefahren. Was diese Regelung ab absurdum führt und was wahrscheinlich auch der Grund ist, warum sich fast niemand mehr darum schert.

Am Wochenende sind wir abends am Strand entlang gelaufen. Noch immer sind die einzelnen Strandabschnitte mit Bauzäunen von der Straße abgegrenzt, aber die Bauzäune sind nicht mehr so verrammelt, dass man nicht durchkommen könnte. Überall am Strand waren größere Gruppen von Menschen. Es hörte sich nach Party an. Verständlich! Wäre es nach mir gegangen, hätte ich mitgefeiert.

Safe Distancing Ambassadors? Noch vor einer Woche wimmelte es hier nur so von Menschen in roten T-Shirts auf denen hinten drauf „Safe Distancing Ambassador“ steht. Ich bin schon so konditioniert, sehe ich von Weitem ein rotes T-Shirt, zucke ich zusammen und kontrolliere, ob meine Maske richtig sitzt und ich nicht mehr als eine Person an meiner Seite habe. Rote T-Shirts sollten in Singapur verboten werden, bzw. ausschließlich den Safe Distancing Ambassadors vorbehalten sein. Ich will nicht wissen, wie oft ich schon ohne Grund nervös geworden bin. Aber, egal. Auf jeden Fall sind nicht mehr so viele unterwegs, wie noch vor wenigen Wochen. Sie sind auch nicht mehr so „scharf“ wie vor wenigen Wochen/Tagen. Wir waren am Sonntag zu viert spazieren und uns kamen doch tatsächlich zwei Ambassadors entgegen. Ok, wir sind in Zweiergruppen gelaufen, aber eigentlich war es offensichtlich, dass wir zusammen gehörten. Nichts. Meine Maske war gerissen, also konnte ich sie nicht anständig vor Nase und Mund haben. Nichts. Ob sie Anweisungen haben, nicht mehr so strikt zu sein?

Jetzt muss man aber auch dazu sagen, die Regierung veröffentlicht regelmäßig eine Übersicht über die Corona-Hotspots. Sentosa gehört definitiv nicht dazu.

Quelle: COVIDSITREP.MOH.GOV.SG

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