Geistersuche im Changi Hospital

Was macht man, wenn man eigentlich schon alles gesehen hat und noch immer nicht reisen kann? Richtig! Man sucht sich Orte, die nur wenige kennen. Das ehemalige Krankenhaus in Changi gehört sicherlich dazu.

Es ist sehr weit weg vom Schuss. Nicht zugänglich, kameraüberwacht und zu allem Überfluss soll es das Haus in Singapur sein, in dem es am meisten spukt. Also definitiv nichts, was auf der Touriliste ganz oben seht.

Da ich ja jetzt im Besitz des singapurianischen Führerscheins bin, kann ich auch an die entferntesten Orte kommen, ohne Stunden in der Metro und Bussen zu verbringen. Also habe ich Margareta abgeholt und los ging zum verlassenen Krankenhaus am äußersten Ende der Stadt. Hierher kommt noch nicht mal mehr eine Metrolinie.

Wir hatten schon gehört/gelesen, dass man nicht auf das Gelände darf. Ich dachte mir aber: Einen Versuch ist es wert. Meistens trifft man auf jemanden, den man mit großen Augen und vielen netten Worten dazu bringen kann, dass er oder sie uns rein lässt.

Dieses Mal war leider niemand da, der uns reinließ. Noch nicht mal ein Geist. Aber es war jemand da, der uns einen Ort verriet, wo wir mehr entdecken konnten.

Also wir wieder ins Auto. Schneller als gedacht, waren wir auf der anderen Seite des riesigen Komplexes. Aber auch hier war alles verrammelt. Keine Chance auf das Gelände zu kommen. Auf eine Kletterpartie mit anschließender Übernachtung im Gefängnis hatte ich keine Lust. Die Chance erwischt zu werden, ist zu groß. Es sind einfach zu viele Kameras da.

Interessant wurde es dann aber, die Straße wieder etwas weiter runter. Hier stehen auch noch Gebäude, die zum ehemaligen Krankenhaus gehören, nicht komplett eingezäunt sind und teilweise renoviert wurden. Leider wurden die Arbeiten schon wieder eingestellt, da die Besitzer bankrott gegangen sind. Auch das Unternehmen, welches ein Gebäude bereits renoviert und in Betrieb genommen hatte, ist bankrott. Und auch das Hotel, auch in einem ehemaligen Krankenhausgebäude, gibt es nicht mehr. Alles ist wieder an die Regierung Singapurs zurück gegeben worden.

Jetzt aber zu dem echt spannenden Teil: In allen Gebäuden des ehemaligen Krankenhauses soll es spuken, was das Zeug hält. Wir trafen wir auf einen Singapurianer, der zwar mit uns in die Nähe des Hauses ging, aber keinen Schritt weiter. Er hatte einfach zu viel Angst. In keinem Gebäude Singapurs soll es mehr spuken als hier. Es gibt unzählige Berichte von Menschen, die Gestalten an den Fenstern der Gebäude gesehen haben. Von Menschen, die nachts durch die Gebäude gezogen sind oder auch nur am Gitter standen und dort Geister getroffen haben. Da wird es einem schon mulmig.

Wie lebendig die Geschichten sind, wurde uns klar, als wir die großen Mengen an Opfergaben sahen, die vor dem Krankenhausgelände lagen.

Kennt man die Geschichte des Krankenhauses, kann man sich durchaus vorstellen, dass es hier von Geistern nur so wimmelt. Erbaut wurde das Changi Krankenhaus 1935 von der Britischen Kolonialregierung als Teil des britischen Militärstützpunktes. Lange war das Krankenhaus allerdings nicht lang im Besitz der Briten. Schon 1942 nahmen die Japaner die Gebäude in Beschlag. Zwar wurde das Krankenhaus noch immer als solches betrieben, aber es wurde auch von der Japanischen Militärpolizei genutzt, um hier Kriegsgefangene unterzubringen. Die Kempeitai war für ihre besonders grausamen Foltermethoden bekannt. Angeblich gab es im Changi Krankenhaus Folterräume, in denen dicke Ketten an von Blut verschmierten Wänden befestigt waren.

Nachdem die Japaner sich zurück gezogen hatten, wurde das Krankenhaus erst zunächst zum Royal Air Force (RAF) Hospital Changi und etliche Namen und Jahre später, die Briten hatten Singapur mittlerweile verlassen, zum Changi Hospital. Auch wurden in den späteren Jahren nicht mehr nur Militärangehörige sondern dann auch Zivilisten behandelt. Allerdings erwies sich das Krankenhaus nicht gerade als praktisch. Zu viele verschiedene Gebäude, zu weit voneinander entfernt und alles auf einem recht hügeligen Gelände. 1997 beschloss die Regierung deshalb, das Krankenhaus zu schließen.

Seither steht es leer. Wir hätten gerne den ein oder anderen Geist getroffen. Leider wollte sich uns aber keine zeigen. Vielleicht waren wir auch einfach zu früh am Tag dort.

Angeblich sollen die Gebäude bald allesamt renoviert werden und in Altersheime umgewandelt. Spätestens, wenn die Gegend an die MRT (Singapurs Metro) angeschlossen ist. Ob die Alten dann wirklich hier leben wollen? Zusammen mit all den Geistern? Die Singapurianer:innen sind, wie die Chines:innen, sehr abergläubig.

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