Wie man in Singapur Kaffee buchstabiert

Jetzt lebe ich schon seit über einem Jahr in Singapur und war noch immer nicht traditionell frühstücken. Ich hatte Alex versprochen, auf sie zu warten, aber da China keine Anstalten macht, die Grenzen zu öffnen, musste heute Margareta dran glauben.

Natürlich wollte ich nicht in irgendeinem willkürlichen Café frühstücken. Es sollte schon ein Ort mit Geschichte sein und gut. Meine Wahl fiel auf das „Chin Mee Chin“ in meiner Lieblings“neighbourhood“: Katong/Joo Chiat. Laut „Timeout“ wurde diese Neighbourhood auf Platz 22 der coolsten Neighbourhoods der Welt gewählt. Kein Wunder also, dass ich dort super gerne unterwegs bin.

Dass meine Wahl gut war, sahen wir schon, als wir ankamen. Bzw. Margareta sah das, als sie ankam. Vor dem Café war eine lange Schlange. In Asien der Garant für Qualität. Als ich kam, war sie schon ein gutes Stück vorgerückt. Gut für mich. Aber die Wartezeit wurde sehr sympathisch überbrückt. Nicht nur findet man an den Wänden, wie fast überall in Singapur, schöne Wandmalereien, auch das Personal vom Chin Mee Chin ist extrem freundlich. Erst kam ein älterer Mann, der unseren Impfstatus checkte und bei dem wir einchecken mussten. Dann kam Chun und Chun erklärte mir dann sehr ausführlich, wie ich den Kaffee bestellen sollte.

Cappuccino? Fehlanzeige. Flat White? Moderner Schnickschnack. Gibt’s nicht. Kaffee mit Milch? Eventuell.

Will man in Singapur echten singapurianischen Kaffee trinken, muss man das Kaffee-Alphabet beherrschen. Es gibt Kopi O, Kopi C.

Ein einfacher Kopi ist ein immer ein Kaffee mit gesüßter Kondensmilch.

Kopi O ist ein schwarzen Kaffee

Möchte man lieber einen Kaffee mit Milch, bestellt man einen Kofi C. Das ist ein Kaffee mit Kondensmilch. Dieses Mal ungesüßt.

Den Zuckerlevel regelt man über den Zusatz Kosong, Siew Siew Dai, Siew Dai, Normal oder Ga Dai. Kosong – ganz ohne Zucker, Ga Dai – extra viel Zucker.

Besonders viel Spaß hatte Chun dabei, mir zu erklären, wie ich einen Kaffee ohne Zucker bestellen solle. Kosong bedeutet: kein Zucker. „Kosong“ hört sich für mich aber an wie „Croissant“. Als ich also selbstbewusst einen Kopi C Croissant bestellte, lag er fast am Boden vor Lachen. Nein! Sie würden keinen Kaffee mit einem Croissant drin servieren, war alles, was er noch rausbrachte. Aber ich werde jetzt nie mehr vergessen, wie ich einen Kaffee mit Milch aber ohne Zucker bestellen muss.

Übrigens, das gleiche Alphabet kann eins-zu-eins auf Tee angewandt werden. Dann ist es kein Kopi sondern ein Teh. In meinem Fall ein Teh C Kosong. Wobei ein Teh C, also einer mit gesüßter Kondensmilch echt lecker ist.

Ok, unseren Kaffee konnten wir jetzt bestellen. Nächste Herausforderung: Das Essen. Auch hier wurden wir umfangreich von Shan beraten. Wir sollten das Kaya Toast mit Eiern nehmen. Gesagt. Getan. Und als wir endlich einen Tisch hatten und das Frühstück vor uns stand, kam Shan dann auch noch, um uns genau zu erklären, wie wir das jetzt essen mussten: Die super weichen Eier auf einen Unterteller aufschlagen und mit etwas Sojasauce verrühren. Die beiden Kaya Toasts zusammenklappen und dann wahlweise in die Eier tunken oder so dazu essen.

Das Chin Mee Chin, was so viel heißt wie „Echte, schöne Schätze“ gibt es bereits seit 1925. Sein Gründer, Tan Hui Dong hatte hier mit Unterstützung seiner Familie, die auf chinesischen Insel Hainan zuhause war, zunächst eine Bäckerei errichtet. Von hier aus versorgte er die gesamte Nachbarschaft mit Brot.

In den 1940er Jahren wurde aus der Bäckerei ein Café. Jetzt konnte man hier frühstücken oder einfach einen Kopi O, C, mit viel oder wenig Milch trinken oder wie gehabt Brot kaufen. Lange Zeit war das so. Erst in den 70er Jahren wird das Sortiment um eurasische Backwaren wie Brown Buns (so was wie Schokobrötchen), Sugee Cake (ein Kuchen aus Grieß, Mandeln, Butter, Eiern und Brandy) und die Spezialität des Hauses, mit Sahne gefüllte Hörnchen, erweitert. 2018 dann das Ende. Nachdem das Unternehmen fast 70 Jahre in den Händen der Familie gewesen war, fasste die damalige Besitzerin Leong Kwang Ling, schweren Herzens den Entschluss, das Café zu schließen. Sie konnte keine Nachfolgerin finden. Ihre Tochter wollte das Unternehmen nicht weiterführen.

2021, drei Jahre später, erstrahlt das Chin Mee Chin wieder im alten Glanz. Zwar hat der neue Besitzer alles renoviert, aber er hat auch immer darauf geachtet, dass der alte Charme erhalten blieb. Und Charme hat das Café.

Die alten Kacheln auf dem Boden und an den Wänden sind erhalten geblieben. An den Wänden hängen Bilder aus den letzten sieben Jahrzehnten und auch einige der ehemaligen Möbel wurden aufgepeppt und wieder an Ort und Stelle gebracht.

Warum die Gegend meine Lieblings“Neighbourhoods“ ist? Es sind die unzähligen, super bunten Shophouses. Ich lasse mal die Bilder sprechen und erzähle Euch in den nächsten Tagen mal endlich mehr zu den Shophouses. Wo sie her kommen, was sie ausmacht und wie viele verschiedene Arten von Shophouses es gibt.

Was ich auch noch entdeckt habe, war diese steinerne Schildkröte mit Geldstücken auf und um sie herum. Was das zu bedeutet, muss ich erst noch recherchieren. Aber … Erklärung kommt.

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