Willing Hearts

Schon in Shanghai hätte ich mich gerne ehrenamtlich betätigt, aber bei allem, was ich gerne gemacht hätte, wären Chinesischkenntnisse gut gewesen. Mein Chinesisch hat dazu nie gereicht. Hier in Singapur ist das anders. Mein Singlisch ist zwar noch nicht fließend, aber Singlisch ist so nah am Englischen dran, dass man zumindest mich fließend versteht. Nur ich habe anders herum, und dann auch noch durch die Maske durch, manchmal mehr manchmal weniger Probleme zu verstehen, was man mir gerade sagen will.

Wie dem auch sei, ich hatte mich für heute für eine ehrenamtliche Tätigkeit angemeldet. Bei „Willing Hearts“. Willing Hearts ist eine Hilfsorganisation, die tagtäglich zirka 10.000 Mahlzeiten kocht und an über 40 Stellen, über ganz Singapur verteilt, an Bedürftige ausgibt. Darunter Alte, Menschen mit Behinderung, Familien mit niedrigem Einkommen und Wanderarbeiter.

In vier Schichten können sich hier immer jeweils 50 Freiwillige engagieren. Jeden Tag. Egal, ob während der Woche, am Wochenende oder an Feiertagen. Hilfe wird immer ab 5:00 Uhr morgens bis 16:00 Uhr am Nachmittag benötigt.

Ich war natürlich nicht gleich bei der ersten Schicht dabei. Um die Uhrzeit will mich niemand sehen und ich ehrlich gesagt, möchte auch niemanden sehen. Meine Schicht begann um 8:30 Uhr und mit mir waren Menschen aus der ganzen Welt im Einsatz. Wenn ich nicht zum Arbeiten gekommen wäre, hätte ich alle zu ihren Hintergründen ausgequetscht. Sicherlich super interessant.

Mein erster Einsatzort: Das Gemüse. Genauer gesagt: Die Kartoffel. Meines Vater wäre stolz auf mich gewesen.

Als Kinder hat er uns immer von seinen Erlebnissen als Schiffsjunge auf hoher See erzählt. Wie er stundenlang Kartoffeln schälen musste und aus Langeweile dann aus den Kartoffeln Schiffe geschnitzt hat. Selbstverständlich sehr zum Ärger des Schiffskochs.

Lange war ich nicht an der Kartoffel. Noch bevor ich mit Schnitzen anfangen konnte, wurde ich in die Großküche abberufen. Was gut war. Vor einigen Monaten hatte ich ein unschönes Erlebnis mit einem großen Messer in der Küche, in dessen Folge ich wochenlang einen Finger verbunden hatte.

Mit einer Gruppe von Frauen ging es durch eine Desinfektionsschleuse in die Großküche. Mein neuer Einsatzort: Das Spülbecken. Spülen kann ich. Sogar richtig gut! Also habe ich gespült, was das Zeug hält. Nachdem ich fertig war, hat alles nur so geblitzt. Ich finde das eine so befriedigende Arbeit. Diese riesigen Behälter kamen super dreckig an und nachdem ich mit ihnen fertig war … Hach….

Aber gut. Irgendwann war mein Einsatz hier beendet und einer der Koordinatoren kam und kommandierte mich ab an die Eierwaschstation. Natürlich kam mir da gleich meine nicht so rühmliche Geschichte mit meinem selbst gemachten Tiramisu in den Sinn: Vor Jahren habe ich mal für meinen Geburtstag Tiramisu gemacht. Ist mir auch echt gut gelungen. Hat super geschmeckt. Nur leider hatten danach alle Salmonellen. Ich hing sogar am Tropf. Also ich weiß, warum man Eier waschen sollte.

Nachdem alle Eier gewaschen waren, ging es für mich an den Kochtopf. Zwiebeln umrühren. Nicht so spannend und weil ich das ganz alleine gemacht habe, konnte ich mich auch mit niemandem unterhalten. Aber trotzdem gut. War auch nicht lange.

Zum krönenden Abschluss musste eine Gruppe Chili Sauce aus Flaschen in einen großen Kanister umfüllen. Ziemlich doof, denn ich bin mir sicher, dass die Chili Sauce ursprünglich in großen Kanistern war, bevor sie in die Flaschen abgefüllt wurde. Aber gut. Wir haben uns einen Battle gegeben. Team 1 und Team 2. Jeweils zwei Frauen, ein Kanister. Mein Team hat verloren.

12:00 Uhr war mein Einsatz beendet.

Es hat Spaß gemacht. Alle Freiwilligen sind so nett. Alle wollen helfen und ich bin mir sicher, dass es in ganz Singapur kein Essen gibt, das mit mehr Liebe zubereitet wird. Das muss schmecken.

Leider durfte ich keine Fotos machen. Ihr müsst Euch das also einfach alles vorstellen. Bildnachweis: http://www.pexels.com

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