Der Töpferei Dschungel

Glaubt man den Informationen auf der Website des Thow Kwang Pottery Jungles, dann ist dieser super schwer zu finden. Es gibt kleine Videos, die den Weg ganz genau beschreiben. Ich habe dem Internet geglaubt und war deshalb eher skeptisch, ob ich das finden würde. Zumal ich mit dem Auto unterwegs war – also ich am Lenkrad. Komplizierte Wegbeschreibung, auf der falschen Seite der Straße, mit den ungeschriebenen Aggressivitätsregeln der Singapurianer:innen.

Aber meine Neugierde hat mal wieder gesiegt und ich habe mich todesmutig in den Verkehr gestürzt. Das Gute: Wir haben hier einen Quasi-Lockdown. Wer im Homeoffice arbeiten kann, muss im Homeoffice arbeiten. Es dürfen sich nicht mehr als 2 Leute treffen. Alle Restaurants haben zu. Es gibt also nicht wirklich viele Gründe, unterwegs zu sein. Die Straßen sind also relativ leer und mein Navi mein Held des Tages. Auf direktem Weg hat es uns zur Töpferei geführt.

Was wir vorfanden, ist tatsächlich ein Dschungel aus Töpferwaren. Unglaublich. Es gibt hier alles. Auch all das, was es nicht gibt. Wer etwas Getöpfertes sucht, findet es zu 100 Prozent hier. Es gibt Töpfe, Vasen, Amphoren. In allen großen, in allen Formen, in allen Farben.

Es gibt Teller, Tassen, Schüsseln und Hocker. Einfach alles! Und alles in allen Größen und Formen. Was ihr hier auf den unteren Fotos seht, ist typisch für den Stil der Peranaken. Ich hatte davon erzählt. Ihr erinnert Euch?

Und es gibt Figuren. Manches schön, man nicht ganz so schön, aber alles im Zweifelsfall originell. Klar ist auch Mao und alles was dazu, bzw. in die Zeit gehört, hier vertreten. Singapur ist sehr chinesische geprägt.

Die Töpferei besteht bereits in der dritten Generation. Tan Kim Seh hatte sie 1965 in einer Hütte gegründet. Getöpfert wurde in einem traditionellen Holzofen, dem Drachenofen. Diese Drachenöfen gibt es in China schon seit tausenden von Jahren. Dass er Drachenofen genannt wird, ist eigentlich nicht verwunderlich, denn er sieht tatsächlich etwas aus wie der Rücken eines Drachens und wenn er befeuert wird, kann ich mir vorstellen, dass es aussieht, als würde er zwar nicht Feuer spucken, aber es kommt sicherlich einiges an Rauch raus.

Der Drachenofen der Thow Kwang Töpferei befindet sich auf einem relativ steilen Hang. Oben der Schwanz, unten der Kopf. Ich persönlich hätte ja gedacht, dass oben der Kopf und unten der Schwanz ist. Aber ok. So wird dem Drachen eben das Feuer im Kopf und nicht unterm Hintern gemacht.

Der gesamte Drache ist 27 Meter lang, aus Lehm geformt und von Ziegelsteinen gestützt. An den Seiten gibt es in regelmäßigen Abständen kleinen „Gucklöcher“ – die Augen des Drachen. Bis zu 4.000 Teile haben in dem Körper Platz und die Luft kann sich auf 1.500 Grad erhitzen. Jedes Teil muss allerdings einzeln in den Körper gestellt werden und das Anheizen inklusive Abkühlen dauert mehrere Tage – insgesamt sechs. Während der gesamten Zeit, muss der Drache/das Feuer natürlich ständig gefüttert werden.

Nicht verwunderlich also, dass dieser Ofen nur noch zwei bis drei Mal pro Jahr angeschmissen wird. Wann, weiß ich leider nicht, aber ich werde es rausfinden! Ich weiß ja jetzt, dass es einfach zu finden ist.

Die Töpferei ist auch nicht mehr wirklich eine Töpferei. Aber es werden hier regelmäßig Töpferkurse angeboten, es gibt Events für groß und klein und ein Mal im Monat treffen sich Töpferei Künstler:innen hier, um gemeinsam zu töpfern.

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  1. So interessant!

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