Mein erstes Mal

Es ist kaum zu glauben, aber wahr. Wir wohnen seit über einem halben Jahr mit direktem Blick aufs Meer. Spazieren mehrmals die Woche am Strand entlang, gehen immer mal wieder in ein Restaurant, in dem wir im Sand sitzen können, aber so wirklich am Strand war ich noch nicht gewesen. Und schon gar nicht im Meer selbst. Immer wieder habe ich, insbesondere von Singapurianer:innen, gehört,

  • dass das Wasser nicht sauber ist. Nachvollziehbar, wenn man die Anzahl Schiffe bedenkt, die hier vor Anker liegen.
  • dass man mit einer Ölschicht auf dem Körper aus dem Wasser kommt.
  • dass es überall Quallen gibt. Es stehen auch tatsächlich am Strand Warnhinweise und zu spaßen ist mit denen definitiv nicht. Es gibt hier nämlich die Portugiesische Galeere.
  • dass es hier sogar Rochen gibt. Vor Kurzem stand dazu ein Bericht in der Zeitung. Ein Mann war von einem Rochen gestochen worden.

Meine Motivation, ins Wasser zu gehen, war also ziemlich niedrig.

Außerdem kann man im Augenblick nicht einfach so an den Strand. Die Strände sind mit Bauzäunen abgesperrt. Wer an den Strand will, muss an spezielle Eingänge gehen und dort einchecken. Bekommt dann ein Bändchen in einer bestimmten Farbe und einen Liegeplatz zugewiesen. Man darf dann nur mit den Menschen näheren Kontakt haben, die die gleiche Bändchenfarbe am Handgelenk tragen und das zugewiesene Quadrat auch nur verlassen, um zum Wasser zu gehen. Während der Woche sind die Strände recht leer, aber am Wochenende muss man reservieren – entweder einen Slot am Vormittag oder am Nachmittag. Und damit es nicht zu einem Gedränge kommt, ist dazwischen der Strand eine Stunde leer. Ihr seht: bestens organisiert! Ich hoffe sehr, dass ich auch noch erleben darf, wie das hier so ist, wenn kein COVID uns bedroht.

Aber, man kann nicht am Meer wohnen und nicht ein Mal im Meer geschwommen sein. Also war ich begeistert, als Dörte mich fragte, ob ich mit ihr und den Kids einen Tag am Meer verbringen wollte. Klar wollte ich das!

Es gibt hier mehrere Strandbars/-restaurants, in denen man sich einen Liege für den Tag mieten kann. Luxus pur. Man liegt entspannt auf der ziemlich großen Liege und bekommt alles gebracht. Kaffee, Pommes, Mangosaft. Die Kids, Dörte und ich waren glücklich. Zwischendurch kam immer mal wieder ein kleiner Waran vorbei, stolzierte unter der langen Reihe von Liegen entlang und schaute sich das bunte Treiben interessiert an.

Leider ist der Kleine gerade am Ohr operiert worden. Er darf also nicht ins Wasser. Die Kleine war aber ganz wild darauf, ins Wasser zu gehen. Gut, dass sie noch so klein ist, dass sie nicht alleine ins Wasser darf. Sie war also ganz heiß drauf, mit mir ins Wasser zu gehen. Ich hatte keine Ausrede und wollte auch gar keine Ausrede suchen. Beide Kinder sind so zuckersüß, dass ich, egal was, weich werde.

Abgesehen davon war das Wasser herrlich! Badewannentemperatur. Kaum Wellen. Es ist ziemlich flach, so dass ich ziemlich lange stehen konnte und die Kleine schwimmen musste. Sie ist vier und macht gerade einen Schwimmkurs.

Ich hatte nicht den Eindruck, Öl auf der Haut zu haben. Auch sonst machte das Wasser keinen dreckigen Eindruck auf mich. Weit und breit keine Qualle und auch kein Roche. Aber, wir waren schon ziemlich lange im Wasser, als die Kleine plötzlich meinte: „Was schwimmt denn da im Wasser?“ Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich erst mal einen Schreck bekommen habe. Auf den ersten Blick sah es aus wie eine Seeschlange, aber es war „nur“ ein Waran. Die Tiere können richtig gut schwimmen und haben glücklicherweise mehr Angst vor uns als wir vor denen. Komisch ist es aber schon.

Fazit: Ich komme wieder und ich gehe wieder schwimmen.

Für abends hatte ich uns eine Sunset Dinner Cruise gebucht. 2,5 Stunden um die Inseln vor Sentosa skippern, lecker essen, lecker trinken. Wir hatten uns schon Gedanken gemacht, wie gut es wohl sein würde. Singapur ist unglaublich teuer und die Tour dafür ziemlich preiswert. Aber, im Preis enthalten: Das Korkgeld. Wir waren uns daher einig: Wenn das Essen nichts ist, der Wein wird nicht schlecht sein. Ich war mir auch nicht sicher, was es für eine Art Boot sein würde. Es stelle sich heraus, dass es eine Fähre war, die für den Abend einfach etwas umgerüstet wurde. Es war also ziemlich „basic“, aber ich mag es ja sehr gerne genau so. Dann kommt bei mir Urlaubsstimmung auf.

Bevor wir auf das Boot durften, bekamen wir Bändchen und die klare Ansage, uns nur in die Nähe der Menschen zu gehen, die das gleiche Bändchen hatten. Kein Problem. Immer acht bekamen eine Farbe zugeteilt. Wir waren sechs. Und dann ging es los: An den die vor Anker liegenden Containerschiffe vorbei zu den Inseln. Während der gesamten Fahrt, hat es geblitzt und gedonnert. Wir waren uns echt nicht sicher, ob das gut gehen würde. Aber der Skipper hat konsequent Kurs gehalten. Nach unserem Gefühl immer in Richtung des Gewitters. Wir hatten also nicht nur den Sonnenuntergang sondern noch dazu einen spektakulären Himmel.

Das Essen wurde auf einem kleinen Grill zubereitet und war, wie ich fand, ziemlich gut. Ein wenig, wie in den Hawker Zentren, die es hier überall gibt: Spießchen mit einer Ananassauce, Salat und einen kleinen Impossible-Burger. Alles als Fingerfood serviert. Der einzige kleine Haken war, dass es keine Gläser gab. Selbst Plastikbecher zu bekommen, war schwierig. Aber es hat geklappt und der Wein hat geschmeckt.

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Danke für das Teilen deiner Bilder. Ich hoffe, du hattest einen schönen Urlaub! Ja leider ist das zu Corona Zeiten so, aber es wird auch wieder eine andere Zeit geben und in einigen Jahren werden wir an die Zeit zurückdenken und sagen: „Oh mein Gott. Was war das für eine Zeit?“
    Mit freundlichen Grüßen
    Miss Katherine White
    http://www.miss-katherine-white.com
    Work-Life-Balance

    Gefällt 1 Person

    1. Liebe Katharina, das hier ist zwar wie Urlaub, ist es aber nicht. Wir dürfen hier für ein paar Jahre leben 😊

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s