Was Asiatinnen an uns verwundert

Es ist ja nicht so, als würde hier nichts passieren, aber tatsächlich ist in den vergangenen Wochen nicht viel erzählenswertes passiert. Aber das, was erzählenswert ist, will ich jetzt endlich erzählen.

In der letzten Woche schrieb mich meine liebe Freundin Susanne aus Deutschland an und fragte: „Was muss ich Mongolen sagen, wenn ich vermitteln will, wie Deutsche/Europäer ticken?“

Ich wusste nicht so wirklich was ich darauf antworten soll. Bisher bin ich noch immer damit beschäftigt gewesen, mich über all die besonderen Eigenarten der Menschen um mich herum zu wundern. In China über die Chines*innen, hier über die Chines*innen, Malay*innen, Inder*innen, Philippiner*innen und all die anderen, wo auch immer sie herkommen.

Aber, da ich seit einiger Zeit Mitglied im BPW Singapur bin, ein Frauennetzwerk, dem ich schon seit über 20 Jahren in Deutschland angehöre und das hier genau so international ist, wie das Land selber, habe ich die Frage in unserem Mitgliederchat platziert. Die Reaktionen waren überwältigend. Alle fanden die Frage super spannend und ganz viele haben sich an der Diskussion beteiligt.

Mich kennen jetzt alle. Auf einer Veranstaltung letzten Sonntag wurde ich darauf angesprochen, ob ich DIE Nicole wäre. Wenn ja, sollte ich doch bitte bald wieder so eine Frage aufbringen. Aber … das wollte ich nicht erzählen, ich wollte von der Diskussion berichten, weil die wirklich interessant war.

Ich hatte die Frage etwas anders gestellt. Meine Frage lautete, was Asiatinnen an uns Europäerinnen verwundert. Ok, das war sehr allgemein gefragt und mir wurde auch gleich erklärt, dass eine Asiatin nicht gleich eine Asiatin ist. Dass sich die Länder sehr voneinander unterscheiden und dass sogar eine Chinesin in China anders ist, als eine Chinesin in Singapur oder eine in Hongkong. Diese Feinheiten bei den Chinesinnen habe ich noch nicht so wirklich festgestellt, aber das wird dann die nächste Frage, mit der ich den Chat aufwirbeln werde.

Eine meinte, dass Europäerinnen den Asiatinnen ähnlicher wären. Zumindest sehr viel ähnlicher als die Amerikanerinnen. Ihrer Ansicht nach kommunizieren wir ähnlich. Näher darauf eingegangen ist sie nicht, aber was ich vermute ist, dass Asiatinnen, ähnlich wie Europäerinnen, sich anderen Menschen „vorsichtiger“ nähern als das Amerikanerinnen machen. Auch hier werde ich noch mal nachhaken, freue mich aber über Kommentare von Euch! Interessant im Zusammenhang mit den Amerikanerinnen ist auch, dass diese als imperialistisch empfunden werden. Besser gesagt, als Kulturimperialisten. Gemeint ist damit, dass sie fest davon überzeugt sind, dass ihr Weg der einzig wahre ist. Ich hatte mir genau darüber schon oft Gedanken gemacht. Jetzt nicht im Bezug auf die Amerikanerinnen, aber im Bezug auf mich. Denn, aufgewachsen in Deutschland, glaube ich natürlich auch fest daran, dass das deutsche System das beste ist. Oder besser, dass eine Demokratie die beste Regierungsform ist. Aber ist sie das wirklich? Oder bin auch ich irgendwie indoktriniert? Manipuliert? Kann ja sein. Auch wurde immer erzählt, dass die Regierungsform unter der ich aufgewachsen bin, die beste ist. Genau so, wie den Chinesinnen immer gesagt wurde, dass der Kommunismus die beste Form ist und den Singapuriannerinnen, dass die „demokratische Diktatur“ die beste ist. Wer hat Recht?

Jetzt aber zu den Europäerinnen. In der Gruppe waren sie sich schnell einige, dass es genauso wenig, wie es DIE Asiatin gibt, auch nicht Die Europäerin gibt. Also haben sie mir berichtet, welche Eigenarten sie an welcher Nation verwundern:

Die Deutschen finden einige eher „zugeknöpft“, während sie die Italienerinnen als etwas zu chillig empfinden. Die Französinnen kommen zum Teil als „unverschämt“ rüber. Zumindest, wenn sie in Gruppen aufschlagen. Dann nämlich, würden sie nur noch Französisch sprechen. An den Deutschen schätzen sie die Pünktlichkeit, an den Italienerinnen stört sie die Unpünktlichkeit. Und dazu habe ich gleich auch eine echt lustige Geschichte:

Unsere Nachbarn kommen aus …. Italien (er) und Trinidad/Tobago (sie). Natalie und ich hatten uns für einen Batikkurs verabredet – ja, soweit ist es mit mir schon gekommen. Da es zu heiß ist, um sich viel draußen aufzuhalten, habe ich sogar schon einen Batikkurs gemacht. Aber egal. Wir sollten um 10:00 Uhr da sein. Also hatte ich uns für 9:30 Uhr ein Taxi bestellt – in Singapur ist man fast überall innerhalb von 20 Minuten – und ihr das auch am Abend vorher per WhatsApp mitgeteilt. Pünktlich um 9:25 Uhr habe ich dann bei ihr geklingelt. 5 Minuten brauchen wir, um aus dem 17 Stock in die Garage zu kommen. Logisch, oder?

Natalie öffnete mir die Tür, ein Badetuch um den Körper gewickelt. Es sah definitiv nicht so aus, als wäre sie bereit. Wir schauten einander völlig entgeistert an. Ich sie, weil sie noch nicht fertig war und sie mich, weil ich schon fertig war. Sie meinte, ich solle vorfahren. Quatsch! Ich hätte es ja wissen können. Da das Taxi jetzt schon da war, bin ich runter und habe den Fahrer in ein Gespräch über kulturelle Unterschiede verwickelt. Wir haben herzlich über die entspannten, super unpünktlichen Karibikerinnen und die unentspannten, super pünktlichen Deutschen gelacht. Als Natalie dann endlich kam, meinte sie nur: „Ich hatte ganz vergessen, dass Du aus Deutschland kommst. Ihr mit Eurer überspannten Pünktlichkeit! Was ein Stress.“

Zurück zu dem, was die Asiatinnen an uns verwundert, bzw. was ihnen bei Europäerinnen aufgefallen ist:

Französinnen: Das Miteinander wird meistens als sehr formell empfunden. Interessiert man sich aber für ihre Kultur oder spricht man gar ihre Sprache, wollen sie, dass man in ihre Kultur und ihren Lifestyle eintaucht.

Schweizerinnen: Die Erfahrungen mit Geschäftspartnerinnen aus der Schweiz ist, dass die Beziehung immer formal und distanziert bleibt. Man gibt ihnen was sie brauchen, sie nehmen es und fertig.

Deutsche: Abgesehen von der Pünktlichkeit. Ihre Korrektheit, die in Unflexibilität ausarten kann. Eine aus der Gruppe wollte in München etwas vor der Zeit in ein Hotel einchecken. Obwohl das Zimmer bereits fertig war und sie auch nur eine halbe Stunde früher als offiziell vorgesehen, da war, durfte sie das Zimmer nicht beziehen.

ABER, obwohl sowohl die Pünktlichkeit als auch diese Korrektheit alle verwundert, bewundern sie die Deutschen auch wieder dafür.

So, jetzt bin ich gespannt, ob auch hier eine Diskussion entfacht wird. Mich würde nämlich interessieren, was Euch bei den Chines:innen bzw. den Singapurianer:innen verwundert. Welche Eigenschaften ihr hier als seltsam empfindet.

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