Buntes Singapur

Ich dachte, dass ich Little India gesehen hätte. Weit getäuscht. Little India hat sehr viel mehr zu bieten, als ich gedacht hatte. Und es ist so bunt! Unglaublich.

Ich muss etwas ausholen: Vor einigen Wochen waren wir mit Nicole und ihrem Mann, ein Inder, indisch essen. Mein Mann hatte von einem Kollegen ein indisches Restaurant empfohlen bekommen. Das wollten wir testen. Und wie macht man das am Besten? Indem man jemanden mitnimmt, der es wissen muss. Um ganz sicher zu gehen, haben wir dann auch Abhro alles bestellen lassen. Es war lecker, aber …. Abhro ist es so gar nicht bekommen. Er wurde kreidebleich und musste mehrfach aufstehen. Meine Herren, haben mein Mann und ich uns schlecht gefühlt. Ein Gutes hatte es aber: Abhro wollte uns mal zeigen, wo man gut indisch essen gehen kann und hat uns in ein Restaurant in Little India eingeladen. Inklusive Führung. Ihr könnt Euch vorstellen, wie sehr begeistert ich war.

Am Tag vor unserem Treffen schickte mir Nicole ein Bild von einem Haus. Dort sollten wir hinkommen. Ein wunderschönes, knalle buntes Haus. Ich hatte nur leider so gar keinen Plan, wo das sein sollte. Egal. Wir haben einfach ausreichend Zeit eingeplant und dann, wie das in solchen Fällen eben ist, zufällig genau neben dem Haus geparkt – dem ehemaligen Haus des Tan Teng Noah.

Gebaut wurde das Haus 1900 und es ist das letzte seiner Art in Little India. Damals lebten zahlreiche chinesische Vieh- und Rattanhändler hier. Tan Teng Niah war ein towkay, wie man wohlhabende chinesische Geschäftsmänner damals nannte, der mehrere Fabriken entlang der Serangoon Road besaß, in denen aus Zuckerrohr Süßigkeiten hergestellt wurden. Hinter seinem Haus hatte er ein Gebäude, in dem er Gummi trocknete. Halb Singapur war damals noch bedeckt von Gummibaumplantagen und Tan nutze die Abfälle aus der Süßigkeitenproduktion, zum Anheizen der Öfen.

Tan’s Haus verfügt über acht Zimmer und der zweite Stock steht, wie es für alle Shophouses in Singapur üblich ist, nach vorne über und bildet so den so genannten „five-fort way“. (Ich habe mir ein Buch über Shophouses gekauft, damit ich Euch bald mehr davon erzählen kann. Lasst Euch überraschen. Ich bin ganz verliebt in diese Häuser!)

Die pintu pagar – Malay für „schwingende hölzerne Halbtür“ – ist wunderschön geschnitzt, der Rest des Hauses einfach nur bunt.

Von hier aus ging es weiter durch die Straßen, in denen ich noch nicht gewesen. Mit Wandmalereien, die ich noch nicht gesehen hatte. So farbenfroh wie in kaum einem anderen Teil Singapurs. Direkt neben dem Haus von Tan Teng Niah gibt es ein kleines Straßenrestaurant mit Wandmalereien eines sehr bekannten Singapurianers. Leider weiß ich nicht, wie er heißt. Ich habe nur gehört, dass er sehr bekannt sein soll und die Bilder sind auch wirklich schön!

Um die nächste Ecke rum, diese riesigen Wandmalereien.

Verwundert hat mich ein Schild und die hohe Präsenz von Polizisten. Natürlich habe ich die Polizisten gefragt, warum sie da sind. Worauf ich die Antwort bekam, das wäre in Singapur normal. ABER. Normal ist das nicht. Dafür kenne ich mich mittlerweile ausreichend in Singapur aus und bin auch schon ausreichend viel unterwegs gewesen. Wenn die mir also nicht die Wahrheit sagen wollen, muss ich es wohl anders herausfinden. Eh voila! Jetzt weiß ich warum und habe auch noch gleich die Erklärung für das Schild gratis dazu bekommen.

Seit 2015 darf man in Little India von Samstags 7:00 Uhr bis Montags 7:00 Uhr in der Öffentlichkeit keinen Alkohol trinken. Steht ein Feiertag an, darf ab 19:00 Uhr des vorherigen Tages bis 7:00 Uhr am Folgetag kein Alkohol ausgeschenkt werden. In den Läden von Little India darf an den Wochenenden und den Vorabenden von Feiertagen schon ab 19:00 Uhr kein Alkohol verkauft werden. Ansonsten darf bis 22:30 Uhr verkauft werden.

Der Grund: Am 13. Dezember 2013 war es zu dem ersten Aufstand in Singapur seit 1969 gekommen. Zu dem Aufstand geführt, hatte ein tödlicher Busunfall. Die aufgebrachte Menge attackierte den Bus und die Krankenwagen, die gekommen waren, um sich um die Verletzten zu kümmern. Es heißt, dass ungefähr 300 Gastarbeiter involviert waren und die Polizei fast zwei Stunden brauchte, um die Situation wieder in den Griff zu bekommen.

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