Autotetris im Park

Ich habe schon ein wenig ein schlechtes Gewissen, wenn ich von unseren Erlebnissen hier berichte. Ich weiß, dass die meisten von Euch noch immer im Lockdown verharren und langsam aber sicher verzweifeln. Aber seht es einfach so: Ich schaue mir hier alles ganz genau an, damit ich Euch dann nur die Highlights von Singapur zeige, wenn Ihr kommt. Ich weiß jetzt genau, wo wir hin müssen, um Affen zu sehen. Wo man sehr gut wandern kann und wenn Ihr Mountainbike fahren wollt, weiß ich seit heute auch, wo man hin muss. Nicht, dass ich vorhätte, Euch dorthin zu begleiten, aber ….

Heute stand der Chestnut Nature Park auf dem Plan. Wieder einer dieser Parks im Central Catchement Nature Reserve. Ich muss unbedingt rausfinden, ob man die alle an einem Stück ablaufen kann. Weil das würde mich echt reizen. Meinen Mann auch. Und ich glaube, 50% unserer schwedischen Freunde auch. Aber zurück zum Chestnut Park. Wir waren um 9:00 Uhr mit … klar, unseren schwedischen Freunden verabredet. Also waren wir kurz vor 9:00 Uhr. Wir mussten ja noch einen Parkplatz suchen. Schon in der Nähe der Parkplatzes stand eine Straßenseite komplett zu mit Autos. Auf dem Parkplatz sah es selbstverständlich nicht anders aus. Da Geduld nicht so ganz unsere Stärke ist, sind wir wieder auf die Straße und tiefer in den Park rein gefahren. Nicht weit, denn die Straße ist eine Sackgasse. Also umdrehen und zurück zum Parkplatz. SEHR viel leichter gesagt/gedacht als getan. Auch hier war eine Straßenseite zugeparkt. Wenn sich jetzt zwei Autos auf einer Fahrbahn begegnen und es neben der Fahrbahn in einen Graben geht, wird es schwierig bis sehr schwierig. Wenn dann auch noch die Sturheit der Autofahrer*innen hier dazu kommt, wird es schon fast unmöglich. Wir konnten nicht zurück. Da war ja nichts. Die anderen wollten aber nicht zurück und unbedingt an uns vorbei. Sehr zum Vergnügen von zwei Singapurianern, die jetzt live mit vier Autos Tetris spielen konnten. Das uns entgegenkommende Auto etwas nach rechts in eine „Lücke“. Wir etwas nach links, aber gerade nicht in den Graben. Seitenspiegel einklappen und g.a.n.z langsam aneinander vorbei. Die beiden anderen Autos haben sie gezwungen, zurückzusetzen.

Hat geklappt!

Kein Auto hat eine Schramme abbekommen und wir standen 15 Minuten später wieder da, wo wir zuvor gestanden hatten. Auf dem Parkplatz. Johan und Margareta hatten einen Parkplatz ergattert, wie dann weitere 15 Minuten später auch.

Während mein Mann im Auto mehr oder weniger geduldig auf eine Parkmöglichkeit warten, sind wir den Parkplatz hoch und runter getigert. Immer auf der Suche nach dem nächsten freiwerdenden Parkplatz.

Schon als wir auf dem Parkplatz ankamen, haben wir gesehen: Das hier ist kein „normaler“ Park. Überall waren Mountainbiker. Wenige Mountainbikerinnen. Man konnte dort sogar Räder ausleihen. Einige waren schon von oben bis unten eingesaut – sowohl die Biker als auch die Räder. Sport wird hier früh morgens oder spät abends gemacht. Die erste Schicht war also schon durch. Die zweite machte sich gerade bereit. Wir irgendwo irgendwie dazwischen.

Es gibt verschiedene Wege. Wege für die Biker*innen und Wege für die Wander*innen. Gerät man als Wanderin auf den Weg für die Biker*innen, kann es sehr teuer werden. Bis zu 50.000 SG$. Auch in Euro umgerechnet ist das SEHR teuer. Aber wir wollten auch gar nicht auf den Bikerweg, der Wanderweg ist genial. Was mir schon im MacRitchie Park so gut gefallen hatte, ist hier noch schöner. Kleine Trampelpfade. Mitten durch den dicht bewachsenen Park. Links und rechts allerlei exotische Bäume. Einer dieser Bäume hat gerade geblüht. Ich nenne ihn immer nur den „Pickelbaum“, aber diese Bezeichnung wird ihm definitiv nicht gereicht, denn er trägt wunderschöne Blüten und imposante „Nüsse“.

Immer mal wieder treffen die Biker*innen auf die Wanderinnen. Verlaufen die Wege parallel zueinander sind sie deutlich voneinander abgetrennt, kreuzen sie einander, nehmen mal die Wander*innen, mal die Biker*innen aufeinander Rücksicht. Und da heute echt Betrieb war, war das auch notwendig. Wahrscheinlich um den Eindruck zu erwecken, dass der Park groß ist, mäandern die Wege. Durchaus lustig. Wir hatten immer mal wieder den Eindruck, dass wir doch gerade schon mal hier gewesen wären. Waren wir auch, aber eben nicht genau hier, sondern wir waren jetzt auf einem Weg, der den vorherigen nur anschnitt.

Mitten im Park stand dann mal wieder ein Aussichtsturm. Ich glaube, dass in jedem Park mindestens ein Aussichtsturm stehen muss. Das scheint eine Vorgabe für Parks in Singapur zu sein. Seit wir im 17. Stock wohnen, lerne ich so langsam mit der Höhe umzugehen und es macht mir nicht mehr ganz so viel aus, von oben nach unten zu schauen. Also … hoch! Oben trafen wir einen Mann, den wir schon einige Male unterwegs getroffen hatten. Super nett. Super offen. Wir wurden gleich wieder zugetextet und jetzt dann auch intensiv ausgefragt. Einfach witzig. (Angeblich steht ein langer Stab bei Chines*innen für ein langes Leben. Muss mal schauen, was es damit auf sich hat. …. Alex?!)

Von oben sahen wir dann aber auch, dass wir jetzt ziemlich flott wieder zu den Autos zurück sollten. Regen zog auf und aufmerksame Leser*innen meines Blogs wissen: Wenn es in Singapur regnet, dann regnet es richtig. Also runter und Endspurt. Unterwegs kamen wir an einer Schutzhütte vorbei und haben kurz überlegt. Dann aber doch schnell beschlossen, dass Schutzhütten etwas für Feiglinge sind. Also weiter und wir hatten Glück. Der Regen kam erst, als wir im Auto saßen.

Gut, denn so konnten wir noch zum German Market. Mein Mann hat sich in meine Currywurstsoße (Spezialrezept von Alex) verliebt und dort gibt es die passenden Würstchen. Obwohl es „German Market“ heißt, gibt es dort aber auch all die leckeren Dinge, die ich aus Holland kenne. Dieses Mal neu entdeckt: Knackige Kekse mit einem Kaffeeüberzug. Ich hatte die schon seit JAHREN nicht mehr. Hatte sie ganz vergessen und hier lagen sie plötzlich vor mir. Ich muss so begeistert gewesen sein, dass eine Verkäuferin mich anstrahlte und meinte, dass ich aussehen würde, wie ein kleines Kind an Weihnachten. Klar! Die Kekse sind genial! Und damit sie meine Begeisterung teilen konnte, habe ich ihr gleich nach dem Bezahlen einen angeboten.

Zuhause gab es dann eine holländisch/italienische Wanderbelohnung: Kaffeekekse mit Espresso. Herrlich!

Ein Kommentar Gib deinen ab

  1. Adelheid und Norbert Diekhans sagt:

    Hallo ihr Lieben in Singapur. 
    Habe gerade mal wieder einen deiner immer interessanten Blogs gelesen. Auch wenn ich nie antworte oder Kommentare abgebe, so bin ich doch ein eifriger Leser. Ich finde deinen Schreibstil ganz toll. Wie du kleine Begebenheiten immer schön aufbereitet mit originellen Details versiehst. In meinem Kopfkino sehe ich dann dich und Reiner mit immer neuen Abenteuern unterwegs.
    Liebe Grüße aus Gütersloh Norbert

    Gefällt 1 Person

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