Drei Länder Tour

Ich habe eine „Dumme“ (Ihr wisst, wie ich das meine!) gefunden! Petra hat sich bereit erklärt, mit mir Fahrradtouren zu machen. Sie besitzt ein geniales Rennrad. Genau das richtige für die Straßen hier. Ich hatte ihr von den Krokodilen in Sungei Buloh erzählt. Die wollte sie sehen.

Vergangenen Montag war es soweit. Wir haben uns um 8 Uhr morgens hier auf Sentosa getroffen und sind los. Wir hatten einfachen Weg über 30 Kilometer von uns. Und morgens ist es noch nicht ganz so heiß, wie es dann gegen Nachmittag werden kann. Wir also zusammen mit all den Autos auf die Straße. Die Hügel auf Sentosa hoch und wieder runter. Über die Brücke auf’s Festland, ein Stück am Meer entlang und dann eigentlich nur noch gerade aus nach „oben“.

Obwohl wir hauptsächlich auf viel befahren Straßen unterwegs waren, gab es einiges zu sehen. Leider konnte ich nicht alles fotografieren, dann wären wir nämlich nie angekommen. Nächstes Mal werde ich mal wieder meine Filmkamera auf den Kopf schnallen. Auch damit Ihr einen Eindruck davon bekommt, wie anders das Fahrradfahren hier in Singapur ist.

Wir sind vorbei an etlichen Tempeln. Einige sahen aus, als wären sie aus Vollplastik, andere super kitschig, andere einfach nur schön. Im Vorhof eines Tempels standen mehrere Statuen. Eine davon war riesig und erstrahlte in Gold. Seltsamerweise hatten aber alle Statuen ihre Köpfe verhüllt. Mal sehen, ob ich noch hinter das Geheimnis komme. Der schönste Tempel war aber der, den ihr auf dem Bild sehen könnt.

Ungefähr auf halber Strecke lag plötzlich eine Landschaft, wie ich sie schon mal gesehen hatte. Aber nicht hier, sondern in China. Erinnert Ihr Euch daran, dass ich letztes Jahr mit meinem Mann in Guilin war? Da, wo wir eine Führerin hatten, die zu jedem Tier die passende Sauce hatte? Dort, wo es die Berge gibt, die aussehen wie Zuckerhüte, die es sogar auf einen chinesischen Geldschein geschafft haben?

Genau das sah ich plötzlich vor mir. Ich hatte schon gelesen, dass es in Singapur so etwas wie ein „Little Guilin“ gäbe, aber wo das liegt, hatte ich natürlich schon wieder vergessen. Und jetzt lag es direkt vor mir. Begeistert und zum großen Erstaunen von Petra bin ich vom Rad gesprungen.

Ich hatte es gefunden! Little Guilin.

Ein junger Mann hat mir dann auch gleich etwas dazu erzählen können. Noch vor wenigen Jahren wurde hier Granit abgebaut, aber der Steinbruch wurde aus ökologischen Gründen geschlossen. Entstanden ist ein wunderschöner kleiner Park mit einem See und den Granitfelsen. Allerdings sollte man nicht gegen Abend in den Park gehen, denn dann kommen die Geister der Bergarbeiter, die ihr Leben im Steinbruch verloren haben, hierher.

Hier war es dann auch, dass Petra langsam aufging, worauf sie sich eingelassen hatte: „Wie weit müssen wir noch?“

„Wir haben die Hälfte geschafft. Das Navi hat drei Stunden gesagt, aber wir sind schneller unterwegs. Also noch zirka eine Stunde.“

„WAS?“

„Ja, aber ich habe Dir doch die Strecke geschickt. Da stand das doch alles drauf. Wie viel Kilometer es sind, wie lange wir brauchen würden und ganz wichtig, wie viele Kalorien wir verbrauchen würden.“

„Äh. Ja, aber ….“

Einen Rückzieher wollte Petra dann glücklicherweise nicht machen und ich kann auch schon vorwegnehmen: Sie kommt wieder mit. Auch dann, wenn ich wieder so eine Tour vorschlage. Wir fanden uns am Ende der Tour beide ziemlich klasse und haben uns feiern lassen. Zum Abschluss der Tour haben wir uns noch ein Kaltgetränk an der Bar in der Marina gegönnt und allen, die es wissen oder auch nicht wissen wollten, von unserer Fahrt erzählt. Ausnahmslos alle waren beeindruckt.

Wir also weiter und tatsächlich waren wir in etwas unter zwei Stunden am Ziel. Das einzige Problem: Petra hatte Klickschuhe an und keinen Ersatz dabei. Ich hatte mir am Tag zuvor Blasen unter den Fersen gelaufen. Richtig fiese. Haben gebrannt wie Feuer. Fahrradfahren ging, aber laufen. Schwierig und im Park durften wir nicht fahren. Außerdem hatten wir Hunger. Wir hatten ja angeblich knapp 900 Kalorien verbrannt.

Um den Park herum gibt es nicht wirklich viel, aber das eine oder andere Café dann schon. Eines dieser netten Cafés gehört zu einem gigantischen Blumenladen. Blumen konnten wir kaufen, Kaffee leider nicht. Montags hat das geschlossen. Aber Blumen auf dem Fahrrad über 30 Kilometer durch Singapur transportieren? Keine gute Idee. Also haben wir uns darauf beschränkt, uns alles nur anzuschauen. Da Chinese New Year vor der Tür steht, gab es einiges zu sehen und zu LERNEN.

Es steht das Jahr des Ochsen an. Warum also alles mit Ochsen geschmückt ist, hat sich mir erschlossen. Aber schon in China hatten Alex und ich uns über die Mandarinenbäumchen zu Chinese New Year gewundert. Hier standen hunderte davon rum. Außerdem hängen überall Ananas aus Papier von den Decken oder aus Plastik an den roten Püscheln.

Was haben Mandarinen und Ananas mit Chinese New Year zu tun?

Reichtum ist in China der Inbegriff von Glück. Das Wort für Mandarine hört sich Kantonesisch ausgesprochen ähnlich an wie „Gold“. Das Mandarin Wort für Orange ist 橙 (chéng) und das hört sich wiederum ähnlich an wie „Erfolg“. Und dann trägt eine der Schreibweisen für das Wort Mandarine (桔 jú) auch noch das chinesische Zeichen für Glück (吉 jí) in sich.

Ich werde uns wohl noch ein Mandarinenbäumchen besorgen müssen!

Traditionell überreicht man zu Chinese New Year älteren Menschen zwei Mandarinen, um so seinen Respekt zu zeigen. Ganz wichtig. Immer nur zwei! Auf keinen Fall vier, denn die Zahl vier klingt ähnlich wie das Wort „Tod“.

Ähnlich wie mit den Mandarinen verhält es sich auch mit den Ananas. Im südchinesischen Dialekt Hokkien hört sich Ananas “Ong Lai” an wie „Ankunft von Reichtum“.

Ok, irgendeine Art von Ananas werde ich also auch noch brauchen.

Jetzt waren wir zwar schlauer, aber noch immer hungrig. Leider würden wir hier oben nichts bekommen. Gut, dass ich ein paar Nüsschen dabei hatte. Die haben über den ersten Hunger hinweggeholfen, denn bis zum nächsten Hawker Center waren es noch einige Kilometer. Dort angekommen war uns schon fast schwindelig vor Hunger, aber wir haben uns trotzdem in die längste Schlange angestellt. Das sind ja bekanntlich die besten. Selbstverständlich waren wir die einzigen Langnasen weit und breit. Genial! Ich war glücklich und der Mann vor mir in der Schlange hat mich dann endgültig glücklich gemacht. Ich wollte wissen, was am besten schmecken würde und er war so angetan von der Langnase, die von ihm lernen wollte, dass er für uns bestellt hat. Es war sooooo lecker. Er kam auch noch ein paar Mal zu uns an den Tisch, um zu fragen, ob alles schmecken würde. Ich strahle heute noch.

Ihr wundert Euch, warum der Titel „Drei Länder Tour“ lautet? Ok, dann will ich das Rätsel lösen: Von Sentosa aus kann man Indonesien sehen. Von Sungei Buloh aus Malaysia. Also Indonesien – Singapur – Malaysia. Sag noch mal jemand, dass man im Augenblick nicht reisen könnte. Man kann. Anders, aber auch schön.

8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Erika Kunz sagt:

    Liebe Nicole es ist immer so erfrischend deine Eindrücke zu lesen. Danke dass du sie mit uns Daheimgebliebenen mehr oder weniger zu Hause Festsitzenden teilst. Ganz liebe Grüße Erika

    Von meinem iPhone gesendet

    >

    Gefällt mir

  2. Nicole sagt:

    Sehr gerne, liebe Erika!

    Gefällt mir

  3. 321Filmwerk sagt:

    Ich mache mir Sorgen – nicht verfahren und schneller …,

    Sent from my iPhone

    >

    Gefällt mir

    1. Ok, ich gebe zu, ich habe nicht alles erzählt 😂 ….

      Gefällt mir

  4. Tolle Geschichte einer offensichtich tollen Tour.
    Vielen Dank dafür Nicole 🙂
    Weiterhin eine schöne Zeit in Singapur und viele weitere Radtouren.

    Viele Grüße aus good old Germany 🙂

    Gefällt mir

    1. Immer wieder gerne! 😊

      Gefällt mir

  5. Bea Hoogland sagt:

    Hallo Nicole, vandaag je Drei Landerd verhaal gelezen. Ik vraag me af of jullie Singapore uit mogen. Wij waren 20 jaar geleden op weg naar Australië naar Karst-Jan en hadden een stopover in Kualla Lumpur. Vandaaruit maakten we een excursie naar Malakka. Daar waren in de zeventiende eeuw de Nederlanders en daar zijn nog duidelijke resten van. Misschien ook interessant voor jou, indien mogelijk natuurlijk. Kus, Bea

    Gefällt mir

    1. Liebe Béa, nein, noch dürfen auch wir nur in unserer Phantasie reisen, aber sobald alles wieder einigermaßen offen ist, geht’s los. Und dann ganz sicher auch nach Malakka. Hört sich interessant an. Dicken Kuss, Nicole

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s