Umzug mit zwei Koffern

Ich wollte Euch schon seit einer gefühlten Ewigkeit erzählen, wie das eigentlich so ist, wenn man nur mit jeweils zwei Koffern umzieht und sich dann im Ausland wohnungstechnisch mit allem so ganz von vorne anfängt. Zumal wir in Shanghai ein ganz anderes Konzept gefahren sind, als jetzt hier in Singapur.

In Shanghai hatten wir uns für ein Serviced Apartment entschieden. Das heißt, dass das komplette Apartment eingerichtet war. Wir brauchten tatsächlich nur unsere Kleidung, bzw. hätten eigentlich nur unsere Kleidung gebraucht. Da ich aber auch in Shanghai noch arbeiten wollte, brauchte ich natürlich noch meinen Computer, das eine oder andere Buch und nicht zu vergessen, meine Nähmaschine. Ich konnte ja nicht wissen, dass Shanghai mich so in den Bann ziehen würde, dass ich so gut wie nicht zum Nähen kommen würde.

Neben unseren ingesamt vier Koffern hatten wir also noch 200 kg Luftfracht. Aber 200 kg sind erschreckend wenig, insbesondere wenn eine Nähmaschine mit muss. Bücher sind auch nicht gerade leicht. Viel hatten wir also nicht dabei. Unserem Zuhause einen Touch von Zuhause zu geben, war also nicht wirklich möglich. Die Wohnung war zwar ganz schön eingerichtet, aber es fühlte sich dennoch immer an wie im Hotel. Wie in einem Hotel war es dann auch. Was durchaus auch Vorteile hatte: Zwei mal die Woche kam eine Ayi, die alles durchputzte, die Bettwäsche und die Handtücher wechselte, den Mülleimer leerte und dafür sorgte, dass immer Toilettenpapier da war.

Irgendwie haben sich mit der Zeit dann doch die Regale gefüllt und dem Apartment unsere persönliche Note gegeben. Ich hätte so durchaus länger leben können. Mal ganz davon abgesehen, dass sich Regale erschreckend schnell füllen können.

Dennoch, auch in Singapur in einem Serviced Apartment wohnen? Auf keinen Fall. Hier wollte ich lieber von meinen eigenen Sachen umgeben sein oder zumindest von Möbeln, die wir ausgesucht hatten. Dafür unsere Möbel aus Deutschland kommen lassen? Nein, soweit wollten wir dann doch nicht gehen. Alles neu kaufen? Himmel, nein! Viel zu teuer! Und was sollen wir mit all den Möbeln machen, wenn wir wieder zurück nach Deutschland gehen.

Wir haben uns dazu entschieden, die Möbel zu mieten. Was nicht heißt, dass wir jetzt ausschließlich gebrachte Möbeln haben. Es gibt spezielle Anbieter, die einen Möbelmietservice anbieten – in aller Regel Möbelläden. Man kann sich aus dem Angebot dieses speziellen Möbelhauses die Möbel aussuchen und/oder die Möbel auch bei anderen Anbietern „kaufen“. Also nicht wir kaufen die Möbel, sondern in der ganz spezielle Anbieter, für den man sich entschieden hat. Von diesem mietet man dann die Möbel zurück. Für welchen Betrag man Möbel „kaufen“ kann, hängt davon ab, ob man die Möbel bei dem Anbieter selbst oder von extern dazu kauft und selbstverständlich von der monatlichen Mietsumme.

Wie das in der Praxis aussieht?

Mein Mann und ich sind los und hatten Spaß. Wir sind durch sämtliche Möbelläden Singapurs gepilgert, haben Kataloge gesammelt und waren uns eigentlich viel zu schnell einig. Jetzt musste ich nur noch den richtigen Anbieter bzw. die richtige Anbieterin raussuchen. Ich hatte zwei Anbieterinnen in die engere Wahl genommen. Die erste, die ich für die bessere, mit der größeren Auswahl gehalten hatte, wollte sich so gar nicht auf unseren Geschmack einstellen. Sie wollte eher nicht, dass wir auch außerhalb ihres Ladens Möbel kauften und alles, was sie uns alternativ anbot, war dann doch eher asiatisch – „goldig“ und plüschig. Geschmacklich nicht so ganz kompatibel mit unserem eher nordeuropäischen puristischen Stil. Ich also zu meiner zweiten und im Endeffekt grandiosen Wahl – zur Gallery278.

Gewappnet mit meinen Katalogen, Bildern von Pinterest und dem Grundriss unserer Wohnung kam ich dort an und noch bevor wir richtig angefangen hatten, hatte Felicia, die Chefin und gleichzeitig der kreative Kopf des Ganzen, genau verstanden, wie wir uns gerne einrichten würden. Um im Budget zu blieben, musste das eine oder andere Möbelstück ersetzt werden, aber nicht ein einziges Mal musste ich von unserer Richtung abweichen. Felicia, ihre Tochter Sara und das Team haben für uns Alternativen rausgesucht. Wenn ich es richtig verstanden habe, ist das eine oder andere Möbelstück aus ihrem Bestand und stand wohl schon mal in einer anderen Wohnung. Sehen kann man das nicht. Hätte sie gesagt, dass es neu ist, hätte ich das geglaubt.

Unsere Wohnung ist so schön geworden, dass ich es damit sogar in die Expat-Living, einer englischsprachigen Zeitschrift hier in Singapur, geschafft habe. Die Zeitschrift hat einen Fotografen vorbei geschickt und ich musste dann nur noch posieren – was ich in Shanghai, Alex sei Dank, bereits ausreichend geübt hatte – und einen schlauen Text schreiben.

Soviel zu den Möbeln. Aber mit nur Möbeln ist eine Wohnung ja noch kein Zuhause. Wir hatten zwar ein paar Bilder in Shanghai gekauft, aber nicht genug, um damit die Wohnung wohnlich zu machen. Auch hier hatte Felicia tolle Ideen. So hätte ich mich nie für eine Trilogie entschieden, die eine Breite von fast vier Metern einnimmt. Ich war auch erst überzeugt, als sie mir eine Fotomontage von der Wand mit den Bildern dran schickte. Und was soll ich sagen, es sieht genial aus. Ein anderes Bild hat uns spontan so gut gefallen, dass wir es gleich gekauft haben.

Was jetzt noch fehlte, war der ganze „Kleinscheiss“. Geschirr, Besteck, Gläser, Töpfe, Wasserkocher, Toaster, Staubsauger, Putzutensilien, Bügeleisen, Bügelbrett, Bettwäsche, Fernseher und und und. Auch das hätten wir alles mieten können. Nichts davon hatten wir dabei. Eine Teil haben wir gemietet, aber wir haben auch einiges gekauft. Wir gehen davon aus, dass unsere Jungs sich über das eine oder andere freuen werden.

Selbstverständlich haben wir uns noch das eine oder andere Stück gekauft, das dann auch mit nach Deutschland geht. Wir wollen schon auch ein paar Erinnerungsstücke haben. Unter anderem einen knallroten chinesischen Hochzeitsschrank und eine türkise, antike, chinesische Kommode.

Es ist wunderschön, in einer Wohnung zu wohnen, die man selbst bzw. die nach dem eigenen Geschmack eingerichtet wurde. Es ist doch sehr viel mehr ein Zuhause, als es das Serviced Apartment war. Und das allerbeste: Felicia und ich haben uns angefreundet. Mit ihr habe ich eine Freundin gefunden, die mir immer wieder super Singapur-Tipps gibt und mir den Start hier in Singapur sehr viel leichter gemacht hat. Obwohl unsere Wohnung definitiv fertig eingerichtet ist, treffen wir uns noch regelmäßig. In erster Linie zum Lachen und Spaß haben!

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Anonymous sagt:

    Jetzt gibst Du aber Gas… und gut, dass ich noch zu etwas zu gebrauchen bin 🙂

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    1. Komm schnell, weil hier könnte ich Dich auch sehr gut gebrauchen. 😇

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