Wettrüsten der Religionen

Kennt Ihr die Geschichte der Weihnachtsbeleuchtung von Stenkelfeld? In der die Bewohner von Önkelstieg versuchen, sich am ersten Advent gegenseitig mit Weihnachtsbeleuchtung zu übertrumpfen? Es endet darin, dass versehentlich eine Boing 707 der Singapur Airlines (echt!!!!), die eigentlich nach Sydney fliegen sollte, in der Zufahrt zu einer Bäckerei in Önkelstieg landet.

Hier in Singapur müsste die Airline sich im Augenblick zwischen Little India, Chinatown und Orchard Road entscheiden. Denn in allen drei Stadtteilen sind gerade die Hauptstraßen mit bunten leuchtenden Girlanden geschmückt.

In Little India wegen Deepavali, in Chinatown wegen des Midautumn Festivals und in der Orchard Road ist schon Weihnachten. Weihnachten muss ich nicht erklären. Kenne wir alle. Aber Deepavali und das Mid Autumn Festival waren mir neu. Na ja, nicht ganz. Das chinesischen Mid Autumn Festival ist nämlich nichts anderes als das Mondkuchenfest und das hatte ich in China ja schon miterlebt. Aber ich fange mal mit Deepavali an.

Deepavali ist ein hinduistisches Fest und auch bekannt als das „Lichtfestival“ – was jetzt nicht wirklich verwundert, wenn man all die Lichter sieht, mit denen die Straßen in Little India hell erleuchtet sind. Während das Fest in Indien bis zu fünf Tage lang andauert, wird es hier in Singapur nur einen Tag lang gefeiert. Wann genau das ist, hängt immer von dem Hinduistischen Kalender ab. In diesem Jahr ist es am 14. November soweit. (Ich bleibe, wie immer, dran! Mal sehen, was Corona erlaubt.)

Darüber, was der Ursprung des Festes ist, ist man sich nicht ganz einig. Einige gehen davon aus, dass mit Deepavali die Rückkehr des Gottes Ramas auf seinen Thron gefeiert wird. Dieser war 14 Jahre zuvor von seiner Stiefmutter (Wir Stiefmütter sollten echt an unserem Image arbeiten!) in die Verbannung in den Dschungel geschickt worden. Da es dunkel war, entzündeten die Menschen Öllampen, um ihm den Weg zu weisen.

Andere sagen, dass an diesem Tag Mahalakshmi, die hinduistische Göttin des Lichts, Glücks und Reichtum, geehrt werden soll.

Die aller meisten aber sind davon überzeugt, dass Deepavali auf den Kampf, in dem Krishna den Dämonen Naraka besiegte und sechzehntausend Frauen befreit hatte, die sich in der Gefangenschaft des Dämons befanden, zurückgeht.

Aber egal, welcher Legende man Glauben schenkt. Immer geht es darum, dass das Gute über das Böse siegt, die Wahrheit über die Lüge, das Licht über den Schatten und das Leben über den Tod.

Auch das Mid-Autumn Festival ist ein Lichtfestival und weil es hier alles so multikulti ist, richtet sich dieses Fest selbstverständlich nach dem chinesischen Kalender. Es wird immer am fünfzehnten Tag des achten Monats gefeiert. Auch in Chinatown und in Gardens by the Bay ist rund um dieses Datum alles hell erleuchtet.

Eine andere Straße ist einfach nur mit unzähligen Bannern überspannt. Wahrscheinlich werden die Nachts auch erleuchtet. Ich werde da wohl noch mal hin müssen und mir das anschauen. Mal schauen, wie ich meinen Mann überredet bekomme oder ob ich mich alleine auf den Weg mache.

Wie in China werden hier überall Mondkuchen verkauft. Ich gebe aber zu, dass ich hier weder einen gekauft noch einen gegessen habe. Hier sagt man, dass es die Mondkuchen gibt, weil man damit den Mondgott ehren und ihn um eine reiche Ernte bitten möchte.

Als wir Ende September im Gardens by the Bay waren, haben wir sehr viele Kinder mit Laternen gesehen. Etliche davon sicherlich auch selber gebastelt. Es hat mich sehr an unsere St. Martins Umzüge erinnert. Und genau wie auch bei uns, gibt es kaum mehr echte Laternen. Also solche mit einer Kerze drin. Solche, wie wir sie früher noch hatten und regelmäßig in Flammen haben aufgehen sehen. Ihr erinnert Euch? Hier gibt es selbstverständlich auch in erster Linie Laternen, die von keinen Glühbirnchen erleuchtet werden. Aber auch hier werden sie von den Kids stolz durch die Straßen getragen.

Weit abgeschlagen von Deepavali und dem Mid-Autumn Festival hängt die Weihnachtsdeko der Christen über der Haupteinkaufsstraße, der Orchard Road. Man muss schon genau hinschauen, um überhaupt eine Deko zu erkennen. Aber …. Weihnachten ist auch tatsächlich noch einiges hin. Vielleicht wird ja noch etwas nachgerüstet. Im Augenblick würde die Maschine der Singapore Airlines definitiv nicht in der Orchard Road landen. Im Augenblick würde ich auf die Straßen in Little India tippen.

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