Shophouses und das Kapung in Katong

Diese Woche war ich mit Nicole unterwegs. Sie wohnt schon seit knapp 20 Jahren hier in Singapur und kennt sich dementsprechend gut aus. Unser Ziel: Die Shophouses in Katong.

Ich hatte schon gehört, dass es dort sehr schön sein soll, aber meine Erwartungen wurden übertroffen. Nicht nur war die Gegend einfach schön, weil nicht so perfekt. Auch die Geschichte dahinter ist super interessant. Um 1820 vergaben die britischen Kolonialherren Teile des heutigen Katong an Privatleute. Diese bauten hier ihre Villen inmitten ihrer riesige Kokosnuss- und Baumwollplantagen. In Katong gab es aber auch die bescheidenen Kampungs, deren Bewohner*innen vom Ackerbau und Fischfang lebten. Eines davon steht noch. Zwar hinter einem Bauzaun, aber mich stört so was ja nicht. Meistens kann ich da schon drüberschauen.

Mitten durch das heutige Katong führt die Joo Chiat, eine Straße, die nach Chew Joo Chiat benannt wurde. Er war ein bescheidener und fleißiger Händler und Erntehelfer gewesen, der zu einem der reichsten Landbesitzer und als „König von Katong“ bekannt wurde. Aber selbst als es reich war und es sich hätte erlauben können, selber Erntehelfer einzustellen, arbeitet er noch immer auf den Feldern mit.

Als in den 1920er eine Straße mitten durch seine Kokosnussplantage gebaut wurde, überließ er der Regierung das Land ohne Gegenleistung. Aus Dankbarkeit wurde die Straße aber nach ihm benannt. Ganz Geschäftsmann erkannte Chew Joo Chiat sofort die Chancen, die ihm die neue Straße bot und er begann kleinere Parzellen Land zu verkaufen. So entstanden hier die ersten Shophouses, von denen zahlreiche heute noch stehen. (Ich werde mich noch mal etwas schlauer machen und Euch dann mit den verschiedenen Shophouses in Singapur zuballern. Die sind so unglaublich schön!)

In aller Regel sind es schmale Häuser. Vergleichbar mit Reihenhäusern in Deutschland. Ebenerdig befand und befindet sich auch heute wieder ein Shop. Es gibt mehrere verschiedene Arten von Shophouses. Die meisten Shophouses in der Joo Chiat stammen aus den 1920er und 30er Jahren. Manche eher schlicht, andere im eher schnörkeligen viktorianischen Stil bis hin zu Art Deco und stromlinienförmigen Shophouses.

Es dominieren aber die bunten Shophouses mit ihren unterschiedlichen Ornamenten. Sie sind typisch für die Peranakan Kultur. Schon mal was davon gehört? Für mich was das komplett neu. Die Peranakan Kultur ist eine Mischung aus der chinesischen und der malayischen Kultur. Sehr bunt. Sehr lebendig. Einfach nur schön! Es gibt hier in Singapur ein Peranakan Museum. Da werde ich bald mal hingehen und dann erzähle ich Euch mehr davon.

In den diversen Shops gab es wirklich alles. Conceptstores, die Artikel verschiedener Designer*innen anbieten. Etliche kleine Shop, die genau so auch in Shanghai hätte sein können. In einem konnte man Polstermöbel beziehen lassen. In dem anderen gab es eine große Auswahl an Rattanmöbeln. Der nächste hatte einfach alles. Der Eingangsbereich war so zugebaut, dass ich ihn zunächst einmal nicht gesehen hatte. War aber auch nicht so wichtig, denn ich brauchte ja nichts. Und natürlich waren in zwei von drei Shops keine Shops sondern kleine Restaurants. Viele Shophouses stehen zur Zeit noch leer, aber ich könnte mir vorstellen, dass sich das in den nächsten Jahren noch ändert. Also dann, wenn dieser Corona-Mist endlich vorbei ist.

Nach einer intensiven Shophouse-Tour durch Katong haben wir uns zum Abschluss noch beim Inder (sooooo lecker!!!!!) wieder für den Rückweg gestärkt. Von Nicole aus waren wir zwar mit dem Auto gefahren, aber ich musste von dort aus wieder auf meine Insel. Und ob man es glaubt oder nicht, Singapur ist hügelig. So ganz anders als Shanghai. Da musste ich maximal eine Brücke hoch fahren.

Jetzt wären diese Hügel gar nicht so schlimm, wenn es nicht immer so heiß hier wäre UND wenn nicht immer irgendwelche Rennradfahrer an mir vorbeiziehen würden. Ich fühle mich jedes Mal wie eine Schnecke, wobei ich bis zu dem Zeitpunkt, dass sie an mir vorbeirasen, immer denke, dass ich doch echt schnell unterwegs bin. Dennoch fängt das Radfahren hier mir an, Spaß zu machen.

Ich weiß jetzt auch, warum die Auto- und Busfahrer*innen immer Rücksicht auf mich nehmen. Das Gesetz hier, gibt bei einem Unfall immer dem/der Stärkeren eine Mitschuld.

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