Singapur und Corona

Dass es hier anders sein würde, war mir klar. Dass es so anders sein würde, nicht. Vergangenen Freitag 12 Uhr mittags war unsere Quarantäne abgesessen. Seit 14 Tagen hatte ich mich darauf gefreut, um 12:01 Uhr in den Pool zu springen. 14 Tage lang hatte ich Leute beim Schwimmen beobachten dürfen, jetzt endlich wollte ich da auch rein.

11:55 Uhr saß ich also fertig eingecremt in Badeanzug, kurzer Hose, Flipflops, Sonnenbrille und Mundschutz hinter der Tür.

12:00 Uhr habe ich die Tür aufgerissen.

12:02 Uhr standen wir im Fahrstuhl und …. waren gefangen. Für den Fahrstuhl braucht man eine Chipkarten. Selbst dann, wenn man nach unten fahren will. Doof, weil zurück ins Apartment konnten wir auch nicht. Wir hatten ja keine Chipkarte. Die wollten wir uns an der Rezeption holen.

12:05 Uhr Treppenhaus. Wenn der Fahrstuhl nicht will, dann eben Stufen. Wir nach unten und …. Tür zu. Ich hätte sie zwar bestimmt aufbekommen, aber damit hätte ich dann wohl den Feueralarm ausgelöst. Auch keine gute Idee.

12:07 Uhr standen wir also wieder vor unserem Apartment. Auf dem Flur gab es glücklicherweise ein Telefon. An der Rezeption sagten sie uns, dass die erlösende Chipkarte unterwegs wäre und tatsächlich kamen wenige Minuten zwei super nette junge Frauen mit Chipkarten UND einem Quarantäne-Entlassungs-Schokoladenkuchen.

Und jetzt zu Singapur und Corona.

Ich wollte ja in den Pool. Das darf ich aber nur, wenn mir vorher Fieber gemessen wurde. Also zur Rezeption, Fieber messen, Handtücher holen und ab ins Wasser.

Da Freiheit nur wenig bringt, wenn man sie nicht nutzt, sind wir abends gleich losgezogen. Wir sind hier in einem Apartment direkt an der Orchard Road, der Haupteinkaufsstraße, untergebracht. Jetzt finde ich solche Straßen nur bedingt interessant, zumal es überall eh immer das Gleiche gibt. Aber nach 14 Tagen Gefangenschaft, war es mir egal, was ich sehe, Hauptsache nicht unser Apartment. Allerdings war bummeln nicht so einfach, bzw. für uns an dem Tag unmöglich. Noch nicht mal in ein Restaurant konnten wir gehen. Wir konnten alles nur von der Straße aus beobachten. Denn, will man in Singapur in ein Gebäude, muss man sich online anmelden. Anmelden kann man sich aber nur, wenn man seine FIN kennt. Wofür FIN steht? Keine Ahnung, aber ich wurde während der Quarantäne täglich angerufen und musste sie auch täglich verifizieren. Gemerkt habe ich sie mir dennoch nicht.

Keine FIN, kein Einlass.

Das ging soweit, dass wir einen riesigen Umweg gehen mussten, weil wir nicht durch eine Unterführung durchlaufen konnten.

Jetzt weiß ich meine FIN und kann mich überall anmelden. Jetzt weiß ich aber auch, wenn ich in ein Gebäude will, ist das das eine. Wenn ich in dem Gebäude noch in einen Laden will, muss ich mich auch da anmelden. Zum Teil dürfen nur fünf Personen gleichzeitig in einem Laden sein und selbstverständlich muss man sich beim Verlassen auch wieder abmelden. Bummeln ist also im Augenblick hier nicht angesagt. Zumindest nicht für mich.

Selbstverständlich tragen ALLE eine Maske. Wer keine trägt, riskiert eine Strafe von 300 Singapur Dollar. Diskutiert wird das nicht und dagegen demonstriert schon gar nicht.

Wo sonst Werbung zu sehen wäre, steht jetzt, dass man eine Maske tragen soll.

Überall steht Desinfektionsmittel.

Im Supermarkt wird in regelmäßigen Abständen über Lautsprecher darauf hingewiesen, dass man aufgrund des Virus‘ Abstand halten sollte.

Aber alle halten Abstand. Überall gibt es Markierungen. Im Fahrstuhl gibt es für jeden ein eigenes Quadrat oder wahlweise einen Punkt, auf den man sich stellen sollte. Vor den Kassen sind Streifen auf den Boden geklebt. Und selbst an der Ampel stehen die Leute in großen Abständen zueinander und warten.

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