Sieben Tage Tibet – Die Teerwalze und ich

Ich weiß, dass frischer Teer heiß ist. Ich weiß auch, dass man da nicht mit dem Fahrrad drüber fahren sollte, aber ….

An unserem letzten vollen Tag in Osttibet mussten wir früh aufstehen. Wir wollten auf keinen Fall in eine der zahlreichen Straßensperren geraten. In der Region ist gefühlt jede Straße „under construction“. Wir wollten auch nicht einen Umweg von mehreren Stunden in Kauf nehmen müssen. Also sind wir um 6:00 Uhr morgens mit dem Van aufgebrochen und haben es so tatsächlich geschafft, noch bevor die Straßenarbeiten anfingen, überall durch zu kommen.

Unser ersten Etappenziel: Kangding. Hier gab es den besten Kaffee seit Tagen. Eine super Entschädigung für das frühe Aufstehen. Die nächste Entschädigung war der Wet Market von Kangding. Helene musste noch Pilze kaufen und nicht nur die gab es hier im Überfluss. Allerdings war das erste, was uns vier ins Augen stach, die Keulen eines Yaks. Zwischen den Keulen etwas Schwarzes. Erst bei näherem Hinsehen bestätigte sich das, was wir uns gedacht hatten. Es war der Schwanz.

Alle anderen Anblicke waren schöner. Es reihte sich ein Obststand an den nächsten. Hier gab es riesige Feigen, alle möglichen bekannten und noch viel mehr unbekannte Obst- und Gemüsearten. Dazwischen zahlreiche Pilzstände und gegenüber, auf der anderen Straßenseite, Haushaltswaren.

Von Kangding ging es weiter nach Ya’an. Alles mit dem Van. Kurz vor Ya’an hatte Jeremy dann aber doch Mitleid mit uns und baute die Räder noch ein letztes Mal auf. Zumindest für Manfred, meinen Mann und mich. Helene zog es vor, im Van zu bleiben.

Wir also voller Elan los. Die Straße war ein Traum. Ganz besonders nachdem wir die Absperrung hinter uns gelassen hatten. Die Straße war frei. Kein einziges Auto und selbstverständlich auch kein einziger LKW. Die Straße war neu. Kein Schlagloch. Alles glatt. Herrlich!

Irgendwann merkte ich, dass das Pflaster doch etwas wärmer wurde. Offensichtlich hatten sie hier gerade die Straße fertiggestellt. Aus einiger Entfernung sah ich auch Teermaschinen. Aber … es würde schon gehen. Uns waren zahlreiche Radfahrer*innen entgegen gekommen. Irgendwie mussten die ja auch um die Teermaschinen rum gekommen sein. Also weiter.

Die Straße wurde immer wärmer und während ich immer näher an die Teermaschinen ran kam und so darüber nachdachte, ob meine Reifen das durchhalten würden, merkte ich, dass mein Fahrrad und ich langsam aber sicher in den Teer einsackten. Abgesehen davon, dass mir in dem Moment schlagartig SEHR klar wurde, dass es keine gute Idee war, zu versuchen, hier weiterzukommen, fingen auch die chinesischen Männer auf den Teerwalzen an zu schreien.

Gut, dass ich ein gutes Tempo drauf hatte, denn ich schaffte es, umzudrehen.

Doof?

Ja! Saudoof. Aber es ist gut gegangen. Und zu meiner Ehrenrettung muss ich sagen, die Männer waren direkt hinter mir.

Wieder auf festem Boden, habe ich erst gemerkt, dass mein Beine bis zu den Knien mit Teerspritzern geteert waren. Die haben aber keinerlei Narben hinterlassen. Also habe ich erst mal meine Beine und Kleidung vom Teer befreit und dann das Fahrrad. Von den Reifen habe ich nicht alles abbekommen, aber Jeremy meinte, das würde abfallen, sobald es kalt ist.

Was soll ich sagen. Das war’s dann mit Radfahren für uns. Es. gab leider keinen anderen Weg, den wir hätten fahren können und der Schreck saß auch ziemlich tief. Ich weiß jetzt aus einigerer Erfahrung, dass es definitiv keine gute Idee ist, auf einer Straße zu fahren, die gerade geteert wird. Ich werde es auch kein zweites Mal versuchen, auch dann nicht, wenn ich daraus einen Blogbeitrag machen könnte.

Nichtsdestotrotz hatten wir aber einen tollen letzten Abend in Ya’an. Mit einem Hotpot Essen auf der Straße.

Helene, Manfred, mein Mann und ich sind uns einig. Das war nicht der letzte gemeinsame Urlaub mit dem Fahrrad. Sobald die Grenzen wieder offen sind, treffen wir uns für die nächste Tour.

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