Die Geschichte der Engel

Diesen Donnerstag führte uns unsere Radtour nach Pudong – auf die „dark side“ von Shanghai, wie sie die Leute aus Puxi liebevoll nennen. Hier steht im Lujiazui Central Greenland eine Skulptur , die wir unbedingt sehen wollten.

Obwohl in Shanghai das Leben so gut wie „back to normal“ ist, war es eine kleine Herausforderung in den Park zu gelangen. Alle Eingänge, an denen wir vorbei kamen waren geschlossen. Bis auf den einen um die Ecke – ein paar Meter von unseren Fahrrädern entfernt. Wir waren aber um die andere Ecke gelaufen.

Mitten im Park eine der größten Kupferskulpturen Shanghais – die „Terra Natura“ Skulptur. Eine Hommage an Mutter Natur. An deren Reinheit und Zerbrechlichkeit. Die zwei gesichtslosen 15 Meter hohen Engel der Künstlerin Wu Ching-ju machen den Eindruck, als würden sie mit ihren ausgebreiteten Flügeln elegant über den Lujiazui Central Greenland schweben.

Ursprünglich hatte Wu die Vision, dass um die Engel (oder sind es doch Elfen?) herum Müll angehäuft werden sollten und das Werk „Auf der Suche nach einer Oase“ betitelt werden sollte. Diese Idee stieß aber nicht bei allen auf Begeisterung. „Im Leben nicht!“, hieß es von den Stadtvertreter*innen. Niemand wolle, dass der Eindruck entstehe, Shanghai sei eine große Müllhalde. Wu überdachte also ihre Idee und bekam den Zuschlag.

Wu und die sie vertretende Halcyon Galerie fühlten sich so geehrt, das Wahrzeichen des Lujiazui Central Greenland stellen zu dürfen, dass sie das Werk im Wert von zirka 20 Millionen RMB spendeten. Immerhin hatten sie sich gegen mehr als über 1.000 Einreichungen durchgesetzt.

Am 12. August 2011 wurde die „Terra Natura“ Skulptur feierlich enthüllt. Leider blieb sie aber weniger als einen einzigen Tag unversehrt. In der Nacht auf den 13. August regnete es den berüchtigten Shanghaier „plum rain“. Der Regen war so intensiv, dass sich an einigen Stellen die weiße Farbe ablöste. Auch in den darauf folgenden Tagen regnete es und langsam aber sicher wurden die Flügel und Rücken der magischen Wesen gelb. An einigen Stelle fingen sie sogar schon an zu rosten. Fasste man die Statuen an, hatte danach weißes Puder an den Händen kleben.

Die Halcyon Galerie gab zu, offensichtlich die Wetterbedingungen in Shanghai nicht ausreichend bedacht und wohl auch den sauren Regen außer Acht gelassen zu haben. Schnell wurden die angeschlagenen Engel mit einer anderen, wesentlich resistenteren Farbe neu versiegelt. Seitdem erstrahlen die Engel in neuem Glanz. Bis heute.

Direkt zu Füßen der Engel gibt es noch weitere Statuen, die aber nicht so spektakulär sind. Außer natürlich, wenn man mit ihnen posieren möchte.

Vom Lujiazui Park ging es weiter zum Fake Market. Hier war es schon fast gespenstisch leer. Niemand war dort zum Einkaufen. Lediglich die Ladenbesitzer saßen auf den Gängen, unterhielten sich und versuchten uns schon fast verzweifelt ihre Waren anzupreisen. Den Laden, den ich suchte, haben wir nicht gefunden. Aber auch wenn sehr viele Läden geschlossen sind, gibt es noch immer ausreichend offene. Die Preise sind im Augenblick so tief, dass ich mich im ersten Laden gar nicht getraut habe zu handeln. Im zweiten habe ich gehandelt. Zumindest wollte ich handeln. Mein Vorschlag war 60 Prozent unter ihrem Preis und gerade als ich Luft holen wollte, um ihr zu sagen, dass ich nächste Woche wieder kommen würde, ist sie auf meinen Vorschlag eingegangen. Jetzt bin ich also stolze Besitzerin von zwei Paar Schuhen, die mir hoffentlich mal keine Blasen bringen.

Ein Kommentar Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s