Holland unter Palmen

Shanghai, England, Shanghai und gestern Holland und am gleichen Tag noch zurück nach Shanghai. Obwohl im Augenblick keine Flieger gehen. Aber Flieger brauchen wir nicht. Wir machen das auf dem Landweg und sind abends trotzdem wieder Zuhause.

Letzte Woche habe ich Euch von unserem Ausflug nach Thames Town erzählt. Gestern ging es mit Alexandra und Susanne nach Holland Village. Auch dieser Stadtteil gehört zu der Initiative „nine towns, one city“. Auch dieser Stadtteil ist ausgestorben. Aber immerhin sieht es so aus, als sollte hier doch noch mal Leben reinkommen, Alle Häuser werden gerade renoviert (?). Auf jeden Fall sind so gut wie alle Häuser von Bauzäunen umringt. Echt interessante Bauzäune, weil zusammengebastelt aus alten Wohnungstüren.

Auch dieser Stadtteil sieht dem Original zum Verwechseln ähnlich und als gebürtige Niederländerin mir ist natürlich das Herzchen aufgegangen.

Schon von weitem konnten wir die typischen Giebelhäuser sehen. Ein mehrstöckiges, schmales Klinkersteingebäude neben dem anderen. Jedes in einem anderen Stil und jedes mit einem Giebel. Viele sogar komplett mit Haken. Die Häuser sind eine direkte Kopie einer Häuserzeile in Amsterdam. Welcher weiß ich leider nicht.

Den Ursprung haben die Haken bei den holländischen Kaufleuten. Früher lagerten diese ihre Waren in ihren Häusern unter den Giebeln. Da die Häuser aber sehr schmal sind, sind auch die Treppen relativ eng und steil. Mit dem Haken konnte von außen alles bis unter das Dach gezogen werden. Heute nutzen viele die Haken, um Möbel in die Wohnungen zu hieven. Ob die Chines*innen das hier auch so handhaben?

Aber es kommt noch besser. Es gibt hier sogar eine Windmühle. Sie sieht aus als wäre sie aus Plastik gegossen, aber meine Euphorie kann das nicht eindämmen. Denn, um zur Windmühle zu kommen, müssen wir auch noch über eine Zugbrücke. Ich bin begeistert. Jetzt fehlt mir nur noch niederländisches Junkfood, gevulde koek (Ihr erinnert Euch?) und ein guter Kaffee.

In einem „Wäldchen“ bei der Mühle sitzen Männer an provisorisch errichteten Tischen und spielen Karten. Sie schauen uns nicht gerade freundlich an, was ich zunächst überhaupt nicht verstehen kann. Der Oberaufseher kam mit böser Miene direkt auf uns zu und erklärt uns unmissverständlich, dass wir keine Fotos machen dürfen. Manchmal stehe ich echt auf dem Schlauch oder bin einfach zu naiv. Erst nachdem mir Susanne und Alexandra erklärt haben, dass Glücksspiele verboten ist, fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Stimmt. Da war Geld im Spiel. Ok, meine Fotos sind für meine Privatsammlung.

Weiter geht’s auf unserer Entdeckungstour. In der Parallelstraße sieht es genauso aus, wie in der ersten Reihe der Amsterdamer Häuserreihen. Wunderschöne Häuser, aber alle mit Bauzäunen davor. Ich kann nur hoffen, dass hier ganz bald ganz viele Menschen einziehen. Denn das Ganze sieht toll aus. Warum hier fast niemand lebt? Ich kann es nicht verstehen. Soviel ich weiß, hat hier auch nie wirklich jemand gelebt. Holland Village ist wie Thames Town eine Geisterstadt. Aber eine Geisterstadt mit sehr viel (europäischem) Charme.

Auf der Suche nach Nahrung mussten wir aus Holland Village raus. Denn hier gibt es nichts. Im gesamten holländischen Viertel gibt es nicht ein einziges Kaffee und von den zwei Restaurants sieht das eine nicht einladend aus und für das andere sind wir nicht adäquat gekleidet. Aber der Weg führte uns noch an ein paar netten niederländisch anmutenden Gebäuden und einem Bootsanlegeplatz mit Booten, wie man sie tatsächlich überall auf den Flüssen und Seen in den Niederlanden sieht, vorbei. Das entschädigt. Zumindest mich.

Und das beste: Um wieder in den chinesischen Teil zu kommen, mussten wir über eine Brücke und von der aus man in der Ferne den Shanghai Tower, den Flaschenöffner, den Jinmao Tower und sogar den Perl Tower sehen konnte. Im Vordergrund das traditionelle Holland mit Windmühle, im Hintergrund das moderne Shanghai. Das hat was!

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