Moganshan – grüne Berge, Bambus und 10.000 Stufen

Wir wollten ein paar Tage raus. Wir hatten aber die eine oder andere Geschichte gehört. Von Hotels, die keine Ausländer*innen nehmen. Von QR-Codes, die nicht mehr grün waren. Von Polizisten, die im Café zielstrebig auf Langnasen zugegangen waren, weil sie sich nicht in der Provinz „angemeldet“ hatten. Von Taxifahrern, die sich weigern, Ausländer*innen zu befördern.

Um auf Nummer Sicher zu gehen, sind wir nach Moganshan gefahren. Das ist so nah an Shanghai, dass man hier an Ausländer*innen gewohnt ist.

Moganshan gehört schon seit es die ersten Europäer*innen und Amerikaner*innen in den späten 1800er Jahren nach Shanghai gezogen hatte, zu den Orten, wohin man sich zurückzog. Hier mitten in die Bambuswälder auf den zahlreichen Hügeln haben sie sich ihre Villen bebaut, um der sommerlichen Hitze Shanghais zu entfliehen. Eine schöner als die andere. In einer dieser Villen, in unserem Fall eine Burg, die ein britischer Missionar Anfang 1900 hatte erbauen lassen, hatten wir uns für drei Nächte eingemietet. Der Blick von unserem kleinen Balkon aus – umwerfend. Sowohl bei strahlendem Sonnenschein, als auch bei Regen. Sanfte Hügel soweit das Auge reicht. Alle bedeckt von in erster Linie Bambus. Es lugt aber auch immer mal wieder ein Nadel- oder Laubbaum heraus. Mittendrin ein See.

Die Tage, an denen wir da waren, waren extrem heiß. Über 33 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von über 85 Prozent. Ähnliche Temperaturen, wie sie an diesem Wochenende in Shanghai herrschten. Also nichts mit „Hitze entfliehen“.

Um es etwas kühler zu haben, wollten wir im „Wald“ wandern. Die erste Herausforderung: Ein Bambuswald hat zwar unheimlich viel Bambus, aber dieser Bambus spendet nicht wirklich Schatten, so dass es in diesem Wald kaum kühler ist als außerhalb des Waldes.
Die zweite Herausforderung: Einen bewanderbaren Weg finden. Wir hatten uns eine Wanderkarte ausdrucken lassen. Die Karte war aber eine „six shades of grey“ Wanderkarte auf der aber immerhin einzelne Orientierungspunkte verzeichnet waren. Wir dachten, das reicht. Finden wir. Weit gefehlt. Schon den Weg aus der Hotelanlagen gestaltete sich schwierig. Wir sollten durch Gate 16. Da aber kein Gate eine Nummer hatte, hätte jedes Gate Gate 16 sein können. Nachdem wir es schließlich gefunden hatten, sind wir tapfer los gewandert. Zumindest ein paar Meter. Dann standen wir schon fast mitten auf einer großen und auch durchaus befahrenen Straße. Nichts mit Wandern im Wald. Noch dazu saßen dort wie aus dem Nichts plötzlich vier chinesische Hilfssheriffs. Sie waren zuständig dafür …. Na?! Ihr wisst es! …. genau …. unseren QR-Code zu checken. Leider wollte sich uns ab hier dann einfach kein Weg mehr erschließen. Über mehrere Kilometer mussten wir uns die Straße mit voll besetzen, laut hupenden Bussen und Autos teilen. Uns blieb nur, zur Seite zu springen und darauf zu vertrauen, dass uns nichts passierte. Als wir dann am Straßenrand ein Hinweisschild auf einen besonderen Teich sagen, haben wir uns von dieser Sehenswürdigkeit anziehen lassen.

Um den Teich spinnt sich die Legende des Eisenschmieds Gan Jiang (722 – 481 v.Chr.). Er kam immer am Ende des Frühlings und Herbsts hierher, um ganz spezielle Schwerter zu schmieden und diese dann in einem Fluss, der den besonders klaren Quellen des Berges entsprang, zu härten. Gans Frau hieß Mo Ye. Der Legende zufolge haben diese beiden dem Berg seinen Namen gegeben. („shan“ heißt „Berg“).

Das Beste war aber, hinter dem Schwertteich gab es einen tollen Weg mitten durch den Wald durch. Er sah zwar auf den ersten Blick etwas abgesperrt aus, aber auf den zweiten konnten wir dann doch deutlich einen Weg erkennen. Über mehrere Kilometer ging es jetzt mitten durch den Bambuswald, an einem kleinen Bach entlang, bergab. Immer wieder sind wir mitten in diesem Wald auf Säulen gestoßen. Ob das früher mal ein Aquädukt war?

Am Ende des Weges angelangt, wussten wir jetzt leider nicht, wo wir waren. Den Berg wieder nach oben? So motiviert waren wir dann auch wieder nicht. Glücklicherweise stand auf dem Parkplatz, in den der Weg mündete, ein „Taxifahrer“. Vorbei an zahlreichen schönen Villen, hat er uns zurück zum Hotel gebracht.

Auch der zweite Tag war wieder irre heiß. Wir wussten jetzt, dass uns der Wald keine Linderung bringen würde. Wir wussten auch, dass wir uns nicht auf unsere „Wanderkarte“ verlassen konnten. Wir hatten uns deshalb eine App empfehlen lassen. Nur leider wird die Webseite gerade überarbeitet, also haben wir uns von einem Franzosen einen Weg empfehlen lassen. Was wir nicht wussten, dieser Weg war eigentlich eine einzige unendlich lange Treppe mit gefühlten 10.000 Stufen. Zwar stand unten wieder ein Taxi, aber mich hatte der Ehrgeiz gepackt. Als wir nach vier Stunden Wanderung wieder im Hotel ankamen, habe ich dann allerdings locker zwei Stunden gebraucht, um meinen Körper wieder auf Normaltemperatur und -betrieb zu bekommen.

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