Das echte Tongli

Es ist eine gefühlte Ewigkeit her (September 2019). Man durfte noch ohne jegliche Einschränkungen reisen und wir hatten Besuch. Nicht nur einer meiner Söhne war mit seiner Freundin für drei Wochen bei uns, sondern auch super liebe Freunde aus Hamburg. Volker geschäftlich und Birgit eigentlich um auf eine Faust die Stadt zu erobern, aber da ich ja jetzt hier wohne, hat sie sich vertrauensvoll in meine Hände begeben.

Mit Birgit und den „Kids“ habe ich einen zweiten Versuch gestartet, nach Tongli zu kommen. Ihr erinnert Euch? Als ich das letzte Mal dachte, in Tongli zu sein, musste ich sehr zur Erheiterung aller um mich herum, feststellen, dass wir in Xitang waren.

Da sich unser Fahrer jetzt nur mit mir auf ein Ziel einigen musste, war schon mal sichergestellt, dass wir nach Tongli fahren. Aber ganz so einfach, wie ich mir das vorgestellt hatte, war es dann doch nicht. Bis wir an einer Einkaufsstraße ankamen, an der wir aussteigen sollten, hat uns unser Fahrer erst mal ausgiebig die Umgebung und sehr schmale Gassen gezeigt. Es gab dort Wasser, aber wie eine Wasserstadt sah es nicht aus. Irgendwann waren wir dann an besagter Einkaufsstraße. Auch hier sah es noch nicht aus, wie in einer Wasserstadt. Aber unser Fahrer bestand darauf, dass wir hier richtig wären. Super, denn ich mit meinen fünf Worten, die ich fließend Chinesisch spreche, hatte so gar keinen Plan, wo wir hin sollten. Mutig habe ich ein chinesisches Paar auf „Händisch und Füßisch“ angesprochen und nach dem Weg gefragt. Wir endeten in etwas ähnlichem, wie einem Tempel oder Park oder war es beides? Da wollten wir nicht hin. Also weiter. Über Umwege kamen zur Touristeninformation. Die Auskunft hier war auch eher kryptisch, aber wir bekamen einen Stadtplan und nach Abgleich der chinesischen Zeichen waren wir uns einige: Wir müssten einfach stur geradeaus und dann würde wir den alten Teil der Stadt schon finden.

Tatsächlich! Am Ende der Einkaufsstraße links sah es so aus, wie eine Wasserstadt auszusehen hat: Weiß getünchte Häuser mit geschwungenen schwarzen Giebeldächern und roten Laterne und Wasser. Jede Wasserstadt ist anders, aber das vereint sie alle.

Tongli sagt man nach, am ehesten wie Venedig zu sein und tatsächlich ist diese Wasserstadt anders als die anderen. Die Straßen sind schmaler, kleiner bzw. kürzer und verwinkelter. Die Stadt ist durchzogen von Insgesamt 15 schmalen Kanäle über die insgesamt 49 jahrhundertealte Steinbrücken. Mit ihren zahlreichen grünen Weiden, unter denen sich zahlreiche Restaurants befinden, macht sie einen verträumten Eindruck. So ganz anders als die anderen.

Natürlich wollten wir auch diese Wasserstadt vom Boot aus auskundschaften. Weit und breit hatte ich aber keinen Bootsverleih gesehen und Boote sahen wir auch nicht. Bis! Ja bis dann doch eines an uns vorbei fuhr. Ich also schnell zu einem Polizisten, der am Wasser stand und auf das Boot gezeigt. So ganz hat er nicht verstanden, was ich wollte. Zumindest schaute er mich überzeugend verwirrt an. Gut, dass daneben eine Chinesin stand, die mehr Englisch konnte als ich Chinesisch. Sie hat mich verstanden und nur wenige Meter von uns entfernt haben wir dann tatsächlich den Bootsverleih gefunden.

Es gibt einfach nur ganz wenig, was schöner ist, als durch so eine Wasserstadt mit dem Boot zu gleiten. Das einzige, das uns irritierte, waren die Kormorane, denen eine Schnur sehr eng um den Hals geschnürt war. Wie ich später herausgefunden habe, werden die Vögel zum Fischen verwendet. Die Kormorane fangen Fisch, die sie aber aufgrund der Abgeschnürten Hälse nicht schlucken können. Sie spucken die Fische also wieder aus und erhalten dafür von ihren Haltern kleinere Fische zur Belohnung. Hört sich grausam an, aber, wie ich schon mal berichtet hatte, haben die Chines*innen ein anderes Selbstverständnis im Umgang mit Tieren.

Nach unserer romatischen Bootsfahrt haben wir uns noch mal zu Fuß auf Entdeckungstour gemacht und noch so manch schöne Gasse mit alten Häusern entdeckt. Sogar einen super leckeren Kaffee haben wir gefunden. Ich brauche einfach nach dem Essen einen Kaffee.

Birgit hat mich in ihrem Jahresrückblick als perfekte Reiseleiterin bezeichnet. Ich würde sagen: Alles richtig gemacht! Ich habe ihr nämlich keine Gelegenheit gegeben, eine andere Reiseleiterin kennen zu lernen.

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