Shanghais Corona-Superheros

Während der Rest der Welt sich im Kampf gegen das Coronavirus noch im Ausnahmezustand befindet, feiert Shanghai bereits seine Held*innen. Mit einer Ausstellung, die ihresgleichen sucht. Auf einer riesigen Fläche werden mit Kunstwerken all diejenigen Menschen gefeiert, die an vorderster Front aktiv waren: Das medizinische Personal, die Lieferant*innen, Reinigungskräfte, Soldat*innen, Feuerwehrleute, Taxifahrer*innen, Bauarbeiter*innen und die vielen, vielen Freiwilligen.

Schon der Weg in das Museum stand ganz im Zeichen des Viruses. Ich hatte bereits erzählt, dass wir in ein Museum nicht reinkamen. Um sicherzustellen, dass mir das nicht wieder passiert, war ich dieses Mal optimal vorbereitet: Pass mit Einreisestempel (den gelben Aufkleber hatte ich vorsorglich schon mal abgefriemelt), meinen grünen QR-Code hatte ich aktualisiert und mein VPN aus. Um ganz sicherzustellen, dass wir tatsächlich keinen Virus in das Museum tragen, mussten wir noch unsere Hände waschen, desinfizieren, über eine Desinfektionsmatte laufen und durch eine dieser Absperrungen, die man in Shanghai überall hat. Aber hier waren auf dem Boden zusätzlich Markierungen angebracht, die sicherstellen sollen, dass die Wartenden mindestens einen Meter Abstand halten. Leider war aber nicht eine einzige Person da, von der man hätte Abstand halten können.

Das gesamte Museum war ziemlich leer, außer die Ausstellung, mit dem sperrigen Namen „Call Shanghai to fight against New Corona Pneumonia Epidemic Art and Photography Theme Exhibition“ (WeChat Übersetzung). Die über 800 Gemälden, Fotografien, Skulpturen, volkstümliche Kunst und andersartige Kunstformen mit ihrem zentralen Thema: Der Kampf gegen COVID-19.

Gleich am Eingang werden die Besucher von einem 18 Meter breiten und 2,2 Meter hohen Gemälde empfangen. Eine Gemeinschaftsarbeit von 20 Künstler*innen aus Shanghai, die Szenen aus dem Corona-Alltag der vielen Freiwilligen, Szenen der Arbeit des Pflegepersonals und natürlich die Errichtung des Krankenhauses in Wuhan zeigt.

Etwas weiter in den Ausstellungsbereich rein, eine Liste aller Helfer, die von Shanghai aus in die Hubei Provinz geflogen waren, um dort im Kampf gegen das Virus zu unterstützen. Eine durchaus beeindruckende Anzahl von Namen. Gleich daneben zu jeder chinesischen Provinz ein Poster. (Man weiß hier schon, wie man Menschen „abholt“!) Auch beeindruckend war aber auch die schiere Menge an unterschiedlichen Kunstrichtungen. Modern, naiv, plastisch, realistisch, abstakt. Cartoons. Skulpturen. Scherenschnitte, die in China eine lange Tradition haben.

Leider habe ich keinerlei Erklärung zu den Ausstellung gefunden, aber ich gehe davon aus, dass Künstler*innen beauftragt wurden, Kunstwerke zu schaffen. Immer mal wieder stößt man auf Motive, die schon in den Medien um die Welt gegangen sind. Sehr interessant zu sehen, wie unterschiedlich ein und dasselbe Motiv von verschiedenen Künstler*innen interpretiert wird.

Im zweiten Teil der Ausstellung finden sich 326 Fotografien. Ausgewählt aus knapp 12.000 von Fotografen, Fotojournalisten, Pflegekräfte und Freiwillige eingereichten Fotos, zeigen sie, wie das Leben in Shanghai während der Corona-Hochzeit aussah. Bilder von leeren Straßen, die sicherlich noch nie so leer gewesen waren. Leeren Metrostationen und Zügen. Menschen an Tischen mit Trennwänden. Bilder von Menschen in Quarantäne und abgeriegelten Nachbarschaften, Ärzt*innen, Helfer*innen, aber auch Lieferanten. Denn auch die Lieferanten gehören zu den Helden dieser Zeit. Ohne sie wäre das mit der Verpflegung für meinen Mann und mich während der Quarantänezeit auch aufwendiger gewesen. Bilder von Szenen, wie sie zu Beginn der Krise zum Alltag gehörten, wie zum Beispiel die Ausgabe von Gesichtsmasken.

Die gesamte Ausstellung und insbesondere die Fotoausstellung hat die Corona-Krise und wie China damit umgegangen ist, wirklich gut einfangen. Echt sehenswert.

Also nichts wie los ins China Art Museum in Pudong. Die Ausstellung läuft nur einen Monat und ist Ende Mai schon wieder vorbei. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr.

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