Du kommst hier nicht rein!

Ich liebe Gangstergeschichten – Shanghai ist daher genau das richtige Pflaster für mich. Hier trifft man auf Schritt und Tritt auf Gangstergeschichten. In den 20er, 30er Jahren brodelte es hier gewaltig. Shanghai war schon damals die wohlhabendste und internationalste Stadt Chinas und mit über eine Million Bewohner*innen. Da die Stadt in diverse Siedlungen (Concessions) aufgeteilt war, in denen unterschiedliche Rechtsprechungen galten, konnten Kriminelle einfach von einem Gebiet in das andere wechseln und so einer Gefängnisstrafe entgehen.

Das DaShiJie, auch bekannt als Great World Amusement Center, war lange Zeit der größte Indoor Vergnügungspark Shanghais. Eröffnet 1917 war es der „place to be“. Hier traf sich alles, was Rang und Name hatte, um sich bei den diversen Varietés, Musikshows und chinesischer Oper oder in in einer der Vergnügungshallen zu amüsieren. Das DaShiJie war aber auch eine der ganz großen Wirkungsstätte eines der größten Gangster Shanghais – Huang Jinrong. Er war der Boss der Green Gang, einer geheimen chinesischen Gemeinschaft und kriminellen Organisation. 1931 hatte er das DaShiJie übernommen und von hier aus seine Geschäfte geregelt.

Das wollten Alexandra, Susanne, Petra und ich uns anschauen. Aber schon der Haupteingang war großräumig abgeriegelt. Keine Chance auch nur in die Nähe der Tür zu kommen. Aber so schnell geben wir nicht auf! Und tatsächlich sind wir auf eine Tür gestoßen, hinter der ein Wächter in Corona-Schutzkleidung stand. Dass wir nicht so ganz ohne weiteres reinkommen würden, hatte ich schon gedacht. Aber wir haben ja alle einen grünen QR-Code. Ich wollte den so gerne mal vorzeigen müssen. Nichts! Wir konnten noch nicht einmal einen Fuß in das Gebäude setzen. Er wedelte freundlich, aber sehr bestimmt mit den Armen. Ein deutliches Zeichen dafür, dass er uns definitiv nicht rein lassen würde.

Da es schon 11:30 Uhr war – beste chinesische Mittagsessenszeit – und auch wir, alle vier offensichtlich schon akklimatisiert, einen kleinen Hunger verspürten, kam es uns sehr gelegen, dass es hinter dem DaShiJie ein wahres „Fress“Paradies gibt. In der Yunnan Lu reiht sich ein kleines Restaurant an das nächste. Überzeugt hat uns ein Restaurant, das „halogen eggs“ anbot. Was ich zunächst für einen Übersetzungs“fehler“ gehalten habe, gibt es aber tatsächlich. Die Eier werden in einem Sud aus unter anderem Soja- und Austernsauce gekocht und erhalten dadurch nicht nur eine interessante Färbung sondern werden auch richtig lecker.

Satt und zufrieden sind Alexandra weiter. Wir wollten auf dem Weg nach Hause noch zum Sihang Lagerhaus. Hier hatte eine Schlacht zwischen Japanern und Chinesen stattgefunden. Die Einschusslöcher sind noch an der Mauer zu erkennen. Wir wollten mehr wissen und uns das Museum anschauen.

Aber auch dieser Eingang war „abgeriegelt“. Zumindest wurden die nicht vorhandenen Besucherströme durch Absperrungen so geleitet, dass man an einem Tisch vorbei musste, an dem zwei Personen in Uniform saßen und Listen ausfüllten. Spätestens seit Corona sehe ich überall Listen, in die alle möglichen Daten eingetragen werden müssen. Alexandra hatte schon die Fotografie ihres Ausweises gezückt und ich meinen grünen QR-Code. Aber wieder wollte man uns nicht reinlassen. Sie wollten unseren Original Pass mit dem Stempel unserer Einreise nach China UND den QR-Code. Weil ich aber wirklich in dieses Museum wollte und definitiv keine Lust hatte, schon wieder abgewiesen zu werden, habe ich alles aufgefahren. Sogar die Bilder von meiner Ankunft am Flughafen plus die Fotos, die ich von den 100 Formularen gemacht habe, die ich dort ausfüllen musst. Nichts. Mit einer Engelsgeduld hat die junge Dame uns immer wieder den gleichen Satz in ihr Übersetzungsprogramm diktiert. Sie brauche den Stempel und den Pass. Irgendwann war ich dann auch bereit, aufzugeben.

Dann eben kein Museum. Museen können auch echt langweilig sein. Also wir weiter mit dem Fahrrad. Aber erst nachdem wir am Wasser unter chineischer Anleitung ein paar Dehnübungen gemacht hatte.

Einfach mit dem Fahrrad durch Shanghai am Suzhou River entlang zu cruisen ist definitiv nie langweilig und wir haben auch noch richtig nette Ecken entdeckt. Natürlich auch Ecken, wo wir mit unseren Fahrrädern eigentlich nicht hin durften. Aber ich hatte mittlerweile so den Kanal dicht, dass wir uns einfach komplett doof gestellt haben und dann zumindest schiebenderweise weiter durfen. Nachdem wir ziel- und planlos einige Zeit geradelt waren, waren wir plötzlich hinter M50. Jetzt wusste ich zwar, wo wir waren, aber nicht, wie wir zurück kommen. Egal. Wir sind erst mal in meine Lieblingsgalerie, Island6. Hier durften wir rein. Allerdings mussten wir den QR-Code vorzeigen und was soll ich sagen, meiner wollte nicht laden. Alipay funktioniert nur, wenn das VPN ausgeschaltet ist und mein doofes VPN wollte sich nicht ausschalten lassen. Der Wachmann war schon sichtlich irritiert und ich wurde dann auch mal etwas nervös. Aber ich habe es geschafft, sehr stolz meinen Code vorgezeigt und los ging’s!

Heute versuche ich noch mal in ein Museum zu kommen. Mit Pass inklusive Einreisestempel UND grünem QR-Code!

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