Einen Spucknapf zur Hochzeit

Mal ganz ehrlich. Beijing Department Store. Das hört sich groß an. Und zwar so richtig groß. Ich war mir sicher, dass ein Department Store mich quasi anspringen müsste. Auch auf den Fotos, die ich dazu im Internet gefunden hatte, sah es durchaus größer aus. Aber nichts. Alex und ich waren die Straße bereits mehrmals hoch und runter gelaufen und während wir uns über das Angebot in einem nicht breiten dafür aber umso tieferen Laden wundern, stellten wir fest: Wir stehen direkt davor. Vor den Beijing Department Store. Allerdings war nicht ganz klar, wer sich hier mehr wunderte. Wir darüber, dass wir den Laden gefunden hatten oder die drei Verkäufer*innen darüber, dass wir nicht nur von außen reinschauen wollten, sondern tatsächlich auch noch in Laden rein kamen und uns alles ganz genau anschauen wollten.

Einen Hinweis auf den Laden hatten wir in einem kleinen Büchlein über Shanghaier Haushaltswaren gefunden. Seit knapp 65 Jahren werden hier etliche der Haushaltsgegenstände verkauft, die in einen traditionellen Shanghaier Haushalt gehören. Tatsächlich ist das Angebot genau so erschlagend wie skurril. Die gesamte rechte Seite ist zugehängt mit Kleidung. Schlafanzüge, Hosen, Blusen, Jacken. Jetzt nicht der letzte Schrei, aber niemand kann hier behaupten, nichts gefunden zu haben.

Die linke Seite ist eine wahre Fundgrube ganz alltäglicher Haushaltswaren, von denen sehr viele hier in Shanghai hergestellt werden. Hier hängen und liegen hunderte von Fake-Kragen, für die der Beijing Department Store berühmt sein soll. Warum diese Kragen erfunden wurden, darüber streiten sich die Geister. Die einen sagen, dass es einen ganz praktischen Grund dafür gibt: Es ist einfacher nur einen Kragen waschen zu müssen, als ein ganzes Hemd. Und für die Hausfrauen und -männer unter uns: einen Fake-Kragen zu bügeln, ist auch schneller erledigt. Es gibt aber auch noch eine finanzielle Begründung für die Kragen. Denn ein solcher Kragen ist selbstverständlich sehr viel preiswerter als ein ganzes Hemd. Mit einem Fake-Kragen konnte man immer „gepflegt“ aussehen, ohne viel Geld investieren zu müssen.

Auch die Plastikarmstuplen, wie man sie bei Skooter-Fahrer*innen sieht, wenn es regnet oder auch nicht, gibt es hier. Bettwärmer, die man insbesondere während der kalten Winter in Shanghai braucht. Die Häuser sind schlecht isoliert. Wenn man dann mit so einem Bettwärmer das Bett schon mal vorheizen kann, ist das bestimmt um einiges gemütlicher. Natürlich werden hier aber auch Teekannen, Messer in jeglicher Größe und Scheren verkauft. „Instrumente“, die für mich auf den ersten Blick, aber auch auf den zweiten, aussahen wie Folterwerkzeuge. Kupferlöffel und spezielle Löffel, mit denen man Eier Dumplings machen kann.

Mein ganz persönliches Highligh sind die Spucknäpfe – auf chinesisch tanyu. Ich kann nicht sagen, dass ich dieser chinesischen Eigenart irgendetwas abgewinnen kann. Aber, dass man dafür auch noch immer spezielle Näpfe kaufen kann, finde ich sehr besonders.

Frisch Verheiratete bekommen solch einen Spucknapf oftmals sogar als Hochzeitsgeschenk – gefüllt mit chinesischen Datteln (hongzao), Lotus (lianzi), Erdnüssen (huasheng) und einer Art getrockneter Pflaumen (guiyuan). Es soll dabei helfen, schnell eine Familie zu gründen.

Neben all diesen Gebrauchsgegenständen gibt es hier dann auch noch Seife der Marke Guben, die 1908 in Shanghai gegründet wurde und noch bis heute Seife zum Waschen von Kleidung herstellt. Clam Öl, eine Handcreme, die traditionell in eine Muschel verpackt wird. Sandelholz für ich weiß nicht was. Und noch so vieles mehr, von dem ich aber leider keine Ahnung habe, was es wohl sein und noch viel weniger Ahnung, wofür man es brauchten könnte. Ich werde noch mal mit meiner Chinesischlehrerin hierher kommen müssen.

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