Ich bin grün!

Seit Montag sind wir frei! Wir dürfen wieder vor unsere Tür treten und uns in Shanghai frei bewegen. Noch Fragen? Seit Tagen mache ich nichts anderes, als kurz und quer durch die Stadt zu radeln und Shanghai aufzusaugen. Erst mit Alexandra, dann mit Manfred, wieder mit Alexandra und am Freitag mit Susanne. Bei bestem Wetter. (Die Berichte dazu folgen!)

Unsere Quarantäne endete Sonntag 0 Uhr. Was aber nicht hieß, dass wir ab genau 0 Uhr unsere Wohnung hätten verlassen können. Nein! Wir brauchten erst noch unseren grünen QR-Code und das Entlassungsschreiben oder eher Entlastungsschreiben unserer Community-Ärztin. Die Ärztin hatte mir versprochen, uns gleich morgens per WeChat das Schreiben zu schicken. Klar, dass wir schon den gesamten Montag in Freiheit verplant hatten. Frühstücken gehen, mit Freunden treffen, mit den Fahrrädern eine Tour machen, Kaffee trinken und Abends lecker essen gehen.

Dann kam am Sonntag vormittags der Anruf unseres Corona-Sheriffs. Wir sollten ihm unseren jetzt grünen QR-Code schicken. Jetzt schon? Es war doch erst Sonntag?! Und wo bitte sollten wir den haben. Wir dachten, dass irgendjemand uns den zuschicken würde. Aber nein! Weit gefehlt! Wieder durften wir feststellen, dass Alipay mehr als nur unsere Rechnungen begleichen kann. Alipay kann auch QR-Code. Unter „HealthCode“ haben wir ihn gefunden und er war tatsächlich schon grün. Obwohl wir offiziell noch nicht unsere Wohnung verlassen durften. Wir also unserem Sheriff unsere Codes geschickt. In der festen Annahme, das war’s. Aber nein. Das war’s nicht. Wir sollten noch bis Montag 14 Uhr in der Wohnung bleiben. Er würde dann mit seinen Kolleg*innen kommen und uns noch eine Stunde lang „warm tips“ geben. Auf die „warm tips“ freute ich mich. Meiner Meinung nach ein echter Grund, um noch mal einen halben Tag in der Wohnung zu verbringen. Zu gerne wollte ich wissen, war er unter „warm tips“ versteht.

Mittags kam unsere Community-Ärztin, um ein letztes Mal bei uns Fieber zu messen. Mit leuchtenden Augen berichtete sie, dass sie schon an der Rezeption Bescheid gegeben habe – ab morgen früh dürften wir uns wieder frei bewegen. Als ich ihr dann erzählte, dass unser Sheriff das anders angeordnet hätte, zückte sie sofort ihr Handy und rief, ich weiß nicht, wie viele Leute an wie vielen Stellen an. Ich habe nichts verstanden. Nur so viel, dass sie wollte, dass sie nicht damit einverstanden war, dass wir noch länger in der Wohnung bleiben sollten. Das Ergebnis ihrer Bemühungen hörte sich für mich so an, als hätte sie nichts erreicht. Der Übersetzung ihrer App konnte ich nur so viel entnehmen, dass wir noch auf den Sheriff warten mussten. Ok. Dann eben doch noch ein Vormittag mehr.

Montag morgens 8:30 Uhr – wir waren auf Ausschlafen eingestellt, weil chinesischer Feiertag und weiterhin Quarantäne – klingelte es an der Tür. Mein Mann hin. Ich hatte nichts gehört, weil ich, wenn ich schlafe, schlafe. Und wer stand da vor der Tür?! Unser Corona-Sheriff, bzw. eine Frau aus seinem Team. Sie übergab meinem Mann einen Zettel mit den „warm tips“, machte ein Foto von meinem Mann mit dem Zettel in der Hand und das war’s. Keine einstündige Belehrung. Nur ein Foto und der Spuk war vorbei.

Natürlich bin dann auch ich aus dem Bett gesprungen und wir sind erst mal Frühstücken gegangen mit anschließendem, ausgiebigen Spaziergang durch die Gemeinde. Wir hatten ja alle Verabredungen abgesagt. Selbstverständlich wollten wir jetzt auch unseren grünen QR-Code egal wo vorzeigen. Nachdem wir in dem Frühstückscafé nicht dazu aufgefordert worden waren, haben wir einen Abstecher in eine der super edelen Shopping-Malls auf der Huaihai Lu gemacht. Hier würden sie uns doch bestimmt auffordern, den Code zu zeigen. Zu unserer großen Enttäuschung wollte aber niemand unseren Code sehen. Uns wurde noch nicht einmal Fieber gemessen. Da wir jetzt aber schon da waren, haben wir Masken eingekauft. Masken sind jetzt immer und überall Pflicht. An den Eingängen zu fast allen Geschäften und Cafés hängen Schilder, die darauf hinweisen. Und es gibt sie in allen Farben, Formen, Größen, Materialien und Filtergraden. Für jeden Geschmack und zu jedem Outfit passend die richtige. Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Masken, wie wir sie aus den Krankenhäusern kennen. Masken, die den Träger aussehen lassen, wie Donald Duck. Masken, die an Darth Vader erinnern. Einwegmasken aus Zellstoff, aus Schaumstoff und waschbare. Schwarz, weiß, rosa, hellblau und noch viele andere Farben. Wir haben sogar schon Masken mit der Skyline von Shanghai gesehen.

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