Chinesische Teezeremonie

Wer längere Zeit in China lebt, MUSS an einer Teezeremonie teilnehmen. Meine ist zwar schon eine Weile her, aber ich will Euch das nicht vorenthalten.

Schon in den ersten Tagen in Shanghai hatte ich in der Wulumuqi (ist das nicht ein wunderschöner Name?!!!! Von dieser Straße muss ich noch mal separat erzählen) Road, bei uns um die Ecke, hinter einer Mauer ein Schild herausragen sehen, das auf ein Teehaus hinweist. Da ich aber nie so etwas ähnliches wie einen Eingang gesehen hatte, war ich davon ausgegangen, dass das noch ein Relikt aus einer anderen Zeit sein müsste. Weit gefehlt! Alexandra hatte während einer ihrer Recherchen herausgefunden, dass man hier an Teezeremonien teilnehmen kann. Wenn man chinesisch kann, was dann schon mal die erste Herausforderung war und wenn man, wie in meinem Fall, den Eingang findet.

Die Herausforderung mit den chinesischen Sprachkenntnissen haben wir über eine Dolmetscherin gelöst, das mit dem Eingang per WeChat bzw. persönliche Führung durch Alexandra. Komischerweise hatte Alexandra den Eingang gleich gefunden. Mir nach wie vor ein Rätsel.

Nach einer kurzen Begrüßung ging es los mit einer Führung durch das kleine Teehaus. Unsere Zeremonienleiterin (oder wie soll ich sie nennen?) stellte uns die diversen Teesorten vor und erläuterte die Vorzüge verschiedener Teekannen aus unterschiedlichen Tonarten.

Hattet Ihr schon mal von violettem Ton gehört? Es handelt sich dabei um einen ganz besonderen Ton, den es nur in der Gegend von Yixing gibt und in den Gruben der Huanglongshan (黄龙山) und Zhaozhungshan (趙荘山) gewonnen wird. Er ist besonders sandige Konsistenz und besteht aus Kaolin, Quarz und Glimmer mit einem Eisenoxid-Gehalt von 7,4 bis 8,7 %. Dem Eisenoxid verdankt der Ton seine violettbraune Färbung. Das Kaolin sorgt dafür, dass der Ton bei hohen Temperaturen gebrannt werden kann, aber auch seine Härte.

Und natürlich zeigte sie uns auch die traditionelle Kleidung aus der Region, aus der der Tee stammt, den wir trinken würden – die Yunnan Region.

Nach dieser intensiven Einführung, von der ich weniger als die Hälfte behalten konnte, ging es los. Was ich mir aber gemerkt habe ist, dass es in der Yunnan Provinz Teebäume gibt, die bis zu drei Meter hoch und mehrere 100 ja sogar 1000 Jahre alt werden können. Nichts kleine Sträucher mit kleinen Blättern. Die Blätter der Teebäume sind vergleichsweise riesig und in aller Regel handelt es sich hier um einen Pu’erh.

Traditionell hat eine Teezeremonie zwölf Schritte:

  • Im 1. Schritt wird das Teeset vorbereitet.
  • Anschließend werden die Gläser erwärmt und alle Utensilien gewaschen. Je nach Teeart wird dazu auch schon mal der erste Aufguss genutzt).
  • Danach dürfen alle Teilnehmer*innen die Teeblätter begutachten.
  • Im vierten Schritt wird der Tee in die Kanne geschüttet.
  • Als nächstes wird der Tee geweckt. Bei unserer Zeremonie wurden die Blätter über einer Heizplatte leicht angeröstet, um so die Inhaltsstoffe freizusetzen.
  • Erst dann wird er im sechsten Schritt mit heißes Wasser, nicht mehr kochendem (!) Wasser aufgegossen. Diesen Aufguss kann man fünf bis acht mal wiederholen. Immer mit den gleichen Blättern. Bei jedem Aufguss verlängert sich die Ziehzeit um ca 10 Sekunden. Nach jedem Mal schmeckt der Tee tatsächlich leicht anders und sieht auch anders aus. Das ist wichtig zu wissen! Warum erkläre ich gleich noch.
  • Nachdem der Tee gezogen hat, wird er im siebte Schritt ausgegossen und zwar in die Fairness-Cup („gong dao bei“). Merkt Euch „Fairness-Cup“!
  • Schritt Nummer acht ist das Betrachten des ausgegossenen Tees.
  • Schritt neun ist das Ausschenken des Tees in die kleinen Tassen.
  • Jetzt wird der Tee allen präsentiert und erst im
  • elften Schritt darf dann endlich getrunken werden. Was sich einfacher anhört, als es de facto ist, denn Männer müssen die Tasse anders festhalten als Frauen. Aber auch das haben wir gelernt, wie Alex eindrucksvoll auf dem Foto beweist. Männer spreizen die Finger nicht ab, sondern halten die Tasse mit einem Finger von unten fest.
  • Der zwölfte und letzte Schritt ist das Abräumen des Teesets.

Jetzt zu der Fairness-Cup (auf dem Bild oben die kleine gläserne Kanne, die aussieht wie ein Milchkännchen) und dazu, dass jeder Aufguss anders schmeckt. Darüber wie es zu der Fairness-Cup kam, streiten sich die Geister. Zumindest die in meiner WeChat-Tee-Gruppe. Ich kann mich daran erinnern, dass unsere Zeremonienmeisterin uns eine Geschichte erzählte, die sich während der Ming Dynastie zugetragen hat:

Tee trinken ist, wie wir alle wissen, etwas urchinesisches. Angeblich hat ein chinesischer Kaiser den Tee sogar entdeckt. Sicher ist, dass schon die Kaiser mit ihren Beamten regelmäßig Tee getrunken haben und sich während sie gemütlich beisammen saßen über die Politik unterhielten. Die Geschichte erzählt von einem Kaiser, der zwar größten Wert auf die Meinung seiner Beamten legte, aber nicht so wirklich gut mit Kritik umgehen kann. (Kommt Euch bekannt vor? Ich kenne einige solcher Kaiser! Egal ….) Dieser Kaiser hat den Beamten, die sich kritisch geäußert hatten, dann immer den schlechteren Aufguss bzw. den Tee einschenken lassen, der noch nicht so lange oder besonders lange gezogen hatte. Um das zu unterbinden, wurde die Fairness-Cup eingeführt. So konnte sichergestellt werden, dass jeder den gleichen Tee bekam. Denn, wie gesagt/geschrieben, jeder Aufguss schmeckt anders.

Ein Kommentar Gib deinen ab

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s