Einkaufen – nichts für Feiglinge

Man muss das Haus nicht verlassen, um einzukaufen. Es gibt unzählige Apps, mit denen man einkaufen kann. Die wohl bekanntesten darunter sind Joybuy, Taobao und Alibaba. Alles wird direkt an die Haustür geliefert. Bisher war ich der Meinung, dass Online einkaufen nur etwas für Feiglinge ist, insbesondere in meiner Situation. Viel spannender finde ich es, mich durch die lokalen Supermärkte zu schlagen und anhand der Verpackungen zu erraten, was da wohl drin steckt. Was nicht immer gelingt. Unsere erste in China gekaufte Milch war eher eine Molke, aber sehr lecker. Ich werde das wieder kaufen. Mein Waschmittel für weiße Wäsche, ist eine Art Sakrotan. Wir haben jetzt also nicht nur saubere, sondern echt reine Wäsche. Beim Versuch Spülmaschinentaps zu kaufen, bin ich kläglich gescheitert. Ich weiß nicht, wie lange ich durch die Gänge gestreift bin. Jede Verpackung, die auch nur im entferntesten darauf hinwies, Spülmaschinentaps zu enthalten, hatte ich in den Händen. Nichts. In den darauffolgenden Tagen habe ich jeden Supermarkt, der mir auf meinen Streifzügen durch Shanghai in den Weg kam, durchsucht. Nichts.

Weil ich aber nicht alles von Hand spülen wollte, bin ich dann doch zum Housekeeping hier im Haus gegangen und habe mir, wie danach fast täglich, helfen lassen. Leider wussten die Damen auch nicht, wo ich die ominösen Taps bei uns der Nähe bekommen könnte. Sie haben sie also für mich online bestellt. Nur einen Tag später konnte ich die Spülmaschine anschmeißen.

Dass ich nichts finden kann, liegt übrigens nicht daran, dass es das hier nicht gäbe. Hier gibt es alles. Selbst wenn ich die Sprache verstehen würde, lesen könnte, was auf den Etiketten steht, wäre ich überfordert. Die Auswahl an Ölen ist so groß, dass sie einen erschlägt. Maisöl, Reisöl, Sesamöl, Soyaöl, Olivenöl, Sonnenblumenöl und mehr. Alles in kleinen, mittelgroßen, größeren und riesigen Flaschen und alles von zig verschiedenen Herstellern. So ganz weiß ich noch immer nicht, was ich kaufe, aber ich habe mittlerweile eine ganz gute Auswahl an Ölen und weiß auch schon, wofür ich welches gut verwenden kann.

Anders sieht es beim Reis aus. Auch hier ist die Auswahl erschlagend. Es gibt längliche Reiskörner, eher runde. Rein weiße, weiße mit braunen vermischt, Reiskörner, die schon fast an kleine Bohnen erinnern. Ich habe definitiv keine Ahnung, welchen Reis ich wann kaufe. Das Ergebnis ist immer eine Überraschung. Den Reis kann man abgepackt oder lose kaufen. Abgepackt ist er eigentlich nur in Portionen zu erhalten, die bei uns und meinem Faible für Kochen locker für unseren gesamten Aufenthalt in China reichen würde. Nach einem intensiven Streifzug durch die Reisregale des Supermarkts habe ich aber eine kleiner Packung gefunden und eingepackt.

Neben all den Produkten, die ich mehr oder weniger erkenne, gibt es dann auch noch Nahrungsmittel, die mir so gar nichts sagen. Nie gesehen, nie gehört und wahrscheinlich auch noch nie gegessen.

Meine nächste Herausforderung: Einen Reiskocher kaufen. Nicht, dass es nicht unzählige Reiskocher zu kaufen gäbe. Die Regale in den einschlägigen Supermärkten stehen voll damit. Man glaubt nicht, wie viele verschiedene Reiskocher es gibt. Das Problem ist nur: Auf den Kochern ist alles auf chinesisch und sie sprechen auch nur chinesisch mit einem – also die Reiskocher! Jetzt weiß ich zwar schon, was Reis auf chinesisch heißt, auch kann ich sagen, dass ich Reis essen will, aber ich glaube nicht, dass das der Maschine reicht. Ich brauche einen englischsprechenden Reiskocher oder zumindest einen, der eine englische Gebrauchsanweisung dabei hat. So einen musste ich dann wohl oder übel online bestellen.

Bei meiner App kam ich ziemlich weit, aber beim Eingeben der Adresse bin ich gescheitert. Ware aussuchen, Name, Straße, Stadt. Alles kein Problem. Durch diese Menüpunkte wurde ich auf Englisch geleitet, aber bei der Auswahl der Region war es vorbei. Hier waren nur chinesische Zeichen. Keine Chance. Ich also wieder zu meinen netten Damen an der Rezeption. Die finden mich mittlerweile schon „cute“. Mit „meiner“ App konnten sie mir zwar nicht helfen, aber ich habe jetzt Taobao. Hier kann ich auf Englisch nach allem suchen und sogar Bilder von den Sachen hochladen, die ich kaufen möchte. Einzige Herausfoderung aber auch hier: Das eigentliche Bestellen.

Der Reiskocher ist mittlerweile schon ein fester Bestandteil unserer Küche. Was aber nicht heißt, dass ich ihn oft benutzt hätte. Insgesamt wurde er von mir ganze zwei Mal eingesetzt. Weil …. ich habe zwar ein nicht originär chinesisches Produkt bestellt, aber dennoch steht auf dem Ding alles auf chinesisch. Umstellen auf Englisch ist nicht möglich. Eine englische Anleitung nicht vorhanden. Mir die Zeichen von meiner Lehrerin erklären lassen und merken – auch nicht. Also habe ich mich erst mal im Netz auf die Suche nach einer englischen Gebrauchsanweisung gemacht und war erfolgreich. Mit der Anleitung und Aufklebern bewaffnet habe ich mich dann daran gemacht, den Reiskocher für mich tauglich zu machen. Ganz stolz habe ich dann einer Freundin das Ergebnis meiner Bastelarbeit geschickt. So ganz überzeugt war sie nicht, denn abends hatte ich schicke Aufkleber von ihr auf dem Tisch. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Seit Theresa bei uns wohnt, kommt der Reiskocher auch zur Anwendung. Nicht nur spricht, versteht und kann sie Chinesische, sie kocht auch noch gerne! Aber bevor sie wieder geht, kann ich das Ding dann auch bedienen.

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