Mit dem Fahrrad zum Mond

Neil Armstrong musste mit einer Rakete zum Mond. Wir waren zwar auch ziemlich lange unterwegs, aber mit dem Fahrrad. Gesehen haben wir das Gleiche.

Es ist Samstag und wir haben uns zu einer Fahrradtour mit Shanghaiprofis verabredet. Unser Ziel: Der Mond mit einem Blick auf die Welt, wie ihn Neil Armstrong vor genau 50 Jahren hatte. Um dahin zu kommen, haben wir uns ausreichend Zeit genommen und sind auf dem Huangpu Fahrradweg, einem super gut ausgebauten Radweg diessseits und jenseits des Flusses, unterwegs. Den West Bund und sein Kunstzentrum haben wir schon besucht, also geht es heute auf die andere Seite – nach Pudong. Auch hier gibt es zahlreiche ehemalige Fabriken oder Silos, die in Kunstzentren umgebaut werden. Es ist wirklich erstaunlich, wie viele Kunstzentren es hier gibt beziehungsweise entstehen. Wir werden es nie schaffen, uns darüber einen Überblick zu schaffen. Es ist einfach zu viel.

Aber nicht nur die vielen Kunstzentren sind interessant. Wir bekommen hier noch mal eine ganz andere Perspektive auf das Finanzviertel und die Gegend südlich davon. Hier reiht sich eine Grünanlage an die nächste. Liebevoll gestaltete Parks. Jeder anders.

Wir kommen auch an dem Kinderkrankenhaus von Shanghai vorbei. Hier zeigt sich wieder wie unheimlich wichtig Kinder hier sind. Kinder werden hier behandelt wie kleine Prinzessinen und Prinzen und genau so sieht das Krankenhaus von außen aus: wie ein Schloss. Auch wenn das Gebäude nicht die Angst komplett nehmen kann, bin ich mir doch sehr sicher, dass die Kinder in so ein Krankehaus ganz anders reingehen als in eines unserer schon von außen sterilen Krankenhäuser.

Mit der Fähre geht es zurück auf die Puxi Seite Shanghais und durch die abendlichen Straßen näheren wir uns unserem Ziel.

Am 21. Juli 1969 betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Fast auf den Tag genau 50 Jahre später, schwebt in Shanghai eine überdimensionierte Weltkugel über unseren Köpfen – der Boden sieht aus wie die Oberfläche des Mondes.

Die Menschen stehen dicht an dicht. Vor einem Zelt eine ziemlich lange Schlange. Wir beschließen, uns das Innere des Zeltes entgehen zu lassen und gehen direkt zur Weltkugel. Auch wir wollen Fotos von uns mit der Welt in unseren Händen machen und obwohl alle das machen, werden wir zu einem begehrten Fotomotiv. Etliche Kameras werden auf uns gerichtet. So unauffällig wie möglich. Zwar meinen die meisten, dass wir es nicht bemerken, aber wenn ein Objektiv direkt auf einen gerichtet wird, dann ist das doch recht offensichtlich. Spätestens als Regina und ich auf dem Boden sitzend Selfies von uns „auf dem Mond machen“, werden die chinesischen Hobbyfotografen offensiver. Es bildet sich eine richtige Traube. Alle zücken ihre Kameras/Handys und machen begeistert Fotos von den beiden bekloppten Langnasen, die da auf dem Boden sitzen und sich köstlich amüsieren. Einige kommen sogar auf uns zu und zeigen uns die Fotos. So schade, dass ich noch immer nichts wirklich Sinnvolles auf Mandarin sagen kann. Ich könnte einen Kaffee, Tee oder Wasser anbieten, aber wo soll ich das dann herbekommen. Also bleibt mir mal wieder nichts anderes übrig, als freundlich zu lächeln.

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