Chinesisch für Runaways

Heute war ein rundum erfolgreicher Tag für mich, auch wenn ich sämtliche Chines*innen um mich herum mal wieder in die komplette Verwirrung getrieben habe.

Angefangen hat alles damit, dass ich heute vormittag den Quiltladen gefunden habe, den ich im Internet recherchiert hatte. Ich hatte schon so einige Male, etwas im Internet recherchiert. Ich erinnere: Fake Market, der dann nicht mehr da war, wo er sein sollte. Drachenbootrennen, das dann schon eine Woche früher stattgefunden hatte. Ich gebe zu, als ich an meinem Ziel, dem Shanghai Mart, ankam, war ich mir nicht ganz sicher, ob ich hier das finden würde, was ich suchte. Das Gebäude sieht aus wie ein Geschäftsgebäude und überall stand „Show Rooms“. Ich dachte immer, in einem Show Room könne man nichts kaufen. Aber ich konnte. Erfolgreich. Ich konnte nur nicht mit Alipay bezahlen, was für einige Verwirrung auf Seiten der Verkäuferin gesorgt hat. Wer hier mit Bargeld bezahlt, wird immer komisch angeschaut. Das ist so was von altmodisch! Aber egal. Ich habe bekommen, wofür ich 45 Minuten mit dem Fahrrad quer durch die Stadt gefahren war.

Wieder zuhause habe ich erfolgreich sämtliche Pins für mein Alipay zurückgesetzt und neue eingegeben, inklusive Face ID. Für alle, die Alipay nicht kennen, so wie ich bis vor wenigen Wochen. Alipay ist eine App, mit der man bezahlen kann. Entweder scannt die Verkäuferin den QR Code ein und ich bestätige den Betrag oder ich scanne den QR Code der Verkäufterin ein, gebe den Betrag ein und dann noch einen Bestätigungscode. Mein Problem der vergangenen Tage: Ich hatte den Pin vergessen. Mit WeChat-Unterstützung von Sofie konnte ich aber alles zurücksetzen. Erfolgreich. Auch Sofie hatte ich aber erst mal komplett verwirrt, weil ich dachte, ich hätte den Pin zu meinem Bankkonto vergessen. War es aber nicht. Es war der zu Alipay und das ist etwas GANZ anderes.

Bevor ich dann erfolgreich einkaufen gegangen bin, inklusive dem erfolgreichen Bestellen und Bezahlen von Take Away Nudeln, hatte ich Chinesischunterricht. Chinesisch ist so eine schöne Sprache, insbesondere die Zeichen sind so unglaublich interessant und voller Phantasie. Meine Lehrerin hat mir ein paar Bücher empfohlen, die die Zeichen erklären. Wenn man sich die Zeichen dann so anschaut, kann man in ihnen tatsächlich die Figuren erkennen. Zum Beispiel ist das Zeichen für Haus, ein Schwein unter einem Dach. Die Erklärung dazu: Ein domestiziertes Schwein machte dem Menschen keine Schwierigkeiten und konnte frei im Haus rumlaufen (zumindest war das früher so).

Das Zeichen für morgen ist ein Mond gefolgt von einer Sonne. Logisch! Bevor der nächste Tag anbricht, kommt erst der Mond und dann die Sonne. Meine Lehrerin hat sich zum Ziel gesetzt, mir im ersten Unterrichtsblock 50 Zeichen beizubringen. Ich sitze jetzt also abends da und lerne neu schreiben. Ich fühle mich wie eine Grundschülerin. Aber das wollte ich eigentlich gar nicht erzählen. Ich wollte von meinem Erfolg im Unterricht erzählen. Ich habe heute eigenständig – ohne Hilfe – drei Sätze auf chinesisch ausformuliert und ausgesprochen. Ich gebe zu, dass meine Lehrerin mich nur verstanden hat, weil sie wusste, was ich sagen wollte, aber immerhin.

Beschwingt von diesem Erfolg bin ich dann, wie gesagt, einkaufen gegangen. Unglaublich aber wahr: Ich habe den Betrag verstanden, den ich zahlen sollte. Voller Euphorie wollte ich der Verkäuferin klar machen, dass ich sie gerade verstanden hatte. Stolz habe ich versucht, auf chinesisch zu zählen, um zu zeigen, dass ich schon die Zahlen kann. Sie schaute mich aber nur mega verwirrt an. In ihren Augen komplettes Unverständnis. Irgendwie konnte ich mich dann aber doch verständlich machen und sie hat dann tatsächlich mit mir Zählen geübt. Ich bin mir sicher, dass sie mich das nächste Mal sofort erkennt und heute Abend ihrer Familie von der verrückten Langnase erzählen wird.

Ich kann mich noch so gut daran erinnern, wie mein Vater beim Italiener immer das Eis auf italienisch bestellen wollte und der Verkäufer nie verstanden hat, was dieser komische Mann von ihm wollte. Ich stand daneben und schämte mich in Grund und Boden. Wenn ich heute daran denke, könnte ich mich wegschmeißen vor Lachen. Ich kann es wohl nicht verleugnen, die Tochter meines Vaters zu sein.

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